Wirtschaftsthemen

Notizen über Wirtschaft und Finanzsystem

Archive for February, 2009

Expertenmeinungen zu Ryanairs Toilettengebühr

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Ryanair-Chef Michael O’Leary steckt voller Ideen. Diesmal ging es im Frühstücksfernsehen von BBC um Pay-WCs in 10.000 Metern Höhe. Bis zu 1,30 Euro pro Sitzung sind im Gespräch. O’Leary argumentiert, auf Bahnhöfen müsse man schliesslich auch bezahlen und die Flugpreise sollten doch billig bleiben. Aber was sagen die Experten?

  • Der Controller würde, wie eben auf Bahnhöfen auch, die Preise nach Bedürfnis staffeln.
  • Der Unternehmer fragt: “Hat die Flugzeug-Pacht-Toilette Zukunft?”
  • Der Investmentbanker empfiehlt die Bündelung aller Bordtoiletten zu einer Zweckgesellschaft, um sie dann im Rahmen eines Spin-Offs an die Börse zu bringen. Schliesslich würde ja das Catering auch von Fremdfirmen übernommen.
  • Die Kartellbehörde widerspricht und reguliert den Toilettenmarkt in vordere und hintere Toiletten-Firmen.
  • Derweil streitet sich die Politik über die soziale Verträglichkeit der Toilettengebühr.
  • Verbraucherschützer warnen und verlangen mehr Transparenz bei solchen Geschäften.
  • Ein europäischer Luftfahrtkonzern plant schon die nächste Toiletten-Generation mit mehr als 1.000 Sitzen.

O’Learys Ideen stecken voller Potenzial.

Written by Frank Kerkau

February 28th, 2009 at 4:24 pm

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Baufinanzierung: Mit niedrigen Zinsen bares Geld sparen

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Die Zinsen sind immer noch niedrig, auch die für Hypothekendarlehen. Das verleitet Häuslebauer, sich finanzielle Freiräume offen zu halten und ihr Geld für andere Dinge auszugeben oder gar überhaupt an einen Baukredit zu denken. Banken tun ihr Übriges und bieten oft Konditionen mit nur 1,00 Prozent Tilgung. Das hilft den Banken, denn je weniger Tilgung, desto länger verschuldet und umso mehr Zinseinnahmen.

Ein existenzielles Risiko für Kreditnehmer
Wie sich die Zinsen in den nächsten 25 Jahren entwickeln werden, weiss niemand. Im schlimmsten Fall, Banker nennen ihn “worst case”, steigen sie und mit der nächsten Anschlussfinanzierung kann sich der Hausbesitzer seine Finanzierung nicht mehr leisten. Daher sollte die Verschuldung möglichst klein gehalten und sich möglichst schnell entschuldet werden. Damit wird der Kredit insgesamt billiger und das Risiko, sein Haus zu verlieren, reduziert.

Eigenmittel
Kunden tendieren oft dazu, ihr Bares im Trockenen zu halten und es stattdessen der Bank als sogenannte Zusatzsicherheit anzubieten, was die Finanzierung unnütz in die Höhe treibt. Ist die Bonität des Kreditnehmers gut und die Immobilie genügend werthaltig, wird die Bank sogar darauf eingehen. Bei beliehenen Eigenmitteln gewinnt die Bank doppelt. Sie verdient an der höheren Finanzierung und zudem an der Geldanlage. Ist das weise?

Tilgung und Sondertilgung
Hier gehört alles Geld rein, was der Kreditnehmer aktuell und künftig entbehren kann, also unregelmässige Einnahmen ebenso. Auch hier gilt: Sparen und finanzieren verlängert unnütz die Darlehenslaufzeit und kostet nur. Kommt es zum Treffen, muss das nebenher Ersparte sowieso eingesetzt werden.

Schnelle Entschuldung

  • spart Zinsen,
  • reduziert den Risikoaufschlag,
  • macht schneller unabhängig,
  • sichert das Eigentum am Haus bei finanziellen Engpässen und
  • schafft zudem Verhandlungsspielraum für die nächste Anschlussfinanzierung.

Niedrige Zinsen clever nutzen

Faustregel:
(Zinshoch 1990 ./. aktueller Zins) / 2 + 1 Prozent Tilgung ./. aktueller Zins = aktuelle Tilgungsrate

1990 lagen die Hypothekenzinsen bei 9 Prozent, aktuell pendeln sie um 4 Prozent. Der Zinsdurchschnitt liegt derzeit also bei 6,5 Prozent. Plus mindestens 1 Prozent Tilgung ergibt eine historisch durchschnittliche Darlehensrate von 7,5 Prozent. Eine aktuelle Finanzierung mit 4 Prozent Zinsen und 3,5 Prozent Tilgung hätte dieselbe durchschnittliche Belastung von 7,5 Prozent bei wesentlich kürzerer Darlehenslaufzeit und schnellerer Entschuldung.

Written by Frank Kerkau

February 27th, 2009 at 8:21 pm

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Banken: Was hat der Renditewahn den Aktionären gebracht?

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Vollmundig hatten Bankmanager ihren Aktionären märchenhafte Renditen versprochen. In den letzten 10 Jahren haben sie outgesourced, fusioniert, umverteilt, Produkte erfunden, welche die Welt nicht braucht, und haben die Börsen in Spielcasinos verwandelt. Doch was hatten die Aktionäre davon? (DM in Euro umgerechnet)

Die Commerzbank-Aktie (WKN: 803200) notierte 1999 noch bei rund 25 Euro. Heute steht ihr Kurs bei 2,81 Euro.

Der Deutschen Bank (WKN: 514000) hat das 25-Prozent-Eigenkapitalrendite-Versprechen nicht geholfen. 1999 war ihre Aktie den Börsianern noch 50 Euro wert. Inzwischen hat sich ihr Kurs mehr als halbiert.

Der Hypovereinsbank (WKN: 802200), entstanden im Zuge der Fusion von Hypo Bank und Vereinsbank, wurde 1997 noch eine rosige Zukunft vorausgesagt. Die Aktie lief von 20 Euro gen Himmel und notierte in der Spitze bei über 80 Euro. Dennoch, wer vor der Fusion Aktien der Bayern-Banken hielt und bis zum Squeeze-Out durch die Unicredito in 2008 nicht verkaufte, konnte sich über ein Plus von immerhin noch fast 100 Prozent freuen. Die Abfindung betrug 38,26 EUR je Aktie.

Die Hypo Real Estate (WKN: 802770), erst seit Oktober 2003 an der Börse gelistet, war bis 2007 nach Ausplatzierung ihrer HVB-Altlasten sowie weltweiter Expansion im professionellen Immobiliengeschäft recht gut unterwegs. Dann der schicksalsschwere Entschluss zur Übernahme der DEPFA BANK plc.. Die Aktie stürzte von über 55 Euro auf 1,25 Euro.

Die Aareal Bank AG Inhaber-Aktien (WKN: 540811), seit Juni 2002 an der Börse gelistet, konnten sich trotz der Geschäftserfolge nicht dem Sog der Finanzkrise entziehen. Die Aktie notiert heute bei einem Zehntel ihres Wertes von vor zwei Jahren. Die Aareal Bank AG entstand durch Auslagerung der Immobilienfinanzierungen der Depfa und gilt als gesunde Bank. Sie präsentierte trotz Finanzkrise in 2008 schwarze Zahlen. In der kürzlichen Beantragung von Staatshilfen sehen Experten eher einen strategischen Schachzug.

Die Aktie der Deutschen Postbank (WKN: 800100), seit 2004 gelistet, kommt von rund 30 Euro, erreichte ihr Hoch in 2007 bei 75 Euro und steht heute unter 10 Euro.

Jetzt könnte man über die Finanzkrise als vermeintliche Ursache der Kursstürze philosophieren. Fakt ist, dass die Banken durchweg in Sachen Eigenkapital sehr schwach auf der Brust sind. Alles, was sie schon immer ihren Firmenkunden predigten, vernachlässigten sie selbst. Dass solide wirtschaftende Unternehmen selbst in Krisenzeiten ihren Aktionären Freude bereiten, beweisen “Deutschlands beste Aktien der letzten 10 Jahre”.

Daten und Charts können unter ARIVA.DE eingesehen werden.

Written by Frank Kerkau

February 26th, 2009 at 4:52 pm

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KfW: Keine Kreditklemme für Mittelstand

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Deutsche Unternehmen haben auch Anfang 2009 trotz Finanzkrise weiterhin Zugang zu Krediten, jedoch zu schwierigeren Bedingungen der Banken, teilt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit.

Gemäss einer Blitzumfrage der KfW Bankengruppe im Februar 2009 unter führenden Wirtschaftsverbänden werden sich die Finanzierungsbedingungen im laufenden Jahr weiter verschlechtern. Dabei gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sich der Zugang zu Investitionskrediten in den letzten drei Monaten nicht veränderte. Ein Drittel verwies auf höhere Anforderungen bei Sicherheiten und Offenlegung von Informationen sowie auf höhere Zinsen.

Betroffen seien vor allem die Automobilindustrie, die Werften und Teile der Metall- und Elektroindustrie. Jedoch gebe es für die Mitgliedsunternehmen grundsätzlich keine allgemeine Kreditklemme. Probleme hätten jedoch grössere exportabhängige Unternehmen und kleine Firmen mit geringem finanziellen Puffer.

Rund drei Viertel der Befragten erwarten, dass sich die Finanzierungsprobleme in den kommenden drei Monaten verschlechtern werden. Das Risikobewusstsein der Banken habe erheblich zugenommen.

ots

Written by Frank Kerkau

February 26th, 2009 at 12:11 am

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Tengelmann: Fristlose Kündigung für 1,30 Euro angemessen?

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Das LAG Berlin-Brandenburg hat in zweiter Instanz die fristlose Kündigung der langjährigen Kassiererin Barbara E. durch die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann AG bestätigt. (Hamburger Abendblatt) Die Kassiererin soll nachweislich zwei Leergutbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen haben. Gemäss Urteil (Az.: 7 Sa 2017/08) müsse eine Kassiererin “unbedingte Zuverlässigkeit und absolute Korrektheit” zeigen. Eine Entscheidung, die gerade bei Gewerkschaften bundesweit Entsetzen hervorruft.

Ich sag’s mal so:
Wenn ich als Kunde feststelle, dass eine Kassiererin sich verrechnet oder – wie mir schon passiert – eine Verkaufsstelle den Betrag für einen Einkauf doppelt von meinem Konto abbucht, dann ist die Geschäftsbeziehung beendet. Wenn in Sachen Geld das Vertrauen nicht mehr da ist, muss man sich halt trennen.

Written by Frank Kerkau

February 25th, 2009 at 11:21 pm

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Ab 1941 auf Schaefflers Nadellagern durch Europa

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Es wäre auch zu schön, der Schaeffler-Gruppe für ihr weltweit erfolgreiches Wälzlager-Geschäft jüdische Wurzeln anzudichten, wie es das linke Magazin “German Foreign Policy” versucht:

“Die Gründer der Firma (Schaeffler, Red.), die sich derzeit um staatliche Milliardenbürgschaften bemüht, begannen ihre unternehmerischen Aktivitäten entgegen offiziellen Angaben nicht erst 1946. Vielmehr nutzten sie für ihren Nachkriegs-Start Know-How und Gerät einer ehemals jüdischen Fabrik in Kietrz . . .”

Wie war das damals? Ich zieh das Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach, Ausgabe vom 27. März 2008 und finde:
Wilhelm Schaeffler übernahm im Jahre 1939 die oberschlesischen Plüsch-, Krimmer- und Teppichwerke der DAVISTAN AG, ein Unternehmen der jüdischen Fabrikantenfamilie David, welches im Zuge der Arisierung von einem Bankenkonsortium angeboten wurde. Zunächst fertigte das nunmehr als Schaeffler AG firmierende Unternehmen Bekleidung für Kinder, Frauen und Wehrmacht. Erst 1941 übernahm die Schaeffler AG mit der Umstellung auf die Produktion kriegswichtiger Güter auch die Herstellung von Nadellagern, welche unter anderem für Panzerketten benötigt wurden. Das Know How und die Maschinen dafür stellten die unter schwedischer Führung zusammengeschlossenen Vereinigten Kugellagerfabriken AG, Schweinfurt und Bielefeld zur Verfügung. Ich bin mir fast sicher, dass Nadellager sehr wenig mit Teppichen gemein haben.

Heute fertigt Schaeffler als weltweit grösster Zulieferer für Automobilindustrie sowie Luft- und Raumfahrt Antriebsstränge, Wälz- Nadel- und Kugellager. Ob dabei Textilien eine Rolle spielen, weiss ich nicht.

Warum aber gerade jetzt die Erinnerung an frühere Schaeffler-Zeiten? Bei den Schaefflers beginnt die Firmengeschichte offiziell erst 1946, obwohl deren Unternehmertätigkeit im “Dritten Reich” schon lange bekannt ist, wie im Herzogenauracher Heimatblatt, Ausgabe vom 06. November 1997 nachzulesen. Schaeffler braucht Geld und will den Steuerzahler belasten, was polarisiert. Während Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, Mitarbeiter und die Stadt Herzogenaurach für staatliche Hilfen plädieren, stösst dies im übrigen Deutschland auf Unverständnis und Ablehnung. Der Name Schaeffler ist daher dieser Tage in aller Munde, wenn die News ausgehen, kramt man halt in der Vergangenheit, um die Auflagen noch a bissle zu pushen, was ich hiermit nun ebenfalls getan habe.

Written by Frank Kerkau

February 25th, 2009 at 10:55 pm

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Deutschlands beste Aktien der letzten 10 Jahre

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Der DAX rutscht nachhaltig unter 4000 Punkte. Die vergangenen 10 Börsenjahre scheinen verpufft. Mit welchen Aktien konnten Anleger trotzdem richtig Geld verdienen?

Vossloh (WKN: 766710) waren 1999 für umgerechnent gut 7 Euro zu haben und notieren heute bei 73,70 Euro.
(Branche: Elektrotechnologie)

Aktionäre der PUMA AG Rudolf Dassler S. (WKN: 696960) freuen sich selbst in heutigen Krisenzeiten immer noch über den 10-fachen Akienkurs im Vergleich zu 1999.
(Branche: Sportartikel)

Auch Aktionäre von K+S (WKN: 716200) hatten eine Menge Spass. Der Kurs verzehnfachte sich innerhalb der letzten 10 Jahre.
(Branche: Chemie)

Die KRONES AG Inhaber-Aktien (WKN: 633500) notierten heute mit dem fast neunfachen des Kurses von vor 10 Jahren.
(Branche: Spezialmaschinenbau)

Auch Salzgitter (WKN: 620200) machte Aktionäre glücklich und versechsfachte deren Einsatz.
(Branche: Eisen/Stahlindustrie)

Fuchs Petrolub Vorzüge (WKN: 579043) legten seit 1999 eine erstaunliche Performance hin und notieren immernoch mit dem rund fünffachen des damaligen Kurses.
(Branche: Chemie)

Volkswagen (WKN: 766400) profitierte vom Porsche-Deal und konnte seinen Aktienkurs vervierfachen (Spekulationsspitze rausgerechnet).
(Branche: Automobilproduktion)

Der Kurs der Merck KGaA (WKN: 659990) verdoppelte sich nahezu trotz der jüngsten Kursrückgänge.
(Branche: Pharma)

Auch die Aktie von Fielmann (WKN: 577220) verdoppelte ihren Kurs seit 1999.
(Branche: Einzelhandel)

Die Aktie der Norddeutsche Affinerie (WKN: 676650) hat im selben Zeitraum ebenfalls um 100 Prozent zugelegt.
(Branche: Rohstoffe)

Dass keine Finanztitel unter den Top-Performern sind, verwundert nicht. Ich gehe mal davon aus, dass alle genannten Unternehmen solide gewirtschaftet haben. Alle zahlen ihren Aktionären Dividende und schufen in den letzten 10 Jahren echten Unternehmenswert für ihre Anteilseigner.

Die Daten können unter ARIVA.DE leicht nachvollzogen werden.

Written by Frank Kerkau

February 24th, 2009 at 7:47 pm

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Kauft Google Twitter für 1 Milliarde US-Dollar?

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Bei Werbung geht es um zwei Dinge:

  1. Wo erreicht man mit wenig Aufwand die Masse?
  2. Wer interessiert sich für welche Themen?

Wer diese zwei Fragen beachtet, muss zwangsläufig seine Produkte erfolgreich plazieren. Und genau diese zwei Fragen beantwortet Twitter als derzeit heissestes Social Network. So wird auf Twitter geschwatzt und sich geoutet, was das Zeug hält. Die Begrenzung auf 140 Zeichen je Nachricht (tweet) zwingt zu konkreten Aussagen. Zudem finden sich User mit den selben Interessen zusammen und bilden Zielgruppen. Medien und Unternehmen, sind ebenso präsent, wie private Nutzer. Daten und Themen sind abruf- und auswertbar. Für Google ein vorsortiertes Märchen. Zudem ist Twitter – anders als Googles “Orkut” – weltweit populär und generiert ordentlich Traffic, nimmt jedoch nicht an Googles Open Social teil.

Ein Vergleich mit Youtube und Google Video drängt sich hier auf. Nachdem Youtube das Rennen gewonnen hatte, griff Google kurzerhand zu und trauerte wohl seinem eigenen Video-Projekt kaum nach.

Auch über die Höhe des Kaufpreises wird derzeit schon spekuliert. Von bis zu 1 Milliarde US-Dollar ist die Rede. Das Potenzial, Twitter zu monetarisieren, scheint beachtlich. Ob Suche nach den passenden Mitarbeiter für einen Job, Micro-Payments für beste Antworten auf gestellte Fragen oder Premium Service ohne Werbeeinblendungen, alles scheint möglich. Twitter hat derzeit 6 Millionen Nutzer, was bei dem genannten Kaufpreis bedeuten würde: Ein Twitter-Nutzer wäre mit 167 US-Dollar das 42-fache eines Facebook-Profils wert.

Nachdem Google bislang im Segment sozialer Netzwerke noch nicht sehr erfolgreich ist, liegt die Vermutung nahe, dass man sich in Mountain View vielleicht Gedanken über Twitter macht.

Written by Frank Kerkau

February 24th, 2009 at 12:30 am

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Hintergrund – Schweizer Bankgeheimnis im Sog der Finanzkrise

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Die UBS gilt als weltgrösster Vermögensverwalter. Sie hat in der Schweiz einen Marktanteil von gut 25 Prozent. Aufgrund ihres Geschäftsmodells und ihrer Grösse ist sie für die kleine Schweiz systemrelevant. Die UBS ist zudem in den USA im Wealth Management flächendeckend vertreten und wickelt dort 18 Prozent ihrer Geschäfte in diesem Segment ab. Zu ihren Mitbewerbern zählen renommierte US-Banken, wie Smith Barney von Citigroup sowie die im Wealth Management und Privatkundengeschäft tätigen Unternehmensbereiche von Morgan Stanley, Merrill Lynch und Wachovia. Das sind alles für die USA wichtige Geldhäuser. Als ernster Konkurrent bietet die UBS ihren Kunden nicht nur erstklassiges Know How sondern als Leckerli obendrauf das weltweit berühmte und gefürchtete Schweizer Bankkundengeheimnis. Und die UBS steht durch die Finanzkrise mit dem Rücken zur Wand. So summieren sich die Verluste der Bank für die Jahre 2007 und 2008 auf satte 25 Milliarden Schweizer Franken.

Auf der anderen Seiten haben wir die USA, deren Finanzsektor sowie deren Wirtschaft brach liegen. So wurden gemäss des US-Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) seit Anfang 2008 39 Banken geschlossen. Die Wirtschaftsaktivität brach im Februar 2009 stärker als erwartet ein und Experten rechnen mit erheblichem Arbeitsplatzabbau. Erst kürzlich hatte Präsident Barack Obama ein Konjunkturpaket in Höhe von 787 Milliarden US-Dollar genehmigt und US-Finanzminister Timothy Geithner plant, seinen Finanzmarkt mit unglaublichen 1.000 Milliarden US-Dollar zu stützen. Geld des US-Steuerzahlers, welches der gerne lieber gestern als heute zurück hätte.

Daher kommt es nicht von ungefähr, dass die US-Finanzbehörden die Gunst der Stunde nutzen und mit Druck auf die UBS und auf die Schweiz versuchen, ein schon länger schwebendes Verfahren, in welchem sogar ein UBS-Top-Manager festgehalten und verhört wurde, zu beschleunigen. Geht’s schief, dann kippt die Bank, man kann sich immer noch die Kundendaten erstreiten, aber ist einen Mitbewerber los. Gelingt der Coup, dann hat man durch den nun geschlossenen Vergleich neben den Kundendaten auch gleich 780 Millionen US-Dollar eingesackt.

In meinen Augen eine Frechheit und ein Eingriff in die Souveränität der Schweiz. Denn auch das Bankkundengeheimnis der Schweiz deckt keinen Steuerbetrug. Zudem sieht die Schweizer Gesetzgebung in solchen Fällen Amtshilfe vor und die Behörden arbeiteten seit längerem zusammen. Es gab also auch für die US-Steuerbehörde keinen vernünftigen Grund, den Rechtsweg zu verlassen, wenn da nicht wirtschaftliche Interessen wären.

Kippt nun das Bankgeheimnis?
Natürlich nicht. Dazu muss man wissen, dass das Bankgeheimnis nicht nur eine juristische Regelung, sondern Schweizer Mentalität ist. Schweizer Regionalbanken werden auch künftig die Daten ihrer Kunden schützen. Sie sind weniger aus dem Ausland erpressbar. Der Fall UBS zeigt aber, wie angreifbar weltweit agierende Banken in Krisenzeiten sind und dass wirtschaftliche Interessen offenbar über der Rechtsstaatlichkeit stehen. Torsten Riecke (Handelsblatt) meint, die Trennung von Steuerhinterziehung (Unterlassung) und Steuerbetrug (bewusste Fälschung von Angaben) in der Schweiz sei nicht mehr zeitgemäss. Nun, es ist die Gesetzgebung eines neutralen souveränen Staates. Auch wenn es gegen die wirtschaftlichen Interessen der Finanzminister der USA und Europa ist, repräsentiert dieses Trennung doch die wirtschaftlichen Interessen der Schweiz. Das müssen wir akzeptieren. Dem Ausland steht es natürlich frei, sein Steuerrecht so zu gestalten, dass es international konkurrenzfähig ist. Nach der kleinen Schweiz zu schielen, um von eigenen Versäumnissen abzulenken, ist der falsche Weg.

Written by Frank Kerkau

February 22nd, 2009 at 9:15 pm

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Geschichte der Hypo Real Estate – Vom Spin-Off zur Staatsbank

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Begleiten wir die Hypo Real Estate (HRE) in einer Zeitreihe durch die Finanzkrise und erkennen die Bemühungen der Bank ihre durch die Hypovereinsbank aufgebürdeten Lasten an faulen Immobilienkrediten zu reduzieren. Weiter gehts danach über den folgenschweren Entschluss zur DEPFA-Übernahme bis hin zu katastrophalen Versäumnissen der deutschen Politik:


03. September 2001
Die Nürnberger Hypothekenbank, die Süddeutsche Bodencreditbank und die Bayerische Handelsbank fusionieren zur HVB Real Estate Bank AG. Die Bilanzsumme der neuen Bank beträgt 79 Milliarden Euro (30.9.2002). Sie ist mit 779 Mitarbeitern an 10 Standorten vertreten. Die HVB Real Estate AG bündelt das professionelle Immobiliengeschäft der HVB Group. Hintergrund ist die neue Strategie der Hypovereinsbank, sich auf das Privat- und Firmenkundengeschäft zu konzentrieren.

Oktober 2001
Die HVB Real Estate lagert im Rahmen der Aktion “HVB Real Estate 2001-1″ grundpfandrechtlich besicherten Darlehen im Wert von 1,3 Milliarden Euro aus. Ziel ist die Entlastung des Eigenkapitals.

August 2002
Unter “PROVIDE Comfort 2002-1″ fasst die HVB Real Estate weitere 36.000 Immobilienkredite im Wert von insgesamt 3 Milliarden Euro zusammen, unterlegt sie mit Staatsgarantien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und platziert sie am Markt. “PROVIDE” umfasst insgesamt sechs Transaktionen, welche der Entlastung des Eigenkapitals der HVB Group und der Westbank dienen sollen. Die HVB-Banker nennen dies “Bilanzmanagement”.

09. April 2002
Die neue Muttergesellschaft der DEPFA Group, die DEPFA Holding plc, wechselt ihren Namen in DEPFA BANK plc und erhält durch die irischen Behörden ihre Bankenlizenz.

17. Juni 2002
Die DEPFA hat die Abspaltung ihres Immobiliengeschäfts vollzogen. Dieses Geschäft wird von nun an als Areal Bank firmieren und an der Börse gelistet sein.

Oktober 2002
Die Hypovereinsbank gibt bekannt, alle Hypothekenbank-Beteiligungen in einem Immobilienfinanzierungskonzern bündeln zu wollen. Betroffen sind die HVB Real Estate, die FGH Bank in den Niederlanden, die PBI in Luxemburg sowie die Westfälische Hypothekenbank und die Württembergische Hypothekenbank. Die Bilanzsumme des neuen Konzerns wird 164 Milliarden Euro betragen. Das profitable und risikoarme private Immobilienfinanzierungsgeschäft sowie die äusserst erfolgreichen strukturierten Immobilienfinanzierungen (Real Estate Structured Finance) verbleiben bei der Hypovereinsbank.

08. November 2002
Die Hypovereinsbank hält nun 96,87 Prozent der Aktien der HVB Real Estate. Der “Squeeze-Outs” der verbleibenden Minderheitsaktionäre kann erfolgen.

01. Januar 2003
Der Aufsichtsrat der HVB Real Estate bestellt Georg Funke zum Vorstandsvorsitzenden und löst damit Dr. Egbert Eisele ab.

05. Juni 2003
Als Konsortialführerin platziert die HVB Group Hypothekendarlehen für Gewerbeimmobilien der HVB Real Estate mit einem Volumen von 780 Millionen Euro als toxische Wertpapiere, Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS). Diese vergifteten Papiere wurden in einer speziellen Zweckgesellschaft, einem Special Purpose Vehicle (SPV), untergebracht und durch eine Wertpapier-Emission in Höhe von 800 Millionen Euro in neun Tranchen an 30 Investoren in ganz Europa verteilt und so refinanziert.

22. September 2003
Die neue Hypo Real Estate Group als Holding fast die Hypo Real Estate Bank International, Württembergische Hypothekenbank und die Hypo Real Estate Bank AG zusammen.

29. September 2003
Die Hypo Real Estate Holding wird ins Handelsregister München eingetragen.

Gemäss Umwandlungsgesetz gilt für Schadenersatzansprüche von Altgläubigern nach Abspaltung eine Verjährungsfrist von 5 Jahren.


2004 – 2006
In den Jahren 2004 bis 2006 war die Hypo Real Estate durchaus erfolgreich unterwegs und konnte in 2005 erstmals Dividende ausschütten. Die weltweite Risiko-Diversifikation schien zu wirken.

Foto: Railway Areal bei Houston, Texas, finanziert durch die Hypo Public Finance USA Inc.


23. Juli 2007
Die Vorstände der Hypo Real Estate und der DEPFA BANK plc vereinbaren die Zusammenlegung ihrer Geschäfte und die Schaffung eines weltweit führenden Anbieters für Finanzierungslösungen für kommerzielle Immobilien, den öffentlichen Sektor und Infrastruktur-Projekte. Dabei wird die HRE die DEPFA BANK plc übernehmen.

Analysten sind entsetzt und sehen nur bei Refinanzierungen begrenztes Synergiepotenzial. Sal. Oppenheim stuft die HRE-Aktie von “stark kaufen” auf “reduzieren” zurück.

27. Februar 2008
Experten der Bankenaufsicht prüfen für 14 Tage die DEPFA BANK plc und stellen in ihrem Prüfbericht fest, dass die kurzfristige unbesicherte Refinanzierung auf die Liquidität der Depfa signifikante negative Auswirkungen haben kann. Das zuständige Fachreferat im Bundesfinanzministerium heftet den Prüfbericht ab. Der Bundesfinanzminister erhält vom brisanten Inhalt keine Kenntnis.

18. August 2008
Die BaFin legt dem Finanzministerium einen abschliessenden Prüfbericht vor, in welchem sie nochmals auf katastrophale Situation bei Depfa hinweist.

29. September 2008
Genau 5 Jahre nach Eintrag der HRE Holding ins Münchner Handelsregister, einen Tag nach Ablauf der oben erwähnten Verjährungsfrist und einen Tag nach der Landtagswahl in Bayern, tritt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor die Presse und verkündet den Beginn einer beispiellosen Rettungsaktion für die Hypo Real Estate. Das Rettungspaket umfasst Bürgschaften des Bundes über 27 Milliarden Euro und Bürgschaften eines Bankenkonsortiums über 8 Milliarden Euro. Eine Absicherung oder Auflagen an die HRE gibt es nicht.

04. Oktober 2008
Die Banken ziehen ihre Bürgschaftszusage überraschend zurück. Die irische Regierung schaltet sich ein und prüft ihrerseits Massnahmen.

06. Oktober 2008
Banken, Bund und Versicherungen einigen sich und erhöhen den Bürgschaftsrahmen um 15 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro.

07. Oktober 2008
Vorstandsvorsitzender Georg Funke tritt zurück.

28. Oktober 2008
Die HRE stellt beim Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) Antrag auf Liquidität über 15 Milliarden Euro. Gleichzeitig beantragt die Bank weitere Unterstützung.

31. Oktober 2008
Der HRE-Antrag wird angenommen und es werden Hilfen über 20 Milliarden Euro zugesagt.

21. November 2008
Der SoFFin erhöht seine Zusage um 10 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro.

20. Januar 2009
Wiederum erhöht der Fonds seine Hilfen für die HRE um diesmal 12 Milliarden Euro auf nunmehr 42 Milliarden Euro.

11. Februar 2008
Die HRE erhält aus dem Bankenrettungsfonds SoFFin einen weiteren Bürgschaftsrahmen über 10 Milliarden Euro.

Damit gewähren nun Versicherungen und Banken der HRE Finanzhilfen in Höhe von 23 Milliarden Euro und der Bund in Höhe von 79 Milliarden Euro, also insgesamt 102 Milliarden Euro.

18. Februar 2009
Die HRE benötigt weitere 20 Milliarden Euro. Das Kabinett billigt das Gesetz zur Banken-Enteignung.

Fassen wir zusammen
Obwohl die Hypo Real Estate am Anfang als Bad Bank diente, erhielt sie ihre Banklizenz.
In den Jahren 2004 bis 2006 war die HRE wahrscheinlich auf solidem Weg. Hilfreich dabei war sicher auch die Ausplatzierung von faulen Immobilienkrediten zu Lasten von ahnungslosen Investoren.
Weniger hilfreich erscheint mir die Spezialisierung, so dass Quersubventionen innerhalb einzelner Geschäftsbereiche nicht mehr möglich sind.
Eine Prüfung der Depfa in 2007 durch Verantwortliche der HRE hätte diese Übernahme stoppen müssen.
Bei Beachtung der Warnsignale der Bankenaufsicht durch das Bundesfinanzministerium Anfang und Mitte 2008 wäre eine zeitnahe und wahrscheinlich kostengünstigere Rettung noch möglich gewesen.
Auch als am 04. Oktober 2008 die Banken überraschend ihre Bürgschaftszusagen zurückzogen, hätten beim Bundesfinanzministerium alle Alarmglocken schrillen müssen.
Das Hauptproblem der HRE ist nach heutigem Kenntnisstand die DEPFA BANK plc. Dennoch sieht es im Moment so aus, als ob Deutschland die Last allein schultern müsse.
Eine enge Zusammenarbeit mit irischen Behörden erscheint mir daher zu jedem Zeitpunkt geboten, auch künftig.
Die Kommunikation zwischen Behörden untereinander und mit Unternehmen bedarf dringend einer Verbesserung.

Es gab also in den letzten Jahren genug Hinweise und Gelegenheiten die HRE als eine solide Bank aufzustellen. Leider hat man das versäumt. Aber wie das halt so ist. Das Geschäft rollt, man will die Welt beherrschen, einer verlässt sich auf den anderen und am Ende wundern sich alle, warum es zu dieser Katastrophe kommen konnte.

Die Angaben sind sicher nicht vollständig. So wollte ich zum Beipiel nicht die gesamten Ausplatzierungen auflisten, sondern das Thema nur anreissen. Die Erfolge der HRE können leicht auf deren Website nachvollzogen werden. Wichtig waren mir die Entwicklungen des Konzernverbundes und der Ereignisse um die Rettungsversuche.

Quellen
report MÜNCHEN
Hypovereinsbank AG
Hypo Real Estate AG
DEPFA BANK plc
Wiki

Fotos: © Hypo Real Estate AG

Written by Frank Kerkau

February 21st, 2009 at 11:50 pm