Quelle faktisch pleite – Cash-Pooling seriös?
Medienberichten zu Folge arbeitet das insolvente Versandhaus Quelle seit nunmehr drei Wochen ohne Liquidität. Der Geschäftsbetrieb soll demnach ausschliesslich nur noch durch Lieferantenkredite aufrecht gehalten werden. Quelle hatte kurz vor dem Insolvenzantrag sämtliches Geld an den Mutterkonzern Arcandor überwiesen. Gemäss Arcandor soll dieses Verfahren im “Cash-Pooling” üblich sein.
In meinen Augen handelt es sich hier um kriminellen Geldtransfer zu Lasten von Gläubigern und Anteilseignern und in zunehmendem Maße zu Lasten des Steuerzahlers. Das unter Juristen äusserst umstrittene Cash-Pooling sollte in Konzernen überschüssige Liquidität so steuern, dass alle Unternehmen zu jederzeit zahlungsfähig sind und es muss sichergestellt sein, dass die Ansprüche auf Rückgewähr der zahlenden Tochter (Quelle) an die Muttergesellschaft (Arcandor) jederzeit vollwertig und liquide sind. Cash-Pooling bedeutet nicht, dass Töchter auf dringend benötigtes Geld verzichten, um Insolvenzen von Konzernmüttern zu verzögern. In diesem Falle hat Arcandor Geld abgezogen, obwohl bekannt sein musste, dass Quelle Verpflichtungen aus seinem Geschäftsbetrieb (Wareneinkauf, Katalog-Druck) heraus zu bedienen hatte. Zudem musste die Geschäftsführung bereits zum Zahlungszeitpunkt von der drohenden Insolvenz der Konzernmutter Kenntnis haben, so dass eher nicht von “überschüssiger Liquidität” ausgegangen werden kann.


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