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Biosprit E10: Sieben Fragen und Antworten

Nach dem gestrigen Benzin-Gipfel bleibt die Unsicherheit der Autofahrer. Wirtschaftsthemen beantwortet die wichtigsten Fragen um den Pannen-Kraftstoff:

super e10 by Gerd Altmann pixelio.de

Was bedeutet E10?

Das “E” steht für Ethanol. Die “10” bedeutet einen Anteil von 10 Prozent. Das Super E10 hat demnach einen Ethanol-Anteil von bis zu 10 Prozent.

Schützt Super E10 das Klima?

Nein! Die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung schreibt zunächst vor, dass Biokraftstoffe gegenüber fossilen Kraftstoffen mindestens 35 Prozent an Treibhausgasen einsparen müssen. Im Jahre 2017 sollen es bereits 50 Prozent sein. Da aber im E10 nur ein Ethanol-Anteil von 10 Prozent enthalten ist und der Verbrauch durch seine geringere Energiedichte steigt, gehen Umweltverbände nur von einer tatsächlichen CO2-Einsparung in Höhe von 3,5 Prozent CO2 in den Autoabgasen aus. Umweltschützer sprechen daher auch von “Agrosprit”.

Nicht berücksichtigt sind dabei Landnutzungsänderungen und Überdüngung der Böden.

Die Versorgung mit Agrosprit benötigt Millionen Hektar Ackerland. Durch die Umwandlung von Wiesen und Wäldern in Ackerland wird CO2 freigesetzt. Auch wenn die Landwirte behaupten, das Land hätte schon lange als Acker existiert, so konkurriert die Agrosprit-Herstellung mit der Nahrungs- und Futtermittel-Erzeugung. Wenn Landwirte auf ihrem Ackerland Weizen oder Mais für die Ethanol-Gewinnung anbauen, so müssen für die Nahrungs- und Futtermittel-Produktion neue Ackerflächen gerodet werden.

In einer Studie aus dem Jahr 2007 stellte der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen fest, dass das allein bei der Verbrennung von Ethanol eingesparte CO2 durch die klimaschädlichen Effekte beim Anbau von Energiepflanzen sogar zu einer stärkeren Erderwärmung führen kann als die Verwendung von fossilen Treibstoffen.

Vertragen Autos in Deutschland E10?

Wenn Sie statt 4 Liter Wasser pro Tag 4 Liter Wein trinken, würde das langfristig Ihrer Gesundheit schaden, weil Alkohol Wasser aus dem Körper zieht und Fette, Zellen und Organe auflöst. Ebenso schadet Ethanol Ihrem Auto, auch wenn sein Anteil “nur” 10 Prozent am Kraftstoff beträgt. Dichtungen werden porös, Kraftstoffleitungen lösen sich auf und im Motor kommt es zu erhöhtem Verschleiß. Im günstigsten Fall bleibt das Fahrzeug irgendwann einfach liegen. Im schlimmsten Fall drohen Kolbenklemmer und Motorbrand.

Warum fahren Autos in anderen Ländern mit Ethanol?

Länder, wie Brasilien, verfolgen eine andere Strategie. Dabei geht es vorrangig, um die Unabhängigeit vom Erdöl. Um Schäden sicher zu vermeiden, werden in Brasilien zum Beispiel die Autos für den Betrieb mit Ethanol speziell ausgerüstet. FlexFuel-Vehicles (FFV) oder Tri-Fuel-Modelle können daher auch verschiedene Kraftstoffsorten und -gemische tanken. Ein Sensor erkennt den Kraftstoff und die Elektronik stellt den Zündzeitpunkt ein.

Ist E10 teurer als Benzin?

Nein. Um den Absatz von E10 anzukurbeln und aufgrund der stärkeren Nachfrage nach herkömmlichen Benzin liegt der Preis von E10 unter dem der anderen Treibstoffe. Langfristig sollen sich die Preise jedoch angleichen.

Vertragen andere Geräte mit Benzin-Motoren, wie Rasenmäher, Kettensägen oder Motorpumpen, das E10?

Wer benzinbetriebene Rasenmäher, Motorsägen oder Motorpumpen nutzt, sollte den vom Hersteller empfohlenen Kraftstoff verwenden. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte gehen lieber auf Nummer sicher und verzichten auf E10, damit ihre Geräte bei der Rettung von Menschenleben nicht plötzlich versagen.

Was kann ich tun, wenn ich E10 getankt habe, aber mein Auto es nicht verträgt?

Wer E10 getankt hat und sich nicht sicher ist oder feststellt, dass sein Auto für den Kraftstoff nicht zugelassen ist, sollte sofort die Vertragswerkstatt kontaktieren. Meist hilft es schon den Tank leer zu pumpen. Auf keinen Fall sollte man den Motor starten.

BMWi / VZ ST / Wiki / BUND
Foto: © Gerd Altmann / PIXELIO



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