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Biosprit: Warum fährt Brasilien mit Bioethanol, aber wir nicht?

Während in Deutschland der Biokraftstoff Super E10 für rund vier Millionen Autos die Katastrophe bedeuten könnte, fahren in Brasilien seit Jahrzehnten die meisten PKW mit hochprozentigen Ethanol-Gemischen, wie E80 oder gar E100. In deutschen Autos fehlt dafür die Technologie.

flexfuel e85 ethanol

Seit 35 Jahren setzt Brasilien auf den Kraftstoff Ethanol. Rund die Hälfte der Treibstoffe für PKW kommen aus Zuckerrohr, das im Klima der Region São Paulo gut gedeiht. Dafür genügt eine Anbaufläche von nur einem Prozent. Brasilien ist mit einem Anteil von fast 40 Prozent Weltmarktführer in der Ethanolproduktion und erzeugt soviel Biosprit, dass es für Exporte bis nach Europa reicht.

Um Ethanol-Gemische als Kraftstoff vernünftig und langfristig ohne Schäden für Kraftfahrzeuge nutzen zu können, werden in Brasilien die Autos mit Flexi-Fuel- oder Tri-FuelTechnologie ausgerüstet und sozusagen trinkfest gemacht. Flex-Fuel-Vehicles (FFV) vertragen ein Kraftstoffgemisch mit bis zu 85 Volumenprozent Ethanol. Mit der Tri-Fuel-Technik von Volkswagen sollen PKW mit Ethanol, Benzin, einem Gemisch von beiden oder auch mit Naturgas fahren können.

Kraftstoffanlage, Motor und Öl müssen speziell auf den Betrieb durch Kraftstoffe mit höherem Ethanol-Anteil ausgelegt sein. Denn dieses chemische Lösungsmittel greift Dichtungen an oder zersetzt Motorenöle. Kolbenklemmer und Motorbrand wären die Folge. Da die Verbrennungstemperatur von Ethanol wesentlich höher liegt als die von Benzin, können Kraftstoff und Motormaterial miteinander chemisch reagieren und Salze bilden, wodurch der Motor ebenfalls Schaden nimmt. Zudem muss die Elektronik den neuen Kraftstoff erkennen und automatisch den Zündzeitpunkt anpassen, weil sonst der Motor im Zweifel gar nicht startet.

Einfach einen E10-Sticker auf die Zapfpistole kleben, reicht offenbar doch nicht.

Foto: post406 / CC



{ 1 comment… add one }

  • HUS August 27, 2011, 09:21

    Hallo, seit 1Jahr fahre ich mit meinem Volvo V40 reines E85. Ein kleines Steuergerät sorgt für die richtige Einspritz-Einstellung. Per Knopfdruck kann ich Super fahren oder E85, das nur 1,05Euro kostet. Mit diesem Treibstoff bin ich mit vollbeladenem Auto+Anhänger+Gepäck in den Urlaub und zurück gefahren. Bisher mehr als 15.000km gesamt. VÖLLIG PROBLEMLOS! Und das mit einem 9Jahre alten Auto.

    Und weitere Info: Mit meinem 23Jahre alten 944S2 Porsche (3L-Vierzylinder-Einspritzer-Motor) fahre ich im Mischungsverhältnis 7 Liter Super auf 45L E85 völlig ohne Umrüstung! Ein ganzes Jahr: VÖLLIG PROBLEMLOS! Manchmal muss beim Kaltstart 2x gestartet werden, das ist absolut alles. Wenn das so eine bose Brühe wäre, wären beide Autos schon Schrott. Aber weder Öl noch Motoren sind bisher zersetzt worden. Meine Werkstatt hat mit mir einen Belastungstest mit Diagnosegerät mit meinem Volvo gemacht. Die geringfügig höhere Verbrennungstemperatur wird durch das Regelgerät über entsprechende Einspritzung im Rahmen gehalten. Der alte Porsche ist aufgrund des Hubraums so robust, dass bei Normalbelastung bisher keine Beschädigung auftrat, bei ebenfalls mehreren tausend KM Alltags-Fahrten. Diese Informationen sind überprüfbar und stammen von einem tatsächlichen Verbraucher von E85!

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