Finanzen

Nach Buchungsfehler plötzlich Millionär – Dürfen Sie die Millionen behalten? Wer zahlt die Überziehungszinsen?

Trotz moderner EDV-Systeme kommt es bei Banken immer wieder zu Fehlbuchungen. Oft sind es nur kleine Beträge um die zehntausend Euro. Manchmal tauchen aber plötzlich auch fremde Millionen auf dem eigenen Konto auf. Girokonten sind dabei am häufigsten betroffen. Bei Festgeld-, Tagesgeld- oder Kredit-Konten treten Fehlbuchungen seltener auf.

Übereifrige Kunden zahlen fette Überziehungszinsen

Die Bank merkt solche Buchungsfehler sehr schnell. Rückbuchungen erfolgen meist schon in der nächsten Nacht. Der vermeintlich Beschenkte hat von diesem plötzlichen Geldsegen nichts, weil die Geldhäuser solche Fehler valutagerecht bereinigen. Das heißt, das Datum der Lastschrift ist mit dem der Gutschrift identisch, auch wenn die Abbuchung erst Tage später auf dem Kontoauszug erscheint. So vermeiden die Geldinstitute Schäden für sich und ihre Kunden durch ungewollte Zinsdifferenzen.

Wer versehentlich durch seine Bank mit solch mutmaßlichem Reichtum gesegnet wird und das Geld auf andere Konten überweist oder gar ausgibt, fängt sich eine satte Überziehung ein und muss hohe Überziehungszinsen zahlen. Selbst eine eilige Geldanlage kann diese Strafzinsen von bis 20 Prozent nicht ausgleichen.

Das sagen die Gerichte

Die Richter gingen bislang nicht von einer Straftat aus, wenn ein Kunde den durch seine Bank fehlgeleiteten Geldbetrag verwendet hatte. Das Geld musste jedoch immer zurückgegeben und Überziehungszinsen bezahlt werden.

So überwies die Deutsche Bank im Jahre 1999 einem ihrer Kunden versehentlich 12,4 Millionen D-Mark. Der verteilte das Geld blitzschnell auf verschiedene Konten. Der Bundesgerichtshof (BGH) unterstellte in seinem Urteil (AZ 5 StR 433/00) jedoch keine Straftat. Der Kunde hätte die Situation nur ausgenutzt. Das Geld musste er jedoch zurückzahlen.

Im aktuellen Fall hatte die Commerzbank-Tocher Comdirect einem ihrer Kunden aus Versehen 200 Millionen Euro überwiesen und das Geld taggleich zurückgebucht. Auch hier wollte der Kunde die Situation ausnutzen und überwies 10 Millionen Euro auf sein Giro-Konto. Trotz schneller Rücküberweisung kam es durch die Banklaufzeit zur Überziehung mit schmerzlichen 14,4 Prozent Überziehungszinsen. Weil die 10 Millionen Euro übers Wochenende abwesend waren, fordert die Comdirekt nun 12000 Euro für eine dreitägige Überziehung. Diese Zinsen wird der Kunde zahlen müssen, auch wenn das Landgericht Itzehoe den Onlinebroker zunächst zur Rückzahlung der 12000 Euro Zinsen verurteilt hatte (AZ 7O266/11). Die Bank will gegen das Urteil Einspruch erheben, schreibt Welt Online.

So vermeiden Sie Ärger

Tauchen plötzlich Gutschriften auf Ihrem Konto auf, deren Herkunft Sie nicht kennen, dann können Sie die Bank benachrichtigen, müssen es aber nicht.

Sie sollten keinesfalls zu Unrecht erhaltenes Geld verwenden, umbuchen oder gar ausgeben.

Kontrollieren Sie auf Ihrem Kontoauszug in der Spalte “Valuta”, ob die Rückbuchung taggleich erfolgte, damit Ihnen nicht versehentlich selbst ein Zinsschaden entsteht.


Dieser Artikel ist Teil 19 von 19 der Serie Ratgeber Geld: Finanztipps & Finanzinfos

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This entry is part 18 of 19 in the series Ratgeber Geld: Finanztipps & Finanzinfos

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