Wirtschaftsthemen

Notizen über Wirtschaft und Finanzsystem

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Krise: Fast 10.000.000 Euro für Ackermann

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geldsaecke money bagsDeutschlands umstrittenster Banker Josef Ackermann kassiert für das Jahr 2009 rund 9,6 Millionen Euro. Mit diesem Jahresgahalt ist der Deutsche-Bank-Chef von den Managern deutscher Unternehmen am besten durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) in ihrer Vorstandsvergütungsstudie 2010 aufdeckt. Auch der Gesamtvorstand der Deutschen Bank schlägt mit einem Durchschnittssalär von 5,6 Millionen Euro je Vorstandsmitglied sämtliche deutsche Konzerne um Längen. Schlusslicht in der Bezahlung der Vorstände unter den DAX-Unternehmen die teilstaatliche Commerzbank mit rund 600.000 Euro pro Vorstandsmitglied.

Im DAX-Vergleich folgen auf den Plätzen
2. Dr. Jürgen Großmann (RWE) mit 7,162 Millionen Euro,
3. Peter Löscher (Siemens) mit 7,119 Millionen Euro,
4. Leo Apotheker (SAP) mit 6,7 Millionen Euro und
5. Martin Winterkorn (VW) mit 6,6 Millionen Euro.

Im Vergleich mit den gesamten Personalaufwendungen machen Managementausgaben in 2009 jedoch nur 0,5 Prozent aus.

Bezüge noch immer am kurzfristigen Erfolg ausgerichtet
Bei den Boni dominieren leider immer noch die kurzfristigen Anreize“, erklärt Professor Dr. Gunther Friedl, Mitautor und Lehrstuhlinhaber an der TU München. Erst das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) dürfte diesen Umstand ab kommendem Jahr ändern. Zudem stellten die Autoren der Studie fest, dass die Boni sich nicht am tatsächlichen Erfolg der Unternehmen orientieren. So scheint bei vielen Unternehmen der Jahresbonus unabhängig von der Gewinnentwicklung zu fliessen.

Foto: Rojer / CC

Written by Frank Kerkau

July 31st, 2010 at 12:16 pm

Österreich verlängert Verbot ungedeckter Leerverkäufe

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Gestern verlängerte die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ihr seit 2008 bestehendes Verbot von ungedeckten Leerverkäufen für die Finanztitel Erste Group Bank AG, Raiffeisen International Bank-Holding AG, UNIQA Versicherungen AG und WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG Vienna Insurance Group. Das Verbot gilt bis 30. November 2010. Davon ausgenommen sind kurzfristige Geschäfte durch Market Maker oder Specialists, wie die FMA mitteilt.

Written by Frank Kerkau

May 26th, 2010 at 4:41 pm

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Was nützt ein Alleingang bei Leerverkäufen?

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Endlich kommt Schwung in die Party, könnte man meinen. Gemäß einer FTD-Meldung plant Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das Verbot weiterer ungedeckter Leerverkäufe – auf Aktien und Währungen.

Netter Versuch! Ein Verbot von ungedeckten Leerverkäufen an inländischen Börsen im Alleingang kann nur ein Signal sein – an wen auch immer. Wer bei einem Online-Broker handelt, weiß das. Spekulanten werden auf ausländische Handelsplätze ausweichen, ebenso die Käufer, die nach günstigen Papieren Ausschau halten. Das geschieht in Bruchteilen von Sekunden durch Auswahl per Mausklick. Im Gegenzug wirken sich Effekte durch Leerverkäufe immer auch auf den Handel im Inland aus. Durch Arbitrage gleichen sich die Preise einander an.

Dennoch ist ein Verbot richtig. Nicht nur, weil der Staat das Wettspiel-Monopol für sich beansprucht. Irgendwer muss ja mal als Erster zur Vernunft kommen und den Zockern signalisieren: Wenn Ihr nicht spurt, stutzen wir Euch die Flügel! Dieses Signal ist bei den Finanzmärkten angekommen.

Written by Frank Kerkau

May 26th, 2010 at 4:38 pm

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Börse: 10 Top-Ausreden für Kursbewegungen

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Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Kursbewegungen immer erst im Nachhinein durch Börsenmagazine erklärt werden, aber niemand vorher die Gründe kennt?

Hier die Top 10 der Ausreden für Kursgewinne oder -verluste:

  1. Positive Unternehmensdaten lassen oft eine Aktie einbrechen, denn die Börsianer wussten das schon vorher und nehmen gern Gewinne mit.
  2. Steigt im Gegenzug eine Aktie trotz schlechter Unternehmensdaten, dann mussten sich Shortys wieder eindecken.
  3. Tritt der oberste Währungshüter der FED ohne seine Aktentasche vor die Presse, dann steigen die Kurse, denn die gefürchtete Leitzinserhöhung bleibt offenbar aus.
  4. Wiedersetzt sich eine Aktie dem allgemeinen Abwärtstrend, dann könnten Übernahmegerüchte daran Schuld sein.
  5. Fällt dagegen eine Aktie entgegen dem allgemeinen Aufwärtstrend, sind ganz sicher Shortys am Werk.
  6. Bricht eine Währung ein, liegt das nie an nachlassender Wirtschaftskraft des Landes sondern meinst an den Hedge-Fonds.
  7. Jüngstes Beispiel: Deutschlands Verbot von ungedeckten Leerverkäufen handverlesener DAX-Werte lässt weltweit die Börsen einbrechen, obwohl die Händler einem Verbot zustimmen und die betroffenen Aktien sogar steigen müssten. Die allgemeine Angst vor stärkerer Regulierung der Finanzmärkte geht um.
  8. Es ist Weihnachten, die Zeit der Kurspflege. Nun steigen die Kurse aller Aktien, auch die von maroden Unternehmen, weil Fondsmanager am Jahresende gut dastehen wollen. Böse Zungen sprechen von einer Jahresend-Rallye.
  9. Gerät der Transportsektor unter die Räder liegt das todsicher am Ölpreis.
  10. Schwächelt der Export, ist entweder der schwache Dollar oder der starke Euro schuld.

Written by Frank Kerkau

May 21st, 2010 at 7:49 am

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Leerverkäufe – Wie gut sind sie wirklich?

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Leerverkäufe (Short Selling) würden die Börsen mit Liquidität versorgen, glaubte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im letzten Maybrit-Illner-Interview. Leerverkäufer würden Ungereimtheiten in den Unternehmensbilanzen aufdecken, glauben Wissenschaftler gemäss FTD. Ohne Leerverkäufe würden die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) bei einzelnen Titeln zunehmen, meinen Ökonomen.

Ein seriöses Investment funktioniert so:
Der Investor versorgt ein Unternehmen oder ein Staat mit seinem Geld und erwartet im Gegenzug eine Rendite (Zinsen, Kursgewinne), die aus Wertschöpfung resultiert. Das ist Marktwirtschaft!

Völlig anders sieht es mit Leerverkäufen aus:
Der Spekulant will trotz fallender Kurse durch Marktrückgänge, Unternehmen in Schwierigkeiten, Massenentlassungen und Managementversagen seinen persönlichen Reibach auf Kosten anderer machen, obwohl er nicht einmal Anteilseigner ist. Dabei vernichtet er Liquidität, weil er Papiere, die es gar nicht gibt, gegen reelles Geld auf den Markt wirft. Zudem drücken Leerverkäufe ungerechtfertigt die Kurse, so dass es dem betroffenen Unternehmen, einer gesamten Branche oder einem Staat immer schwieriger wird, sich frisches Kapital zu beschaffen. Wer Marktwirtschaft als “Was geht mich das Leid anderer an?” definiert, liegt hier richtig.

Aber, sofern nicht selbst davon betroffen, nützen Leerverkäufe einzig der Finanzindustrie – den Börsen, Banken und Händlern durch zusätzliche Provisionen, die bei einem Verbot natürlich entfallen, weshalb die Märkte sehr sensibel auf Verbote reagieren.

Written by Frank Kerkau

May 19th, 2010 at 7:36 pm

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Tom Tailor – Sanierung durch Börsengang

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Die Hamburger Modekette Tom Tailor geht an die Börse (Zeichnungsfrist bis 24.3.2010). Wie FAZ meldet, will das Unternehmen mit dem Erlös des Börsengangs (max. 165 Millionen Euro) vorrangig Schulden tilgen (110 Millionen Euro). Lediglich 20 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Geschäfts fliessen. Was haben die Aktionäre davon?

Konsortialführerin
Die Commerzbank (Coba) begleitet als Gläubigerin den Börsengang. Gegenüber den Medien versicherte Tom Tailor zwar, dass nur Kredite weiterer Gläubigerbanken zurückgezahlt werden sollen. Dies bedeutet jedoch: Die Coba verbessert zumindest indirekt ihre Kredit-Risiko-Position – auf Kosten der Aktionäre. Zudem hatten die Alteigentümer dem Modeunternehmen Gesellschafterdarlehen gewährt, wovon bereits ein Teil in Eigenkapital umgewandelt wurde. Die verbliebenen Verbindlichkeiten daraus sollen möglichst durch Einnahmen aus dem Börsengang getilgt werden – also ebenfalls auf Kosten der Aktionäre.

Gewinn- und Verlust-Rechnung
Wir schauen in die Gewinn- und Verlust-Rechnungen der letzten drei Jahre und stellen fest: Das operative Geschäft entwickelte sich leidlich. Was jedoch Tom Tailor zu schaffen macht, sind die negativen Finanzergebnisse, sprich die Zinszahlungen an seine Gläubiger. Das Unternehmen konnte in den letzten Jahren die Zinsen für seine Kredite nicht durch das operative Geschäft verdienen und schrieb Verluste. In den abzulösenden Verbindlichkeiten stecken daher verdeckt auch aufgelaufene Zinsen, welche die Aktionäre nun ebenfalls bezahlen müssen – ohne einen Gegenwert zu erhalten.

Bilanz
Als Folge von Verschuldung und Geschäftsentwicklung wurden die Einlagen der Gesellschafter aufgezehrt. Die Bilanzen weisen inzwischen negatives Eigenkapital aus – Tendenz steigend. Was die Frage aufwirft: “Wie lange hätte Tom Tailor noch so weitermachen können?”. Schaut man sich die Bilanz genauer an, so fällt auf, dass das Vermögen (250 Millionen Euro) die Verbindlichkeiten (318 Millionen Euro) nicht mehr deckt. Es ist also Fünf vor Zwölf!

Management
An der Professionalität des derzeitigen Managements darf somit gezweifelt werden. Es hat das Unternehmen hoch verschuldet, das Eigenkapital vernachlässigt und gemeinsam mit den Banken schlicht falsch finanziert. Die Geschäftsentwicklung steht in keinem Verhältnis zur Kreditaufnahme. Salopp gesagt: Das Rad, was Tom Tailor bislang gedreht hatte, war für die Art der Finanzierung viel zu gross, so dass wahrscheinlich die Banken kalte Füsse bekamen und nun die Notbremse ziehen.

Sanierung durch Börsengang
Der Börsengang als letzter Ausweg dient vorrangig der Entschuldung (Fremdkapital zu Eigenkapital) und damit der Verbesserung des Finanzergebnisses. Aufgrund der mit dem Börsengang verbundenen Kapitalerhöhung wird das Vermögen künftig zum Grossteil durch Eigenkapital finanziert, was für das Unternehmen billiger ist und in der Bilanz wesentlich hübscher ausschaut. Da die Belastung des operativen Ergebnisses durch das Finanzergebnis künftig wesentlich geringer ausfällt, dürfte das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Fazit
Natürlich wäre es schön, wenn Tom Tailor schon vor dem Börsengang profitabel gearbeitet hätte und nicht die Aktionäre dem Unternehmen jetzt aus der Krise und den Banken aus ihrem Obligo helfen müssten. Aber gut, ein IPO ist halt auch eine Art der Unternehmensfinanzierung. Wenn die Aktionäre Tom Tailor mit frischem Kapital sanieren, scheint die Kuh erst mal vom Eis zu sein. Ein Fader Beigeschmack bleibt, denn die Aktionäre sichern nicht nur das Überleben des Unternehmens, sondern bewahren auch die Gläubigerbanken vor dem Verlust ihrer Zinseinnahmen.

Written by Frank Kerkau

March 21st, 2010 at 11:10 pm

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Mauschelei auf der HRE-Hauptversammlung? SoFFin setzt sich trotz 47 Prozent durch!

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Skandalöse Hauptversammlung der Hypo-Real-Estate-Aktionäre: Staatsfonds SoFFin gewann mit nur 47 Prozent der Stimmrechte 74 Prozent der Stimmen aller Aktionäre für eine Kapitalerhöhung – gegen deren Willen! Wirtschaftsthemen erklärt, wie so etwas möglich ist:

Am Dienstag verstaatlichte der Bund in einer geheimen Hauptversammlung die quasi insolvente Hypo Real Estate (HRE). Obwohl der Bankenrettungsfonds SoFFin nur 47 Prozent der Stimmrechte an der HRE hält und die Aktionäre doch gar keine Verstaatlichung wünschen, setzte sich der Bund mit überwältigender Mehrheit von 74 Prozent durch. Jetzt wollen Kleinaktionäre klagen. Aber wer hat Schuld?

Aktien werden gewöhnlich per Girosammelverwahrung gehalten. Der Aktionär erhält eine Auflistung in seinen Depotauszug. Effektive Stücke besitzt er jedoch nicht. Mit einer Einladung für die Hauptversammlung bekommt der Aktionär seinen Stimmzettel und einen Stimmvorschlag und hätte dann mehrere Möglichkeiten:

  1. persönlich die Hauptversammlung besuchen und selbst stimmen,
  2. seine depotführende Bank beauftragen, in seinem Interesse zu stimmen,
  3. gar nichts tun, dann stimmt seine depotführende Bank gemäss dem Vorschlag des Managements.

Wie Bund, Banken und HRE-Management zur Verstaatlichung stehen, wissen wir. Wenn jetzt einige – sagen wir mal 27 Prozent – der Aktionäre und Spekulanten, die zudem vielleicht nur eine Handvoll Aktien halten, die Ausführung der Stimmrechte ihren depotführenden Bank überliessen, dann spielten diese Aktionäre natürlich dem Bund bewusst oder unbewusst in die Hände. Damit hätten wir die Mehrheit von 74 Prozent für die Verstaatlichung der HRE.

Entweder sind die Aktionäre selbst schuld oder es gab tatsächlich einige unter ihnen, die sich freiwillig ausquetschen (squeeze out) lassen wollen.

Written by Frank Kerkau

June 4th, 2009 at 6:21 pm

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Handwerkszeug für Aktionäre

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Fondsmanager und Kreditgeber schauen sich die Unternehmen, deren Anteile sie kaufen oder denen sie ihr Geld leihen, genau an. Wirtschaftsthemen erklärt, wie Aktionäre davon profitieren können:

André Kostolany empfahl Aktien als langfristiges Investment zu kaufen und sich danach schlafen zu legen. Er empfahl jedoch nicht, irgendwelche Aktien zu kaufen. Bevor Warren Buffet eine Kaufentscheidung für ein Unternehmen trifft, besucht er die Firma und spricht mit Management und Eigentümern. Auch Banken gewähren ihren Firmenkunden keinen Kredit, ohne die Unternehmen zu kennen. Am Ende steht immer das Vertrauen in Personen, in Märkte und in Branchen. Weil niemand in die Zukunft sehen kann, muss die Unternehmensgeschichte zeigen, wie das Unternehmen in der Vergangenheit in guten, wie in schlechten Zeiten gewirtschaftet hat. Es geht dabei nicht um das Berechnen von Kurszielen für die nächsten 12 Monate auf zwei Stellen nach dem Komma, sondern um das allgemeine Erkennen von Trends, die Aufstellung der Firma und ihr Potenzial.

Gesunder Menschenverstand
Investitionsentscheidungen werden zu 80 Prozent durch den gesunden Menschenverstand und nur zu 20 Prozent durch fachliches Wissen beeinflusst. Versteht der Investor das Geschäft? Welchen Risiken ist das Unternehmen ausgesetzt. Werden sie erkannt? Wie geht das Management mit Risiken um? Welche Chancen hat die Firma. Der gesunde Menschenverstand hilft, kritisch zu bleiben und Zusammenhänge zu hinterfragen.

Geschäftsberichte
Die meisten Geschäftsberichte der grossen börsennotierten Unternehmen sind geschönt und voller Lügen. Die Vorstände wollen Aktionäre nicht verprellen und schildern auch dramatischste Entwicklungen noch in rosigen Farben. Die nächste Kapitalerhöhung oder Platzierung einer Anleihe kommt bestimmt. Selbst den nackten Zahlen ist nur wenig zu entnehmen, denn die kritischen Positionen sind versteckt, ausgelagert und nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Dennoch kann der Investor einiges erkennen, wenn er sich die letzten aufeinanderfolgenden Jahresabschlüsse ansieht und vergleicht. Wie entwickelte sich das Ergebnis? Resultiert es aus dem operativen Geschäft oder wurden nur Vermögensteile verkauft? Wie wurden in der Vergangenheit die Gewinne verwendet? Wurden sie herausgezogen und das Unternehmen geschwächt? Wie entwickelten sich Umsatz und Kosten? Geht ein Verlust mit einer Investition einher, die sich künftig auszahlt? Wie ist das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Konzernabschlüsse sagen wenig aus. Mehr Informationen geben die einzelnen Berichte der verbunden Unternehmen.

Markt
Wie entwickelt sich der Markt, in dem die Firma tätig ist? Lässt er Wachstum zu oder ist er schon gesättigt? Wie hoch sind die Gewinnmargen? Stark wachsende Märkte verzeihen Fehler, schrumpfende nicht. Welche Innovationen gibt es und kann die Firma davon profitieren? Wer hätte vor Jahrzehnten nicht gerne in den Marktführer unter den Herstellern von Kutscherpeitschen investiert oder in Legenden wie Märklin? Kutschen wurden durch das Automobil abgelöst und Computer sind für jüngere Generationen interessanter als Modelleisenbahnen.

Branche
Wie entwickelt sich eine Branche? Hat sie eine Zukunft? Welche Mitbewerber gibt es und wie sind sie aufgestellt? Bedient ein Unternehmen vielleicht eine Nische, die trotz allgemeiner Überkapazitäten wächst? Wie gestalten sich Preis und Leistung im Vergleich mit Wettbewerbern?

Management
An der Spitze vieler grosser Unternehmen tummeln sich Volkswirte und Juristen, die nichts vom operativen Geschäft verstehen. Der katastrophale Effekt, sobald die ersten Turbulenzen auftreten, kommen nicht Geschäft und Strategie auf den Prüfstand. Vielmehr werden Kosten gesenkt, durch stärkere Arbeitsbelastung die Fehlerquote erhöht, das Know How reduziert oder mit ebenfalls kränkelnden Wettbewerbern fusioniert. Wobei durch letzteres noch nie ein gesundes Unternehmen entstand. Dabei geht es auch anders, wie die Vergangenheit zeigt. So entwickelte sich Degussa von der einstigen “Deutschen Gold- und Silber-Scheide-Anstalt” zum Spezialchemieunternehmen, welches unter anderem gemeinsam mit SolarWorld Solarsilizium Wafer für Solarzellen produziert. Oder nehmen wir die Preussag AG, welche vom Mischkonzern zum reinen Tourismusunternehmen umgebaut wurde und heute als TUI bekannt ist. Wie hervorragend sich deren einstige Tochter Salzgitter entwickelt, wissen wir. Der Fahrrad-Hersteller Panasonic oder der Papier- und Gummistiefelproduzent Nokia sind weitere Beispiele.

Produktion und Geschäftsräume
Vor einer Investition in ein Unternehmen gehört der Blick in Produktionshallen und Geschäftsräume. Fondsmanager tun das, Kredit-Banker ebenso und Grosskunden auch. Viele Unternehmen bieten sehr interessante Führungen. Der dadurch entstehende Eindruck ist ein wichtiges Entscheidungskriterium. Wirken die Hallen sauber und aufgeräumt oder herrscht Chaos? Wie modern ist der Maschinenpark (Substanzwert)? Wie sind die Standorte strukturiert? Ist Wahl sinnvoll? Gibt es lange und teure Lieferwege zwischen den Fertigungen (Airbus, Boeing) oder ist die Produktion konzentriert und effizient?

Umgang mit Kunden
Kann ein Unternehmen die Interessen seiner Kunden mit der Absicht, Gewinne zu erzielen, verbinden? Zufriedene Kunden kommen gerne wieder. Andererseits schmälern überhöhte Kulanzzahlungen den Ertrag und deuten auf interne Schwächen hin. Gerade bei Dienstleistern und Produzenten für Konsumenten und Verbraucher können diverse Bewertungsportale im Internet helfen, einen Eindruck über Stimmung und Akzeptanz zu gewinnen.

Unternehmensstrategie
Wie will sich die Firma künftig entwickeln? Welche Konzepte gibt es? Sind sie verständlich, sinnvoll und schlüssig? Hat das Unternehmen für Krisen vorgesorgt oder kippt es bei der ersten schwachen Brise? Zukäufe, Fusionen und Wachstum, wie allgemein oft genannt, sind keine Strategie. Hier geht es vielmehr um Innovation, Ausrichtung der Geschäftsfelder und Anpassung an künftig zu erwartende Entwicklungen. Bestes Beispiel sind die Banken in Deutschland. Der Markt ist seit Jahrzehnten mehr als gesättigt und die Margen bewegen sich auf einem gefährlichen Minimum. Trotzdem werden die Geldinstitute erhalten und Politiker hoffen auf eine bessere Zukunft. Ein Tanz auf einem Vulkan, wenn man die demographische Entwicklung in Deutschland in Verbindung mit Abwanderung von Industrie ins Ausland berücksichtigt. Oder nehmen wir die Automobilindustrie. Sie glaubte, durch immer mehr Elektronik und Spielereien ihre Fahrzeuge zu verbessern. Die Antriebstechnik blieb dabei auf der Strecke. Statt in neue Technologien zu investieren und sich auf Markterfordernisse einzustellen, bezahlte man lieber den Banken ungeheure Summen für Fusionen, die letztlich nichts brachten.

Investment
Bei den meisten Börsengängen wollen die Altaktionäre Kasse machen oder Konzerne ihren unliebsamen Töchter loswerden. Um den Schein zu wahren, gibt’s eine Kapitalerhöhung. Das so beschaffte Geld steht oft in keiner Relation zu Investitionen und Erfolgsaussichten (Telekom, Hypo Real Estate). Hier steht die Frage: Benötigt ein Unternehmen frisches Kapital und wenn ja, wofür? Anteile können sich aufgrund von Hypes unnütz verteuern. Kann eine Firma die Markterwartungen noch erfüllen? Ist die Branche gerade sehr gefragt, lohnt sich bei nüchterner Betrachtung oben genannter Punkte ein Investment meist nicht. Der Blick auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse trübt, sobald viel Kapital in eine gesamte Branche fliesst und sie überteuert ist. Ein Investor muss die Kraft haben, auch “Nein!” sagen zu können. Am Ende steht immer, was ein Investor an Substanz- und Ertragswert für sein Geld bekommt und welche Erfolgsaussichten seine Investition hat und was im schlimmsten Fall (worst case) passieren kann. Märkte schwanken. Entgegen Kostolanys Empfehlung, sich schlafen zu legen, gehören Investments zumindest jährlich auf den Prüfstand. Auch wer in Aktien investiert ist, muss immer wieder neu prüfen, ob die Kriterien, auf denen sein Aktienkauf ursprünglich beruhte, immer noch erfüllt sind, so wie es die Profis eben auch tun.

Letztlich sollte jeder ernsthafte Aktionär einige kaufmännische sowie fachliche Kenntnisse besitzen, Emotionen vermeiden, sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen und immer schön kritisch bleiben.

Foto: © Steve Woods / SXC

Written by Frank Kerkau

May 15th, 2009 at 7:53 pm

HRE-Aktionäre – Recht auf Schadensersatz?

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Im Bericht der Hypo Real Estate über das 2. Quartal 2008 finden sich Aussagen bezüglich Liquiditätssteuerung und Refinanzierung, die offenbar nicht der finanziellen Situation der HRE und der Depfa zum Berichtszeitpunkt entsprechen. Die Prüfer der BaFin wiesen schon im ersten Quartal 2008 auf riskante kurzfristige Refinanzierungen bei der Depfa hin.

Von der Auswertung der BaFin konnten die Aktionäre nichts wissen. Was sie aber sehr wohl wussten, ist, dass ihr Unternehmen über Jahre hinweg mit einer Eigenkapitalquote von nur 2 Prozent wirtschaftete und dass diese mit der Depfa-Übernahme trotz Kapitalerhöhung sogar auf nur noch 1,5 Prozent sank. Da können Vorstand und Wirtschaftsprüfer im Lagebericht schreiben, was sie wollen. Bei solch niedrigem Eigenkapital stellt sich mir die Frage, ob die HRE-Aktie nicht eher eine Spekulation als ein vernünftiges Investment war. Hinzu kommt, dass die Aktionäre durch Dividenausschüttungen die Stärkung ihres Unternehmens verhinderten. Sich jetzt hinzustellen und irgendwen auf Schadensersatz für Kursverluste verklagen zu wollen, halte ich für sehr mutig. Bezeichnend ist, dass die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) selbst in Krisenzeiten von Dividendenverzicht nichts wissen will und Kapitalerhöhungen kritisch betrachtet, wie FTD berichtet.

Written by Frank Kerkau

March 7th, 2009 at 5:31 pm

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Banken: Was hat der Renditewahn den Aktionären gebracht?

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Vollmundig hatten Bankmanager ihren Aktionären märchenhafte Renditen versprochen. In den letzten 10 Jahren haben sie outgesourced, fusioniert, umverteilt, Produkte erfunden, welche die Welt nicht braucht, und haben die Börsen in Spielcasinos verwandelt. Doch was hatten die Aktionäre davon? (DM in Euro umgerechnet)

Die Commerzbank-Aktie (WKN: 803200) notierte 1999 noch bei rund 25 Euro. Heute steht ihr Kurs bei 2,81 Euro.

Der Deutschen Bank (WKN: 514000) hat das 25-Prozent-Eigenkapitalrendite-Versprechen nicht geholfen. 1999 war ihre Aktie den Börsianern noch 50 Euro wert. Inzwischen hat sich ihr Kurs mehr als halbiert.

Der Hypovereinsbank (WKN: 802200), entstanden im Zuge der Fusion von Hypo Bank und Vereinsbank, wurde 1997 noch eine rosige Zukunft vorausgesagt. Die Aktie lief von 20 Euro gen Himmel und notierte in der Spitze bei über 80 Euro. Dennoch, wer vor der Fusion Aktien der Bayern-Banken hielt und bis zum Squeeze-Out durch die Unicredito in 2008 nicht verkaufte, konnte sich über ein Plus von immerhin noch fast 100 Prozent freuen. Die Abfindung betrug 38,26 EUR je Aktie.

Die Hypo Real Estate (WKN: 802770), erst seit Oktober 2003 an der Börse gelistet, war bis 2007 nach Ausplatzierung ihrer HVB-Altlasten sowie weltweiter Expansion im professionellen Immobiliengeschäft recht gut unterwegs. Dann der schicksalsschwere Entschluss zur Übernahme der DEPFA BANK plc.. Die Aktie stürzte von über 55 Euro auf 1,25 Euro.

Die Aareal Bank AG Inhaber-Aktien (WKN: 540811), seit Juni 2002 an der Börse gelistet, konnten sich trotz der Geschäftserfolge nicht dem Sog der Finanzkrise entziehen. Die Aktie notiert heute bei einem Zehntel ihres Wertes von vor zwei Jahren. Die Aareal Bank AG entstand durch Auslagerung der Immobilienfinanzierungen der Depfa und gilt als gesunde Bank. Sie präsentierte trotz Finanzkrise in 2008 schwarze Zahlen. In der kürzlichen Beantragung von Staatshilfen sehen Experten eher einen strategischen Schachzug.

Die Aktie der Deutschen Postbank (WKN: 800100), seit 2004 gelistet, kommt von rund 30 Euro, erreichte ihr Hoch in 2007 bei 75 Euro und steht heute unter 10 Euro.

Jetzt könnte man über die Finanzkrise als vermeintliche Ursache der Kursstürze philosophieren. Fakt ist, dass die Banken durchweg in Sachen Eigenkapital sehr schwach auf der Brust sind. Alles, was sie schon immer ihren Firmenkunden predigten, vernachlässigten sie selbst. Dass solide wirtschaftende Unternehmen selbst in Krisenzeiten ihren Aktionären Freude bereiten, beweisen “Deutschlands beste Aktien der letzten 10 Jahre”.

Daten und Charts können unter ARIVA.DE eingesehen werden.

Written by Frank Kerkau

February 26th, 2009 at 4:52 pm

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