Finanzierung

Kernkapitalquote Tier-1 – Ein gefährlicher Schwindel







by Frank Kerkau on Juli 29, 2011

Die Finanzbranche macht ihre Kernkapitalquote zu einer Schönwetter-Kennzahl, wie die Bankenpleiten in der Finanzkrise zeigten. Wirtschaftsthemen erklärt den großen Schwindel der Ökonomen:

Banken und ihre hochbezahlten Volkswirte erklären uns schon wieder, dass eine Kernkapitalquote Tier-1 in Höhe von sieben Prozent etwas ganz tolles wäre. Schließlich seien vom Gesetzgeber in Deutschland nur fünf Prozent vorgeschrieben.

Wenn aber diese sieben Prozent Kernkapitalquote so dicke ausreichen, warum sind dann Bear Sterns, Lehman Brothers und all die US-Banken Pleite gegangen? Warum mussten in Europa viele Geldhäuser bis zur Staatspleite gerettet werden?

Das Kernkapital ist der Teil des Eigenkapitals, über den ein Unternehmen jederzeit frei verfügen kann. Dazu gehören die Einlagen der Aktionäre und die Kapitalrücklagen.

Im Bankgeschäft haftet ein Teil des Kernkapitals für eingegangene Risiken, wie ausgereichte Kredite.

Das Verhältnis aus diesem haftendem Kernkapital und der damit abgedeckten Risiken ist die Kernkapitalquote.

Bei einer Kernkapitalquote von gesetzlichen fünf Prozent sind also 95 Prozent aller Kredite ungeschützt – abzüglich vermeintlich werthaltiger Sicherheiten.

Um viel Kreditgeschäft zu machen und dafür wenig kostbares Eigenkapital aufzuwenden, versuchen Banken ihre Kernkapitalquote möglichst gering zu halten. Sie erklären uns, dass eben sieben Prozent ein robustes Unternehmen garantieren und haben der Politik mit fünf Prozent noch einmal eine geringere Kernkapitalquote in die Feder diktiert.

Das mag in wirtschaftlich guten Zeiten mit robuster Konjunktur gut gehen.

Sobald aber eine Finanzkrise in einem sowieso schon mit Geldhäusern übersättigten Markt auf hochriskante Investmentbanken trifft, dann reichen selbst die hochgelobten sieben Prozent Kernkapitalquote nicht mehr aus. Vor allem dann nicht, wenn sich durch Rezession die zuvor als werthaltige geglaubten Kreditsicherheiten in Luft auflösen.

Deshalb wurde bereits Ende der 1990er Jahre in den Baseler Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) von den Banken selbst eine Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent vereinbart.

Inzwischen streben Schweizer Kreditinstitute sogar 19 Prozent Eigenkapitalquote an – 10 Prozent Kernkapital plus 9 Prozent Pflichtwandelanleihen. Ein klarer Wettbewerbsvorteil im Kampf um risikobewusste Kunden.

Blanke Finanzkennzahlen sind wertlos!

Was Volkswirte zudem gerne verschweigen, ihre Finanzkennzahlen sagen zunächst einmal gar nichts aus. Diese Kennziffern machen nur dann Sinn, wenn Unternehmen derselben Branche miteinander verglichen werden.

Was aber, wenn alle eine schlechte Kennzahl vorweisen? Ist dann der Einäugige unter den Blinden König?

Und kann man eine Sparkasse mit ihrem klassischen Bankgeschäft (Geldanlage und Kredit) mit einer Investmentbank und ihren hochriskanten Spekulationen vergleichen und beiden eine ähnlich geringe Kernkapitalquote empfehlen?

Sicher nicht. Solange ein Geldhaus solide wirtschaftet, im klassischen Bankgeschäft bleibt und keine Finanzkrise droht, mögen fünf bis acht Prozent Kernkapitalquote noch genügen. Im hochspekulativen Investmentbanking dagegen können sich Risiken viel schneller realisieren und verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Daher muss die Kernkapitalquote im Investmentgeschäft um ein Vielfaches höher sein.

{ 0 comments }

Verzockt: Rettet Jansons Haus!

Juni 9, 2011

Schauspieler Horst Janson hat auf Pump mit Ost-Immobilien gespielt und häufte 650.000 Euro Schulden an. Die Fans sollen jetzt sein Haus retten. Für private Schulden gibt es keine Rechtfertigung. Schon gar nicht, wenn damit die Gesellschaft abgezogen werden sollte. Horst Janson hatte sehr viel Glück im Leben. Jahrzehnte lang verdiente der Schauspieler gutes Geld. Er […]

mehr… →

Urteil: Gebühren für Kreditkonto unzulässig

Juni 8, 2011

Banken dürfen von Privatkunden keine Gebühren für ein Darlehenskonto verlangen, entschied am Dienstag der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Derartige Klauseln seien unwirksam, weil die Bank ein Darlehenskonto lediglich für ihre eigene Buchhaltung führe. Der Bankkunde hätte davon nichts. Ein Kreditkunde würde durch Kreditvertrag sowie Zins- und Tilgungsplan informiert. Ein Verbraucherschutzverband hatte geklagt und war vor dem […]

mehr… →

Baufinanzierung: Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?

März 3, 2011
This entry is part 23 of 23 in the series Ratgeber Geld: Haus kaufen und finanzieren

Banken und Vermittler warnen vor steigenden Zinsen bei Baugeld. Mit der Zinswette “Forward-Darlehen” können Immobilienbesitzer einem Existenz bedrohenden Zinsänderungsrisiko begegnen. Werden Baufinanzierungskunden durch steigende Zinsen überrascht, drohen unerwartete finanzielle Mehrbelastungen. Wer seine Baufinanzierung in einer Niedrigzinsphase sehr knapp kalkulierte, muss mit dem Verlust seiner Immoblie oder sogar mit der Insolvenz rechnen. Um solche Risiken auszuschalten, […]

mehr… →

Baufinanzierung: Anbieter mit seriösem Zinsvergleich von Hypothekendarlehen

Februar 25, 2011
This entry is part 22 of 23 in the series Ratgeber Geld: Haus kaufen und finanzieren

Viele Vergleichsportale im Internet bieten trotz vollmundiger Versprechen gar keinen Zinsvergleich an, sondern wollen nur an Ihre persönlichen Daten. Diese seriösen Anbieter helfen Ihnen, sich in Echtzeit einen schnellen Überblick über aktuelle Hypothekenzinsen für Ihr Baugeld zu verschaffen, ohne daß Sie vorab Ihre persönlichen Daten übermitteln müssen: forium.de ist ein renommiertes Finanzportal mit einem umfassenden […]

mehr… →

Wodurch unterscheidet sich der Nominalzins vom Effektivzins?

Februar 17, 2011

Wie berechnet sich der effektive Jahreszins (Effektivzins)? Allgemein gilt: Effektiver Jahreszins = Nominalzins + während der Zinsbindung anfallende Kreditkosten auf ein Jahr heruntergerechnet. Ein variabler Zinssatz wird für die Berechnung des effektiven Jahreszinses als für ein Jahr fest angenommen. Mathematische Formel: eff. Jahreszins (in Prozent) = Kreditkosten * 24 * 100 / ((Zinsbindung in Monaten […]

mehr… →

Baufinanzierung: Spart frühe Sondertilgung wirklich Zinsen?

Februar 12, 2011
calculator
This entry is part 21 of 23 in the series Ratgeber Geld: Haus kaufen und finanzieren

Wussten Sie, dass eine 100-Prozent-Baufinanzierung mit Annuitätendarlehen zu 1,0 Prozent Tilgung aktuell die Kosten für ein Haus verdoppelt? Wer dagegen frühzeitig die Möglichkeit der Sondertilgung nutzt, spart zehntausende Euro, aber nicht immer. Rechnen Sie’s nach! Ein Baudarlehen in Höhe von 200.000 Euro mit einem Zinssatz von nominal 4,0 Prozent p.a. und einer Anfangstilgung von 1,0 […]

mehr… →

Firmenkredit: Werden Frauen durch Banken diskiminiert?

August 4, 2010

Gemäss wissenschaftlichen Studien, hätten Unternehmerinnen bei Banken schlechtere Erfolgsaussichten auf Kredit als ihre männlichen Kollegen, teilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Auch müssten Frauen höhere Zinssätze bezahlen, weil Banken das Kreditrisiko höher einschätzen. „Die Ursachen dafür können in geschlechtsspezifischen Klischees liegen“, sagt Nataliya Barasinska. „Viele glauben wohl noch immer, dass Frauen schlechtere unternehmerische […]

mehr… →

Studie: Unternehmerinnen haben im Internet bessere Kredit-Chancen als bei der Bank

August 4, 2010

Banken sollen Frauen bei der Vergabe von Geschäftskrediten benachteiligen. Sie hätten weniger Aussicht auf eine Kreditzusage als ihre männlichen Kollegen oder bekämen schlechtere Konditionen. Dies belegten wissenschaftliche Studien, teilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. „Die Ursachen dafür können in geschlechtsspezifischen Klischees liegen“, sagt Nataliya Barasinska. „Viele glauben wohl noch immer, dass Frauen schlechtere […]

mehr… →

Kredite für Hartz-IV-Empfänger könnten Staat entlasten und Wirtschaft stärken

August 1, 2010
buero home office

Als Kreditentscheider würde ich Hartz-IV-Empfänger finanzieren, weil Geld einerseits zum Aufbau einer Existenz nützlich, aber nicht immer aus eigener Kraft vorhanden ist. Andererseits sind staatliche Leistungen ein sicheres Einkommen, aus dem ein Kleinkredit immer zurückgezahlt werden kann. Leistungen gemäss dem Zweiten Sozialgesetzbuch (ALG II) sind sicheres Geld. Ähnlich wie die Rente dem Renter, stehen den […]

mehr… →

Urlaubskredit ab 500 Euro – Auch Dispo-Umschuldung möglich

Juli 30, 2010
pool hotel urlaub

Nur ein wahrer Anbieter von Kleinkrediten? Urlaubszeit und knapp bei Kasse? Warum dann nicht das Taschengeld mal eben per Kredit finanzieren und bis zum nächsten Urlaub abstottern? Wer kleines Geld kurzfristig benötigt kommt an der Stuttgarter CreditPlus Bank AG, ein Mitglied der französischen Crédit Agricole Gruppe nicht vorbei. Die bietet nämlich derzeit als einzige Bank […]

mehr… →

Pfandleihe – Kurzfristiger Kredit ohne Schufa

Juli 22, 2010
This entry is part 9 of 19 in the series Ratgeber Geld: Finanztipps & Finanzinfos

Ob Goldschmuck, Auto oder Waffe, immer mehr Menschen nutzen Pfandhäuser, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Wer schnelles Geld braucht und seine Schuld in Kürze wieder zurückzahlt, fährt mit Pfandhäusern oftmals bequemer als mit seiner Bank. Ohne langwierige Beantragung, Bonitätsprüfung und lästiger Schufa-Meldung bietet die Pfandleihe den Weg zur Liquidität an Finanzkrise und Kreditklemme vorbei. […]

mehr… →

Deutsche Unternehmen mit solider Eigenkapitalrendite

Mai 23, 2010

Es müssen nicht immer 25 Prozent Eigenkapitalrendite oder mehr sein, wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt. Wichtig für Aktionäre ist, daß sich die Rendite ihres eingesetzten Kapitals über der des Kapitalmarktes bewegt. Das Risiko (Stichwort: Hebeleffekt) sollte dabei möglichst gering sein. An diesen deutschen Unternehmen hatten Aktionäre in der Vergangenheit ihre Freude, sehr zum Leidwesen der […]

mehr… →

Hohe Eigenkapitalrendite gut für Aktionäre?

Mai 23, 2010

Eine hohe Eigenkapitalrendite bedeutet noch lange keine hohen Gewinne für die Anteilseigner. Manchmal werden Gläubigerbanken kräftig mitfinanziert, denn wenn ein Unternehmen sein Eigenkapital reduziert, muß es Kredit aufnehmen, um sein Geschäftsvolumen aufrecht zu halten. Sehr schön zu sehen, wenn man sich die historischen Zahlen von Hugo Boss anschaut. Zwischen den Jahren 2004 und 2007 betrug […]

mehr… →

25 Prozent Rendite sind unseriös, Herr Ackermann!

Mai 22, 2010

Anleger lieben große Rendite-Zahlen und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann weiß das. Also greift er sich die Finanzkennziffer „Eigenkapitalrendite“ heraus, lässt die Welt erstaunen, aber verschweigt das Dilemma, in welches ein seriöser Kaufmann gerät, sobald er dem Deutschbanker nacheifern möchte. Da Eigenkapitalrendite der Quotient aus Gewinn und Eigenkapital mal 100 ist, aber Gewinne nun mal nicht in […]

mehr… →