Die “Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte” (GEMA) vertritt nach eigenen Aussagen in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60.000 Mitgliedern und über 1 Millionen Rechteinhabern weltweit. Nach Abzug einer Verwaltungsgebühr fliessen die Einnahmen an die Künstler. Gewinne erwirtschaftet die GEMA nicht, sagt sie.
Googles Tochter YouTube ist der weltweit grösste Video-Hoster, ein Film- und Musik-Archiv, das sowohl kulturelle Relevanz besitzt als auch das Interesse der Allgemeinheit über die kommerzielle Verwertung stellt. Wer auf YouTube nicht promotet, hat einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil. Das hatten grosse Labels, wie Sony Music oder Universal Music erkannt und richteten dort eigene Channels mit Qualitätsvideos ein.
Der kulturelle Effekt, auf einmal waren all die Titel abrufbar, die bislang irgendwo in verstaubten Archiven vor sich hin rotteten, darunter Raritäten, die aus wirtschaftlichen Gründen kaum mehr eine Chance hatten, mal wieder auf Tonträgern zu erscheinen und die an der jungen Nutzergemeinde vorbei aus deren Unkenntnis heraus unentdeckt einfach im Vergessenen versunken wären.
Bis 31. März dieses Jahres ging das auch gut. YouTube, GEMA und die Plattenindustrie verdienten und alle schienen glücklich.
An den verstaubten Musik-Stücken hätte die GEMA sonst kaum mehr Einnahmen erzielt, denn nach ihrem Geschäftszweck, hätten die Titel auf Tonträger gepresst und verkauft oder in irgend einer Oldie-Ecke gesendet werden müssen. Statt nun kulturelle Verantwortung zu übernehmen, kommt die GEMA mit ihrer kommerziell-juristischen Keule und will unser mühsam zusammengetragenes gemeinnütziges Archiv mit einer Zwangsgebühr zu veränderten Konditionen belegen. YouTube solle die Künstler mit 12 Cent pro Stream beteiligen, statt einer bisherigen Pauschale. Das klingt auf den ersten Blick vernünftig, ist jedoch wirtschaftlich und juristisch strittig. YouTube bietet lediglich die Plattform, welche von Nutzern, wie Universal, Sony, Du und ich mit Leben erfüllt wird. YouTube bietet die Technik und den Webspace, das war’s auch schon. Verantwortlich sind und bleiben die Nutzer, wobei die Plattenfirmen durch Einblendungen munter Werbeeinnahmen erzielten. Zudem geht das kommerzielle Treiben der Unterhaltungsindustrie so weit, dass Musikliebhaber und DJs horrende Summen für Einzelstücke hinblättern müssen, nur weil die Labels eine flächendeckende Vermarktung nicht auf die Reihe kriegen. Und wir reden hier schon mal über dreistellige Euro-Beträge oder mehr, die pro Musikstück auf Plattenbörsen den Besitzer wechseln. Andere Stücke sind gar nicht mehr aufzutreiben und auf Samplern muss man Musik teuer mitkaufen, obwohl man nur ein oder zwei Titel wirklich haben möchte.
Warum wendet sich die GEMA aber nicht an ihre eigentlichen Ansprechpartner, nämlich die auf YouTube schon kassierenden Platten-Labels, welche die Musik-Videos hochgeladen haben? Es wäre offenbar nicht nur mit Mehraufwand verbunden, mit jeder Plattenfirma einzeln zu verhandeln, auch scheint es wesentlich publicity-trächtiger mit YouTube und Google zu streiten. Es passt ja gerade in unseren Zeitgeist. Auf Google hacken eh alle herum und ein Streit zum Beispiel mit Hansa Records käme wohl kaum auf die Titelseiten. Hinzu kommt, dass die GEMA bislang noch nicht offen legte, welche Urheber sie nun wirklich vertritt. Denn YouTube hatte sehr wohl die Möglichkeit eingeräumt, auch bei Videos mit Rechtsverletzungen Werbung einzublenden und die Rechteinhaber an den Einnahmen zu beteiligen. Das unterstellt natürlich, dass sich der Rechteinhaber oder sein Vertreter auch mit dem Betreiber der Video-Plattform diesbezüglich in Verbindung setzt, wie es international üblich ist.
Dennoch bleibt das Tauziehen um Gebühren bislang ein Sturm im Wasserglas. Denn die meisten Videos waren schon vor den Profi-Channels auf YouTube verfügbar und bleiben es weiterhin, auch nach deren Sperrung für deutsche Nutzer. Des Weiteren gibt es hunderte Video-Plattformen (Liste mit 300 Alternativen zu YouTube) und was einmal den Weg ins Internet fand, ist online fixiert. Zum Glück!
Der sauberste Weg wäre, GEMA, Labels und Rechteinhaber würden sich zusammensetzen, ihre analogen Verträge dem digitalen Zeitalter anpassen und Musik und Videos kostenpflichtig aber in vernünftiger Qualität zur Verfügung stellen. YouTube beweist, die Nachfrage ist da und wenn Urheber und Plattenfirmen den Markt anderen überlassen … selbst schuld! Die Mogelpackungen von gestern funktionieren im digitalen Zeitalter nicht mehr. Der Kunde will genau seine Musik und nicht den üblichen überteuerten Mix aus Hits und Flops aus dem Kaufhausregal.