Mit Rotation meine ich nicht, dass Arme und Beine eines Managers bei der Arbeit eine rotierende Scheibe bilden. Damit meine ich ebenso wenig das übliche Hopping zwischen Vorstand und Aufsichtsrat und retour. Vielmehr wäre es erstrebenswert, wenn auch in den Chef-Etagen der Grosskonzerne nach dem Rotationsprinzip die Entscheidungsträger periodisch wechseln. Aller zwei oder vier Jahre ein neuer Firmenlenker würde vielleicht einer gewissen Kontinuität abträglich sein. Mit Sicherheit jedoch könnten strategische Fehlentscheidungen schneller korrigiert und Risiken begrenzt werden. Zudem würden Betriebsblindheit, Korruption und Klüngelei erschwert sowie die Kosten für Versagen begrenzt. Dasselbe wäre für Kontrollorgane, wie Aufsichts- und Verwaltungsräte, interessant.
Archive for the ‘Management’ Category
GM: Obama kickt Wagoner
Zwei Monate hat sich US-Präsident Obama das Treiben der Führungsspitze des schwer angeschlagenen US-Autobauers General Motors (GM) angeschaut. Jetzt greift er durch und GM-Chef Rick Wagoner muss gehen. Wie US-Medien berichten, soll der bisherige Konzernvize und Europa-Chef Fritz Henderson die schwere Nachfolge antreten. Wagoner war seit Mai 2003 Chairman von GM und bezeichnet seine Entscheidung, die Entwicklung des Elektroautos EV1 einzustellen sowie das Budget für das Hybrid-Programm zu kürzen, als seine schlechteste Entscheidung.
Deutschland erwartet Mehdorns Rücktritt – Das Mass ist voll!
Mehr als 80 Prozent aller Deutschen fordern den Rücktritt von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Die Bundesbürger haben die Nase voll von den fragwürdigen Aktionen der Bahn. Die meisten hochrangigen Politiker stimmen uns zu. Aber auf wessen Seite stehen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD)? Diese Woche könnte oder soll eine Entscheidung fallen. Gemäss Medienberichten wird schon ein Nachfolger gesucht. Derweil gibt sich Mehdorn unschuldig und unwissend. Gleichwohl hat er seine Erfolge sehr gut im Gedächtnis und nutzt jede Gelegenheit darauf zu verweisen. Der Konzern sei für Krisenzeiten sehr gut aufgestellt. Kunststück, eine Monopolstellung durch Drehen der Preisschraube auszunutzen. Hätten Bahn-Kunden eine echte Wahl, wäre die Marktposition der Bahn sicher eine andere. Die heutige Bilanz-Präsentation wäre für Mehdorn eine gute Gelegenheit, endlich Charakterstärke zu zeigen und die Notbremse zu ziehen.
Warum Zocker Merckle kein Mitleid verdient
Wenn Sie als mittelständischer Unternehmer einen Firmenkredit bei Ihrer Bank beantragen, dann müssen Sie natürlich mit Ihrem Privatvermögen für Ihre Firma einstehen und sich am Risiko beteiligen. Das ist sowohl moralisch als auch finanztechnisch das Mindeste, was man als Gläubiger erwartet. Das hat auch den mahnenden Effekt, dass der Unternehmer besonnen agiert. Er sitzt ja ebenfalls mit im Boot.
Anders Adolf Merckle. Der Unternehmer hat sich verzockt, was jedem mal passieren kann. Davon allein gerät jedoch noch keine Firmengruppe in Schieflage. Wie im Lobgesang von “Welt Online” auf arme deutsche Unternehmer-Familien heute nachzulesen ist, hat Merckle aus seinen Firmen ständig Kapital herausgezogen, um noch ein und noch ein und noch ein Unternehmen hinzu zu kaufen. Und dann kommen auch endlich die beiden erwarteten Sätze, welche dem Welt-Artikel ein jähe Wendung geben und den Leser aus dem siebenten Unternehmer-Himmel auf den harten Boden der Tatsachen zurückholen:
“In guten Zeiten ist das kein Problem. In Zeiten aber der weltweiten Börsenturbulenzen und sinkender Aktienkurse geriert die Melange aus Übernahmekosten, Kapitalerhöhungen, Kreditzusagen und Aktienspekulationen zu einer Zeitbombe.”
Merckle hat entgegen jeder unternehmerischer Vorsicht und Verantwortung gehandelt. Er hat weiter gezockt, als schon Sicherheit geboten war und alle Alarmglocken Sturm läuteten. Um dem Ganzen noch eine gewisse Dramatik zu verschaffen, meldet Reuters:
“Der in Finanznöte geratene schwäbische Unternehmer Adolf Merckle hat im Ringen um Kredite Bankenkreisen zufolge in letzter Minute Zugeständnisse gemacht.”
es geht dabei um Sicherheiten aus Merckles Privatvermögen.
Wenn eine Familie so reich ist, dass ihre Firmen zu arm zum Überleben sind, ist dann wirklich Mitleid angebracht?
Top 5 der schlechtesten Timings der Welt
Haben Sie sich schon einmal über fallende Aktien und damit verbundene Verluste geärgert? Wenn es Sie tröstet, anderen erging es bei der Wahl ihrer Termine viel viel schlimmer:
5) 72 Millionen US-Dollar verlor Inktomi durch Kauf und Verkauf seines eigenen Hauptquarters mit 130.000 Quadratmetern Bürofläche in Foster, Kalifornien als die dot-com-Bubble platzte. (Forbes)
4) Excite@Home kaufte im Jahre 1999 mit “Blue Mountain Arts” die damals wohl hässlichste Website der Welt für satte 780 Millionen US-Dollar. Nicht einmal zwei Jahre später, am 13. September 2001, verkaufte Excite@Home besagten Internetauftritt für weniger als 5 Prozent des damaligen Kaufpreises an American Greetings. Heute sieht Blue Mountain richtig schnuckelig aus.
3) Weniger als eine Woche nachdem die US-Regierung den Versicherer American International Group (AIG) mit 85 Milliarden US-Dollar an Steuergeldern unterstützte, erholten sich die AIG-Vorstände von den Wirren der Finanzkrise in den 1.000-Dollar-Suiten eines Luxus-Resorts auf Kosten der Firma. Das Unternehmen bezahlte für das Wohlbefinden der Herren fast eine halbe Million US-Dollar allein davon 20.000 für Massagen und Spa. Später beantragte AIG weitere Hilfen in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar während sich die Vorstände abermals – jedoch diesmal im Geheimen (ohne AIG-Logos und -Zeichen) – in einem Luxus-Resort in Phoenix versammeln wollten, was jedoch durch einen Hinweis aufflog. (mimegasite)
2) Die Blackstone Group galt einst als die weltweit führende Investmentgesellschaft, bis in Folge der Finanzkrise das LBO-Geschäft (leveraged buyouts) wegbrach. Seit dem Börsengang im Juni 2007 hat die Blackstone-Aktie 3/4 ihres Wertes verloren.
1) Am 24. July 2001 schloss Silverstein Properties für das World Trade Center (WTC) Leasingverträge in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Versicherungssumme betrug 3,55 Milliarden US-Dollar. Nach den Anschlägen vom 11. Sptember 2001 sammelten die Versicherungsgesellschaften 4,55 Milliarden US-Dollar für den Neubau des WTC.
Insolvenz nach dem Frühstück
Haus weg, Auto weg – wegen ein paar Brötchen
Wenn ein Unternehmer (Bäcker, Mezger, Gastwirt) einen Teil seiner produzierten und zum Verkauf bestimmte Ware selbst verwendet, dann heisst es oft “kostet mich billig, krieg ich zum Einkaufspreis”. Aber geht die Rechnung auf?
Eigenverbrauch zum Einkaufspreis
Ein Bäckermeister und seine Familie gönnen sich jeden Morgen sechs Brötchen aus hauseigener Produktion. Um die Kalkulation zu verschärfen, stellen wir unserem Bäcker zwei Verkäuferinnen ein. Die Personalkosten verteilt der Meister zu gleichen Teilen, also jeder in der Bäckerei bekommt ein Drittel.
Kosten umgelegt pro Brötchen:
- Wareneinkauf: 0,10 Euro
- Herstellung (Energie, Wartung der Produktionsmittel) 0,10 Euro
- Personal: 0,10 Euro
In Summe beträgt der Einstand für ein Brötchen 0,30 Euro. Im Verkauf würde ein Brötchen 0,39 Euro erzielen. Unser Bäckermeister spart sich durch Eigenverbrauch die Gewinnmarge und da er sowieso Brötchen bäckt, spart er sich auch seine eigenen Personal- und extra die Herstellungskosten. Damit wendet er für seine sechs Frühstücksbrötchen nur insgesamt 0,60 Euro (Einkaufspreis) statt den 2,34 Euro auf, die er für Brötchen bei einem Wettbewerber zu zahlen hätte. Der Bäckermeister spart sich also jeden Tag 1,74 Euro?
Gegenrechnung
Unser Bäcker produziert täglich 100 Brötchen. Die Kosten betragen für
- Wareneinkauf 10,00 Euro
- Herstellung (Energie, Wartung der Produktionsmittel): 10,00 Euro
- Personal: 10,00 Euro
Der Gewinn wäre 9,00 Euro. Verkauft er alle Brötchen, nimmt er also (inklusive Gewinn) 39 Euro ein. Unser Bäckermeister entnimmt der Kasse jeden Tag seine ihm zustehenden 3,33 Euro plus seinen Gewinn in Höhe von 9,00 Euro und bezahlt seine Verkäuferinnen mit 6,66 Euro. Am Ende des Monats – wir rechnen mal mit 30 Tagen – müssten sich in der Kasse für
Wareneinkauf 300 Euro + Herstellung 300 Euro = 600 Euro
befinden. Tatsächlich sind es jedoch nur
600 Euro ./. 52,20 Euro = 547,80 Euro.
Am Monatsende wollen nun Waren- sowie Energielieferanten und der Wartungsservice der Produktionsmittel bezahlt werden. Der Bäckermeister muss sich mit 52,20 Euro verschulden. Da der Bäcker seine Buchhaltung etwas vernachlässigt, betragen nach einem Jahr die Schulden schon 626,40 Euro.
Jetzt wollen die Geschäftspartner ihr Geld. Da unser Bäckermeister sich von Einkommen und Gewinn ein Haus baute und eine neues Auto kaufte, ist er nicht zahlungsfähig. Die Gläubiger setzen bei Gericht einen Titel durch und vollstrecken. Der Bäcker verliert sein Haus und sein Auto und alles wegen ein paar Brötchen.
Lohnkosten senken? So gehts!
Nullrunde
Verzichten die Mitarbeiter auf Lohnsteigerungen, hat das Unternehmen Kostensicherheit und infolge der Inflation sinken die Reallöhne. In Deutschland haben die Preise seit 1952 um mehr als 400 Prozent zugelegt oder – wenn Sie so wollen – die Reallöhne wären ohne Lohnerhöhungen auf ein Viertel gefallen.
Streichung von Bonuszahlungen
Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie erfolgsbezogene Sondervergütungen werden freiwillig gezahlt. Der Arbeitnehmer hat keinen Rechtsanspruch. Diese Bezüge können zuerst gestrichen werden.
Sozialleistungen und Sachbezüge kürzen
Viele Unternehmen zahlen freiwillige Sozialleistungen (Kinderbetreuung, medizinische Hilfen) oder gewähren Sachbezüge (Firmenwagen). In schlechten Zeiten oder bei Gewinnmaximierung erfolgt gerne die Streichung solcher Bezüge. Unter dem Vorwand veränderter Marktbedinungen kann das Management diese Massnahmen gut seinen Angestellten verkaufen.
Ziele nicht erfüllt?
Zahlt das Unternehmen jährliche Prämien aufgrund der Erfüllung von harten und weichen Zielvorgaben, kann der Unternehmer hier leicht sparen. Während harte Ziele an Zahlen messbar sind, können weiche Ziele, wie Sozialkompetenz, Leistungsbereitschaft oder Kundenorientierung, immer ein guter Vorwand sein, Prämien zu kürzen.
Grundgehalt und Erfolgsbonus
Unternehmen bleiben in ihren Personalkosten flexibel, wenn sie ihren Arbeitnehmern ein fixes niedriges Grundgehalt mit Erfolgsbonus zahlen. So gelingt es, die Personalkosten fortlaufend dem Geschäftverlauf und der Leistung der Mitarbeiter anzupassen. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter motiviert.
Umstrukturierung mit Stellenausschreibung
Wer Umstrukturierungen mit Neuordnung des Mengengrüstes (Personalstärke und Aufgabenverteilung der Abteilungen) verbindet, kann leicht und verdeckt Stellen streichen. Die Mitarbeiter müssen sich auf die neuen Stellen intern bewerben. Das Management kann eine Auslese treffen. Den erfolglosen Bewerbern verbleiben danach nur noch folgende drei Möglichkeiten.
Transfergesellschaft
Will das Unternehmen nicht mit betriebsbedingten Kündigungen in der Öffentlichkeit glänzen, werden erfolglose Bewerber zunächst in einer sogenannten Transfergesellschaft (Tochterfirma) aufgefangen. Da spätestens jetzt in den neuen Arbeitsverträgen die Annahme jeder “zumutbaren Tätigkeit” verankert sein sollte, ist es dem Management nun ein Leichtes, den Druck auf die Mitarbeiter durch weniger anspruchsvolle und unliebsame Tätigkeiten sowie Zwangsentsendungen fernab von Wohnort und Familie zu erhöhen. Zudem kann nun, da die Mitarbeiter geringer qualifizierte Arbeiten übernehmen müssen, deren Vergütung nach unten angepasst werden.
Aufhebungsvertrag
Aufhebungsverträge haben Vor- und Nachteile. Der Unternehmer schützt sich durch Aufhebungsverträge mit erhöhten Abfindungen vor dem negativen Image der betriebsbedingten Kündigung und dem Verdacht, dass es dem Unternehmen schlecht ginge. Was Gläubiger und Geschäftspartner ja nicht unbedingt wissen müssen. Aufhebungverträge sollten immer nur einzelnen Mitarbeitern angeboten werden. Eine pauschale betriebsinterne Regelung für Aufhebungsverträge mit erhöhten Abfindungen, führt zu Mitnahmeeffekten des guten Personals. So suchen sich Spitzenkräfte einen neuen Arbeitgeber und kassieren zudem eine hohe Abfindung.
Betriebsbedingte Kündigung
Reissen alle Stricke und der nicht mehr benötigte Mitarbeiter will nicht freiwillig gehen, dann muss der Unternehmer zur betriebsbedingten Kündigung greifen, mit allen Konsequenzen für das Unternehmen. Gläubiger und Geschäftspartner werden misstrauisch und Streit vor dem Arbeitsgericht droht.
GM-Chef im Firmenjet zum Hilfspaket
Bahn: Drei Schülerinnen in drei Wochen aus Zügen geworfen
(Stern)