Medien

Manhattan-Projekt - Erster Atombombentest 1945 - Codename

Der Axel-Springer-Verlag und seine Gefährten diktieren der Bundesregierung den Bauplan einer Massenvernichtungswaffe – dem neuen Leistungschutzrecht, das Demokratie und Informationsfreiheit bedroht.

Eine ganz kleine Gruppe von Presseverlegern hat sich um den Axel-Springer-Verlag versammelt. Sie fühlen sich bei der Aufteilung des Internets benachteiligt. Andere Branchen wie die Musikindustrie seien bereits für den Kreuzzug gegen Raubkopierer aufgestellt und hochgerüstet, behaupten sie. Nur Printmedien könnten sich nicht gegen vermeintlich böse Suchmaschinen erwehren, die angeführt durch Google ihre Presseerzeugnisse im Internet unehrlich ausbeuteten. Daher müssten auch die Printverlage aufrüsten für ihren Kampf gegen mutmaßlich kriminelle Aggregatoren.

Die Bundesregierung solle gemeinsam mit den Zeitungsmachern für deren Kampf gegen das “Internet-Böse” eine Wunderwaffe entwickeln – das neue Leistungsschutzrecht. Diese Massenvernichtungswaffe in den Händen eines so aggressiv und rücksichtslos nach Gewinn strebenden und politisch umstrittenen Verlages wie der Axel Springer AG stellt eine ernste Bedrohung für Demokratie und das freie Internet dar.

Denn das Leistungsschutzrecht könnten die Presseverleger nicht nur gegen Raubkopierer einsetzen sondern auch gegen jede einzelne Webseite, die aus einer Zeitung, einer Zeitschrift, einer Agenturmeldung, einem Buch oder einem Nachrichtenportal zitiert oder auch nur zufällig dieselbe Buchstabenreihenfolge abdruckt, wie sie gerade irgendwo in einer Schlagzeile verwendet wird.

Die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel formulierte das am 04. März 2012 in ihrem Pflichtenheft so:

“Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen.”

und weiter

“Auch die Urheber sollen eine angemessene finanzielle Beteiligung an der Verwertung des Leistungsschutzrechts erhalten.”

und noch

“Einzug und Verteilung der Entgelte soll über eine Verwertungsgesellschaft erfolgen.”

Wer künftig also beispielsweise eine Bild-Lüge zitiert und daneben Werbung einblendet, wird vermutlich durch das Inkassobüro der aggressiven Presse-Verleger verfolgt, was eine demokratische Diskussion unmöglich macht.

Die Beweislast wird umgekehrt und soll dabei in Zukunft bei den präventiv Verdächtigten und bei den Urhebern liegen. Dies bedeutet im Klartext, dass grundsätzlich für jede auf den Webseiten von Zeitungen und Zeitschriften abgedruckte Formulierung, jedes Foto und jedes Video das Verwertungs- und Nutzungsrecht den Presseverlegern kraft Gesetz zufällt und der Urheber seine Ansprüche einklagen muss.

Weil aber kein kleiner Webmaster, kein Blogger und kein Amateurfilmer sich mit einem milliardenschweren Konzern um Urheberrecht, Nutzungsrecht oder Verwertungsrecht streiten wird, müssen Springer und seine Gefährten nicht mit einer ernsthaften Gegenwehr rechnen.

Dass auch die Urheber “angemessen” finanziell beteiligt werden sollen, treibt einem vor Rührung Tränen in die Augen. Wer nämlich fremde Videos mit Quellenangaben “YouTube” oder “Internet” versieht, in sein Nachrichtenportal kopiert und so kleine Hobby-Filmer um ihre wohlverdienten Werbeeinnahmen prellt, kümmert sich nicht plötzlich um die Schöpfer der verwerteten Werke.

Der Einsatz des Leistungsschutzrechts hätte daher dramatische Folgen für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Nicht nur § 5 des Grundgesetzes würde ausgehebelt. Ebenso wäre der freie Austausch von politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Informationen bedroht.

Im schlimmsten Fall müsste Google alle Presseerzeugnisse aus Google News und seinem Index löschen. Sollte sich die Suchmaschine aber der kleinen Interessengemeinschaft unterwerfen, dann würden alle Webseiten mit Zitaten aus Presseerzeugnissen über Nacht gegen die Richtlinien für Webmaster verstoßen und müsste ihrerseits durch Google gesperrt werden. Dies wäre dann das Ende des Internets.

Das neue Leistungsschutzrecht verleiht den Presseverlegern eine furchteinflößende Macht, die schon in den Händen eines Einzelnen eine erhebliche Bedrohung für die Freiheit darstellt. Nicht auszudenken, wenn sich eine aggressive Gruppe dieser Waffe bedient.

Foto: Jack W. Aeby / public domain


Dieser Artikel ist Teil 46 von 46 der Serie Medienkritik

{ 0 comments }

Internet bleibt Problem der Zeitungen

Mai 10, 2012
This entry is part 45 of 46 in the series Medienkritik

Verlage erreichen mit ihren Online-Zeitungen kaum Leser. Ohne News-Portale wie Google News sind sie völlig hilflos. Warum die Branche nicht auf die Beine kommt. Am Kiosk waren die Verleger mit ihren Druckerzeugnissen unter sich und ihre Redakteure entschieden nach politischer Linie, was sie ihrer Zielgruppe vorsetzten. Im Internet gibt es dagegen unzählige Angebote von Experten [...]

mehr… →

Nach 5 dpa-Sätzen zu RTL: “Copyright Axel Springer AG”!

Mai 8, 2012
Thumbnail image for Nach 5 dpa-Sätzen zu RTL: “Copyright Axel Springer AG”!
This entry is part 44 of 46 in the series Medienkritik

Unfassbar! Copyright für Axel Springer AG nach fünf dpa-Sätzen zu einem RTL-Interview. So sieht vermutlich das neue “Leistungs”-”Schutz”-”Recht” aus, das die Axel Springer AG und ihre Verlegerfreunde gerade unserer Bundesregierung in die Feder diktieren: Das Bild zeigt den dpa-Text zu einem RTL-Interview, der durch Welt Online nachgedruckt und mit Copyright für die Axel Springer AG [...]

mehr… →

Der geliebte Libyen-Krieg im LIVE-Ticker deutscher Medien

August 22, 2011
Thumbnail image for Der geliebte Libyen-Krieg im LIVE-Ticker deutscher Medien
This entry is part 43 of 46 in the series Medienkritik

Maschinengewehre, coole Hüftschützen, Panzer – um Tripolis tobt die Schlacht. Wir Leser sitzen in der ersten Reihe. Mit Welt, BILD, Spiegel oder Stern erleben wir den Untergang Gaddafis als Echtzeit-Doku. Danke für die tollen Fotos und packenden Berichte. Dank auch an alle Hobby-Kriegsberichterstatter. Nur Ihr zeigt das gesamte Bild! Es heißt ja immer: “Don’t blame [...]

mehr… →

Magnus Gäfgen: Zu Recht Schmerzensgeld für den Kindermörder

August 4, 2011
This entry is part 42 of 46 in the series Medienkritik

Kindermörder gehören bestraft und aus dem Verkehr gezogen, wenn ihre Schuld zweifelsfrei erwiesen ist. Zuvor aber gelten im Rechtsstaat Unschuldsvermutung und Menschenrechte! Daran wird auch die BILD-Zeitung nichts ändern. Zum Glück! Denn sogar Justiz und Polizei können irren, wie die Fälle Jens Söring und andere beweisen. Der Deutsche mit der Häftlingsnummer 179212 wird seit 25 [...]

mehr… →

Kino.to: Sachsen abgemahnt

Juni 16, 2011

Sachsens Kripo verstößt auf ihrer neuen Webseite kino.to gegen die Impressumspflicht. Grund genug für die Betreiber der Konkurrenz-Seite cineastentreff.de, ihre Anwälte gegen die neuen Besitzer in die Spur zu schicken. Wer in Deutschland sitzt und eine Webseite betreibt, muss sich in einem Impressum zu erkennen geben. Das gilt auch und gerade für Gesetzeshüter. Nachdem Sachsens [...]

mehr… →

Nazi-Affäre: Abendblatt-Autorin beschimpft Plagiatsforscher und Blogger mit NS-Vokabel

Juni 16, 2011
This entry is part 41 of 46 in the series Medienkritik

Springers Rachefeldzug gegen die Internetgemeinde für die Entzauberung zu Guttenbergs nimmt immer skurrilere Züge an. So ist für Springer-Autorin Armgard Seegers ein “moderner Blogwart” also ein Nazi, wer den Betrug durch Politiker und Promis an der Wissenschaft aufdeckt und dokumentiert. Die etwas holprige Abwandlung der NS-Vokabel stigmatisiert aber ebenso Millionen Online-Autoren auf der ganzen Welt. [...]

mehr… →

SEO: So dreist wollte der BILD-Verlag an meinen PageRank!

Mai 20, 2011
This entry is part 39 of 46 in the series Medienkritik

So nicht, liebe Kollegen! Erst nette E-Mail, dann der Schock! Per Billig-Linktausch wollte BILD-Verlag Axel Springer an meinen PageRank. Eine Kooperationsanfrage klingt immer gut und “Medienpartnerschaft” sowieso. Ich schau mir die betreffende Webseite an. Das mache immer, bevor ich über eine Antwort nachdenke. Der sprichwörtliche Blitz fährt mir durch Mark und Bein. In der Fußzeile [...]

mehr… →

Nach Todesflug AF 447: Europas Airbus ist wieder da!

Mai 18, 2011
This entry is part 38 of 46 in the series Medienkritik

Die Headlines sind eindeutig. Flugschreiber entlasten Airbus. Endlich hat das krisengeplagte Europa wieder einen Grund zum Jubeln und es jubelt kräftig. Die 228 Opfer des Air-France-Fluges AF 447 scheinen vergessen. Airbus ist wieder da! Nur das zählt, zumindest in der heutigen Berichterstattung der europäischen Journaille. Während sich die meisten Blätter noch auf eine Glücksmeldung beschränken, [...]

mehr… →

Das ist das am meisten gefilmte Auto der Welt

Mai 11, 2011
This entry is part 37 of 46 in the series Medienkritik

Wann immer dieser feuerrote Suzuki Vitara an der spektakulären Start- und Landebahn des Princess Juliana International Airports, St. Martin vorbeifährt, scheint ein Kamerateam zur Stelle und prompt landet gleich darauf eine Boeing 747 der niederländischen Airline KLM. Ob der Wagen zur Fluggesellschaft gehört? Der kleine Offroader feierte sein Filmdebüt erstmals im Jahre 2007. Bis heute [...]

mehr… →

GEZ: Neue Rundfunkgebühr ab 2013 – Was ändert sich?

Februar 2, 2011

Ab dem Jahr 2013 sollen die Rundfunkgebühren für den Empfang der öffentlich-rechtlichen Programme und deren Online-Angebote nicht mehr pro Empfänger sondern pro Haushalt erhoben werden. Wirtschaftsthemen erklärt die Änderungen für Unternehmen und Verbraucher: Ab 01. Januar 2013 wird der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag gelten. Ab dann soll jeder Haushalt seine Rundfunkgebühr in Form von einer Haushaltsabgabe in [...]

mehr… →

Honorare freier Autoren – Profi-Journalist oder Text-Sklave?

November 25, 2010

Grosse Vergütungsunterschiede zwischen Printmedien und Content-Brokern Die Berechnung der Honorare freier Autoren im Printbereich erfolgt pro Druckzeile. Eine Druckzeile (Normzeile) umfasst 34 bis 40 Buchstaben. Beinhalten die Druckzeilen weniger als 34 oder mehr als 40 Buchstaben, erfolgt die Berechnung nach einer Formel auf Basis des jeweiligen Honorarsatzes. So liegt zum Beispiel die Vergütung gemäß den [...]

mehr… →

MTV wird Pay-TV – VIVA bleibt Free-TV

Oktober 5, 2010

MTV steigt in die Premiumklasse auf und bietet künftig sein Musikprogramm als digitaler Bezahlsender an. VIVA bleibt kostenlos, aber bekommt mehr Exklusivität. Der neue Sender MTV brand:new wird rund um die Uhr neueste Musik-Trends präsentieren. Der Musikkanal MTV wird umgebaut. Bereits ab 01. Januar 2011 ist der Sender ausschließlich per Abonnement in den Digitalpaketen der [...]

mehr… →

Arbeitsmarkt: Eine Million Jobsuchende verschwunden

Oktober 2, 2010
This entry is part 36 of 46 in the series Medienkritik

In Deutschland beziehen offiziell rund fünf Millionen erwerbsfähige Bürger ALG-II (Hartz-IV) und eine Million ALG-I. Die “Qualitätsjournalisten” des wirtschaftstreuen Portals “Welt Online” schwadronieren über rund drei Millionen Jobsuchende und kehren mal eben eine Millionen Einzelschicksale unter den Teppich. titelt Welt Online, was uns wieder an der Qualität von deren Journalismus zweifeln lässt. Laut offiziellen Angaben [...]

mehr… →

Meinungsfreiheit: Wie weit dürfen Journalisten unser Grundgesetz missbrauchen?

September 24, 2010
This entry is part 35 of 46 in the series Medienkritik

Es gibt Menschen, die sind gierig, voller Missgunst und neiden anderen das letzte Hemd am Leib und es gibt Journalisten, die stellen sich unreflektiert in den Dienst der Neider. Schon wer bei Aldi Zigaretten kauft, ist für Springer-Autor Clemens Wergin ein Hartz-IV-Schmarotzer. Ob es sich dabei in Wirklichkeit um Manager, Bankangestellte, Rentner oder Touristen handelt, [...]

mehr… →