Wirtschaftsthemen

Notizen über Wirtschaft und Finanzsystem

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Bild zu Schwarz-Rot – Was hat uns die Regierung gebracht?

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Bild resümiert, was vier Jahre Schwarz-Rot den Bürgern gebracht haben:

“Am Ende von vier Jahren großer Koalition heißt es – alles auf Anfang.”

Das könnte man fast so stehen lassen, wenn da nicht doch ein paar springerübliche Verschleierungen wären.

Wirtschaftsthemen zitiert und klärt auf:

“Bei der Arbeitslosigkeit gelang ein mehr als 15 Jahre nicht gesehener Abbau auf eine Zahl von unter drei Millionen.”

Zum Rückgang der Arbeitslosigkeit hat Schwarz-Rot nur soviel beigetragen, als dass die Regierung die Hartz-IV-Gesetze in Kraft liess und somit lediglich von der vorherigen rot-grünen Regierung profitierte. Nebenbei trugen auch der konjunkturelle Aufschwung sowie Leih- und Zeitarbeit einen Teil zum Abbau von Arbeitslosigkeit bei. Aufgrund von Lohndumping, welches von Gewerkschaften forciert wurde, handelt es sich letztlich jedoch um eine Verschleierung im grossen Stil. Arbeit definierte sich ursprünglich als Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhaltes, was jedoch seit Rot-Grün nicht mehr in Deutschland gegeben ist.

“Bei der Staatsverschuldung schaffte die große Koalition die Trendwende”

Bild lebt wohl in einem Paralleluniversum? Von Trendwende kann bei historisch höchster Neuverschuldung in Verbindung mit einem neuen Schuldenrekord in 2009 keine Rede sein.

” … des Zuwachses an sozialversicherungspflichtigen Jobs auf zwischenzeitlich über 40 Millionen.”

Rechnen muss man können! Wir haben 42 Millionen Erwerbsfähige in Deutschland, davon sind 3,6 Millionen arbeitslos und 7 Millionen erhalten Hartz-IV. Gemäss Bild dürfte die Zahl der Erwerbslosen nur 2 Millionen betragen, wobei Hartz-IV-Empfänger ausgeblendet werden. Die sind ja nicht arbeitslos. Oder sollten 25 Prozent aller Erwerbsfähigen einfach nur faul sein?

Written by Frank Kerkau

June 22nd, 2009 at 6:16 pm

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HRE-Schwindel: BILD gibt den Münchhausen

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In der dramatischen Erzählung “Wer gewinnt durch die Enteignungsschlacht?” versucht das regierungstreue Revolverblatt BILD uns Wählern in Sachen Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Aktie den Ritt auf einer Kanonenkugel zu verkaufen. Wirtschaftsthemen deckt die Lügen auf:

Lüge 1 – Pfandbriefe

BILD erklärt:

“Diese Pfandbriefe werden allerdings schon längst nicht mit „realen“ Grundstücken besichert, sondern mit künftigen Steuereinnahmen des Staates.”

Gemäss unserem Pfandbriefgesetz müssen Pfandbriefe durch Kredite gedeckt sein, die wiederum mit werthaltigen Immobilien besichert sind. Das heisst, Immobilien-Eigentümer haften zum Beispiel mit ihrem Haus oder ihrer Eigentumswohnung gegenüber den Pfandbriefgläubigern, wie Rentenfonds oder Versicherungen. Die Hypothekenbanken, wie die HRE, leiten bei der Kreditvergabe lediglich das Geld vom Pfandbriefgläubiger zum Kreditnehmer und überwachen den Rückfluss in Form von Zinsen und Tilgung. Bei der Insolvenz einer Hypothekenbank fallen diese Kredite nicht an die Konkursmasse, sondern werden in einem Pool zusammengefasst und gesondert weitergeführt. Der Steuerzahler haftet daher nicht für die Pfandbriefe, sondern ausschliesslich für die HRE selbst. Wenn die Bank Fehler bei der Refinanzierung machte und die Laufzeitkongruenz verletzte, bedeutet dies, es wurden überhaupt keine Pfandbriefe ausgegeben, sondern das Geld für die langfristigen Immobilienkredite am Kapitalmarkt anderweitig und mit kürzeren Laufzeiten beschafft. Kann die Bank bei Fälligkeit der kurzfristigen Refinanzierungen aufgrund ihres Rufs und der allgemeinen Marktlage nicht umschulden, wie im Falle der HRE, und springt der Staat mit Garantien ein, dann haftet der Steuerzahler ebenfalls nicht für Pfandbriefe, sondern ausschliesslich für die Bank.

Lüge 2 – mündelsicher

BILD lässt Deutschland weinen:

“Pfandbriefe sind „mündelsicher“: In ihnen darf auch das Vermögen von Witwen und Waisen angelegt werden.”

Pfandbriefe sind mündelsicher. Das bedeutet, das Verlustrisiko bei Geldanlagen durch Insolvenz des kontoführenden Institutes sowie bei Wertpapieren durch Kursschwankungen muss ausgeschlossen sein. Dies regelt aber der Gesetzgeber für Pfandbriefe bereits durch das Pfandbriefgesetz (siehe mein Kommentar zu Lüge 1). Nun werden Vermögen von Personen, die nicht für sich selbst entscheiden können (Betreute) oder dürfen (Minderjährige), durch einen Vormund verwaltet. Für Betreute setzt das Gericht einen Vormund ein, Minderjährige haben in der Regel ihre Eltern. BILD unterstellt: Alle Witwen seien nicht rechts- und geschäftsfähig, dürften also weder selbst einkaufen noch eine Arbeit annehmen oder eine Wohnung mieten. Auch suggeriert BILD, dass unsere Kinder von Geburt an rechts- und geschäftsfähig seien, es sei denn, sie hätten ihre Eltern verloren. Sind Eltern kein gesetzlicher Vormund und sind Geschäfte von Kindern bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres etwa nicht schwebend unwirksam, solange kein gesetzlicher Vertreter, also Mutter oder Vater, die Zustimmung erklärt haben?

Lüge 3 – Flowers’ Kaufpreis für seine HRE-Aktien

BILD und die Fakten:

“Denn der US-Milliardär J.- C. Flowers (51), Chef diverser „Heuschrecken“-Fonds, ist auch Großaktionär. Er war vor der Finanzkrise massiv bei der HRE eingestiegen – zu Kursen von mehr als 30 Euro.”

Ob die ursprüngliche Beteiligung von J. C. Flowers an der HRE mit 24,9 Prozent als massiver Einstieg zu bewerten ist, sei mal dahin gestellt. BILD nimmt es jedoch mit den Grundlagen der Mathematik nicht so genau. Flowers bezahlte in 2008 für 24,9 Prozent der HRE-Anteile rund 1,1 Milliarden Euro, was lediglich 22,50 Euro je Aktie bedeutet und nicht, wie BILD uns glaubhaft machen will, mehr als 30 Euro pro Aktie.

Lüge 4 – Warum der Aktienkurs wohl steigt?

Nachdem der Bund über den SoFFin nun 47,31 Prozent der HRE-Aktien hält, kletterte deren Börsen-Kurs auf etwas über 2,00 Euro. BILD erklärt, warum das so sei:

“Nachdem der Staat die HRE für „unverwundbar“ erklärt hat, sie also niemals mehr Pleite gehen kann, ist dies natürlich das entscheidende Schmankerl. Damit hat der Staat der HRE die höchsten Weihen spendiert, die es gibt: So sicher und solide zu sein wie der Staat selbst! Denn der steht in voller Höhe für alles in der HRE gerade.”

Zwischenzeitlich ist der Aktienkurs wieder unter 1,50 Euro gesunken, was der Logik von BILD widerspricht. Fakt ist: Durch den Einstieg des Bundes ist der reelle Free Float*) (Streubesitz) der HRE-Aktien unter 20 Prozent gesunken. Eine genaue Angabe liegt noch nicht vor. Damit und durch weitere Zukäufe des SoFFin nehmen die Kursschwankungen (Volatilität) zu und der Aktienkurs spiegelt nicht mehr die Meinung des Marktes wider. Wir konnten es bei Volkswagen sehr schön beobachten, als nach dem Einstieg von Porsche die VW-Aktie durch Spekulationen auf fast 1.000 Euro kletterte, um danach wieder unter 200 Euro zu fallen.

*) Entgegen der Definition des Free Floats durch die Deutschen Börse handelt es sich hier um die HRE-Aktien, welche durch den Bund, die Flowers-Gruppe oder durch klagewillige Kleinaktionäre gehalten werden und in absehbarer Zeit dem Börsenhandel nicht zur Verfügung stehen.

Grafik: August Wille (1828-1887) / public domain

Written by Frank Kerkau

May 7th, 2009 at 10:40 pm

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Recherche: Internet vs Archiv

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Was Internetportale und Suchmaschinen von Archiven lernen können:

Wissen wird nur dann zur Information, wenn es für den Nutzer relevant ist. Nach diesem Grundsatz sind Archive aufgebaut. Der Interessent wird während seiner Recherche weder abgelenkt noch mit kommerziellen Angeboten überhäuft. Das Internet bietet dem Nutzer eine Unmenge an Wissen. Ob die Angebote jedoch auch Informationen beinhalten, erfährt er erst, nachdem der die Webseite aufgerufen und zumindest quergelesen hat. Dabei surft er auf kommerzielle Inhalte und wird durch Werbung, Nachrichten oder Unterhaltung abgelenkt. Das kostet Zeit, ist frustrierend und wenig hilfreich.

Logik des Archivs
Wer früher zu einem Thema Informationen suchte, fand sie in einem verstaubten Archiv. Dessen Strukturen sind klar und logisch standardisiert. Entweder man kannte das Medium (Buch, Zeitschrift), dann fand man es unter einer nach Titeln alphabetisch geordneten Kategorie oder man blätterte in der Kartei und erhielt durch bibliographische Beschreibungen einen ersten Überblick über die Inhalte. Zur Not hilft der Archivar. Alle Quellen sind gleichberechtigt.

Chaos im Internet
Im Internet ist das anders. Zwar indizieren Suchmaschinen, wie Google, vollständige Inhalte. Bei der Suche erhält der Nutzer jedoch nicht zuerst, was seiner Abfrage thematisch am nächsten kommt, sondern wessen Webseiten der Allgemeinheit am besten gefallen, welche Seiten für Suchmaschinen optimiert sind oder wessen Ranking finanziell gepusht wurde. Selbst Webkataloge, wie Yahoo, nutzen wenig, da weder eine vernünftige Kategorisierung noch eine aussagekräftige Beschreibung der Inhalte vorhanden ist. Letztlich muss der Nutzer selber genau wissen, wonach er sucht, denn anhand der Suchergebnisse erfährt er nicht, welche Informationen eine Webseite wirklich beinhaltet und welche weiteren Themen noch relevant sein könnten.

Beispiele
Wer sich als Laie zum Beispiel umfassend über Immobilien und deren Finanzierung informieren möchte, findet über Suchabfragen lediglich Fragmente, die mühsam zusammengetragen werden müssen. Hinderlich dabei sind unzählige kommerzielle Angebote, die kaum informieren und lediglich ihre Produkte anbieten (Baufinanzierung, Immobilien). Dass bei Erwerb oder Neubau von Immobilien einiges zu beachten ist und sich mögliche Fallen ergeben, darauf muss der künftige Bauherr schon selber kommen. Interessant dabei ist, dass Suchergebnisse, die Aufklärung versprechen, letztlich auf Bücher oder Fachzeitschriften verweisen.

Zurück zum Archiv. Abgesehen davon, dass ein Archiv keine Zettel sammelt, auf denen Makler ihre Häuser oder Zinsvergleiche preisen, würde der Nutzer dort anders vorgehen. Er würde zunächst nach Immobilien suchen, danach nach Arten (Einfamilienhaus, Eigentumswohnung), dann nach Neubau oder Kauf und schliesslich nach Finanzierungsmöglichkeiten. Erst dann würde er auf das Branchenbuch zugreifen, um sich über Anbieter zu informieren. So wäre die logische Vorgehensweise. Schon in den bibliographischen Beschreibungen erfährt er nebenbei, dass Häuser vermietet werden, der Kapitalanlage oder Altersversorgung dienen, dass es Massivbau und Fertigbau sowie staatliche Fördermöglichkeiten gibt, was weiterführend wichtig sein kann.

Oder nehmen wir ein Beispiel aus dem Maschinenbau. Wenn ein Ingenieur nach einer günstigen Schraube sucht, wird er sich zunächst über die Normen gemäss DIN nach Arten, Grössen, Formen und Materialien informieren und die für seine Verbindung passende auswählen. Danach sucht er sich im Branchenbuch einen Anbieter. Im Liefervertrag bräuchte er nun lediglich die Nummer der Schraube und die Stückzahl angeben und jeder Hersteller wüsste, welche er zu fertigen und zu liefern hätte. Das wäre die Logik eines Archivs. Die Logik des Internets überhäuft den Nutzer jedoch zunächst mit Herstellern und Händlern. Welche Schrauben aber generell erhältlich sind, erfährt er nicht.

Eine weiteres Beispiel betrifft Google. Wer in Googles Blog-Suche nach Meinungen der Graswurzel-Journalisten sucht und dabei nach Relevanz sortiert, wird inzwischen mit Nachrichten aus den Internet-Angeboten der Printmedien und kommerziellen Inhalten der Vertriebsportale überhäuft, die oftmals keine Blogs sind. Das ist die Folge von automatisch indizierten und ungeprüften Webseiten.

Klare Struktur von Internetportalen
Um dem ursprünglichen Anspruch des Internets auf Austausch von Information gerecht zu werden, müssten meines Erachtens Internetportale völlig anders strukturiert sein. Hersteller und Händler sind vom übrigen Informationsangebot zu trennen. Sie gehören nach Kategorien alphabetisch geordnet in ein Branchen-Portal. Eine weitere Gruppe wäre Kunst und Unterhaltung. Allgemeine Lexika, wie Wikipedia, oder Fachlexika sowie Internetangebote von Fachzeitschriften und Webseiten mit rein informativen Inhalten gehören in eine eigene Gruppe zusammengefasst. Dabei muss jede Gruppe nach Themen kategorisiert und alphabetisch geordnet sein. Ihre Inhalte müssen in den Suchergebnissen hinreichend bibliographisch beschrieben werden. Des Weiteren ist für den Nutzer das Datum der Erscheinung und nicht das Datum der Indexierung relevant.

Vorteile für alle Beteiligten
Dabei würde ein so strukturiertes Internetportal die Vorteile eines verstaubten Archivs mit denen der modernen Archivierungs- und Recherche-Methoden verbinden. Der Nutzer könnte präzise nach Titeln, Verfasser oder Erscheinungsdatum suchen oder sich gezielt durch Haupt- und Unterkategorien und Themen hangeln. Durch weniger Ablenkung, wäre eine Recherche wesentlich effizienter und die Ergebnisse glaubwürdiger. Die Betreiber der Webseiten müssten mehr auf qualitativen Inhalt achten. Unnötige Redundanzen würden minimiert. Nicht zuletzt wäre eine Finanzierung durch themenrelevante Werbung für alle Beteiligten effektiver.

Das Internet lebt. Es verändert sich ständig. Vielleicht rückt dabei irgendwann auch wieder der Nutzer in den Mittelpunkt.

Foto: © Ann- Kathrin Rehse / SXC

Written by Frank Kerkau

May 4th, 2009 at 8:21 pm

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Heimliche Grundversorgung – Staatssender verzocken unser Geld!

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Gemäss einem Bericht der Landesrechnungshöfe Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen soll der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) an den Kapitalmärkten Geld in riskante Geldanlagen investiert und verloren haben, meldet Financial Times Deutschland. Zwischen den Jahren 2000 und 2002 entstand so ein Anlageverlust von 26 Prozent oder 160 Millionen Euro. Der sei zwar in den Folgejahren wieder mehr als wett gemacht worden. Durch die Finanzkrise dürfte jedoch das Vermögen in den sogenannten stillen Reserven dramatisch geschrumpft sein. Wie viel der MDR verlor, erfahren wir Gebührenzahler nicht. Bekannt ist lediglich, dass der Sender in den 90ern sieben Spezialfonds im Wert von 625 Millionen Euro aufgelegt und in hochriskanten Anleihen und Währungen spekuliert haben soll, berichtet Spiegel. Das ist Skandal Nummer 1.

Die Sache mit den stillen Reserven
Der eigentliche Skandal Nummer 2 ist jedoch, dass uns einerseits die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jährlich mit Zwangsgebühren tiefer in die Tasche greifen aber andererseits stille Reserven bilden, also heimliches ausserbilanzielles Vermögen, dessen Auflösung nirgends geregelt ist und das uns so bis zum jüngsten Tag vorenthalten werden könnte. Eine “gängige Praxis” bei den Landesrundfunkanstalten, die letztlich wir Gebührenzahler mitfinanzieren ohne etwas davon zu sehen oder zu hören.

Written by Frank Kerkau

April 17th, 2009 at 12:46 am

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Kai, gib unsere Bild zurück!

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Ruiniert Kai Diekmann unsere Bild? Schon im Jahre 2030 könnte unsere grösste Boulevard-Zeitung Geschichte sein, setzte sich ihr Auflagenrückgang mit der Dynamik der letzten 10 Jahre fort.

Es war eine aufregende Zeit. Anfangs kämpferisch, gerne mal nicht ganz ehrlich, meist subjektiv und zuletzt nur noch CDU-linientreu. So kennen wir unsere Bild. In den letzten 10 Jahren brachen die verkauften Auflagen von Bild Deutschland und Bild am Sonntag (BamS) um rund 30 Prozent dramatisch ein. Setzt sich der Trend linear fort, könnte das Blatt bis zum Jahre 2030 zu einer kleinen Randnotiz der Medien-Geschichte schrumpfen. Nicht verwunderlich, die Leser werden anspruchsvoller und mündiger. Sie schlucken nicht mehr all das, was ihnen Publicity süchtige Bild-Redakteure unter Kommando von Kai Diekmann so auftischen. Hinzu kommen die neuen Medien im Internet, die wesentlich schneller, billiger, kritischer und vor allem wahrheitsgetreu informieren. Der allgegenwärtige Wettbewerbsdruck geht zu Lasten der Qualität. Die Folge sind schlampig recherchierte Stories und grobe Verstösse gegen journalistische Grundregeln inklusive regelmässiger Verletzung von Persönlichkeitsrechten gepaart mit einer teilweise schon aufwiegelnden Berichterstattung (siehe BILDblog.de): So spaltet Bild Deutschland und hetzt Rentner West gegen Rentner Ost, Arbeiter und Angestellte gegen Hartz-IV-Empfänger, den “kleinen Mann auf der Strasse” gegen Firmenlenker und umgekehrt, aber immer die Hand schützend und verschleiernd über den eigentlichen Fehlern der Politik. Dass solches Treiben auf Dauer nicht marktfähig ist, zeigt die Grafik. Die Botschaft von “Bild kämpft für Sie!” ist leider verloren gegangen. Dabei hätten die Bürger gerade in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit, Demokratie- und Sozialabbau ihre starke Bild-Zeitung gerne an ihrer Seite.

Written by Frank Kerkau

April 11th, 2009 at 1:44 am

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Bild erklärt Horst Köhler

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Gehen Bild die Stories aus?

Für dümmer kann Bild ihre Leser nun wirklich nicht verkaufen. Bundespräsident Horst Köhler hat in seiner vierten “Berliner Rede” klare Worte zu Finanz- und Wirtschaftskrise gefunden. Bild druckte seine Ansprache komplett ab. Kann also jeder nachlesen. Um die nächste Internetseite zu füllen, wartet Georg Gafron mit seinem Bild-Kommentar auf, der Köhlers Aussagen auf zwei Worte, in formatfüllendem Text gekleidet, reduziert. Damit nicht genug. Auf einer weiteren Internetseite verkürzt Bild die Rede und schürt Panik durch Unterschlagung von Köhlers Aussagen:

Bild zitiert:

“Köhler sagt: „Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. (…) Die kommenden ­Monate werden sehr hart. Wir werden Ohnmacht empfinden und Hilflosigkeit und Zorn.“”

und erklärt ihren Lesern:

“Köhler meint: Er bereitet die Deutschen auf schwere Zeiten vor: auf hohe Arbeitslosenzahlen, Firmenpleiten und Wohlstandsverlust.

Er fordert mehr Lust auf Freiheit, auf Verantwortung, Mut: „Wir können immer einen neuen Anfang schaffen. Es liegt an uns.“ Die Passage erinnert an „Blut, Schweiß und Tränen“, an „Gürtel enger schnallen“ und Ludwig Erhards „Maßhalten“.”

Offenbar wollte Bild ihren Lesern die positven Passagen (Von mir ergänzt und hervorgehoben.) in dem Zusammenhang ersparen:

“Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. Ich meine: zum Guten, wenn wir aus dem Schaden klug werden. (…) Es ist ein gutes Zeichen, dass die meisten Unternehmen in Deutschland versuchen, Entlassungen zu vermeiden. Sie wissen, dass sie ihre hoch motivierten und gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend brauchen, wenn sie die Krise überwinden wollen.

Was Köhlers Aussagen eine völlig andere Bedeutung verleiht. Vielleicht ist es doch besser, lieber Köhler als Bild zu lesen, denn der Bundespräsident hatte in seiner Rede glatt erwähnt, was Bild hier zudem als “Köhler meint:” verkauft:

“Wir müssen aber auch ehrlich sein: Viele Unternehmen werden ihr Überleben und damit zugleich Arbeitsplätze nur sichern können, wenn sie sich auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Wir müssen uns darauf einstellen: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird sich wieder deutlich erhöhen.”

Horst Köhler hatte Politik und Banken kritisiert, aber auch Wege aus der Krise skizziert. Offenbar war seine Darstellung der Dinge der Bild-Redaktion zu langweilig.

Written by Frank Kerkau

March 25th, 2009 at 3:48 am

Hurra! Krupp ist unschuldig!

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Ganz grosses Kino!

Wer bisher den Namen Krupp mit zwei Weltkriegen und 70 Millionen Toten in Verbindung brachte, sollte heute, Montag und Mittwoch um jeweils 20.15 Uhr das ZDF einschalten und seine Geschichtskenntnisse durch den Dreiteiler “Krupp – eine deutsche Familie” ins rechte Licht rücken lassen. Regisseur Carlo Rola erläuterte gegenüber Handelsblatt:

“Da muss man einfach bedenken, dass es sich bei Krupp um eine Art Staatsindustrie handelte und nicht um einen Betrieb für den einfachen Bürger. Die Kunden von Krupp waren Regierungen, und mit denen musste man sich arrangieren. Wir gehen an diese Frage natürlich mit moralischen Ansprüchen ran, aber die passen nicht unbedingt zu der Logik von wirtschaftlichen Entscheidungen. Ob damals oder heute, Waffen werden nicht aus ideologischen Gründen hergestellt oder verkauft, sondern um Geld zu verdienen und seine Angestellten weiter beschäftigen zu können.”

Arbeitsplätze und Wohlstand durch Kanonen? Dann sollten wir mal gleich damit anfangen!

Written by Frank Kerkau

March 22nd, 2009 at 1:11 am

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Bild prämierte Deutschlands härteste Hobby-Söldner

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Nach der Winnenden-Tragödie ziehen die Medien gegen vermeintliche Killerspiele zu Felde, angeführt durch Deutschlands Revolverblatt Bild:

“Eine Studie der Universität Tübingen bestätigt einen gefährlichen Zusammenhang zwischen Gewalt verherrlichenden Computerspielen und der Entwicklung von Jugendlichen.”

“Am Abend vor der Tat hatte Tim zwei Stunden lang das bekannte Ballerspiel „Far Cry 2“ gezockt, von 19.30 bis 21.40 Uhr.”

Noch vor ein paar Monaten sah das ganz anders aus. Im Oktober 2008 honorierte Bild nämlich die coolsten Killer-Outfits auch bei Jugendlichen im Rahmen des Kinostarts von “Far Cry”, je blutrünstiger desto besser. Das Boulevard-Blatt prämierte die taffesten Posen in Kampfanzug mit Knarre im Anschlag und Zigarre:

“Zum Kinostart des neuen Action-Streifens „Far Cry“ suchte BILD.de die härtesten Helden Deutschlands. Beim großen Voting stimmten Tausende User ab – nun stehen die taffesten Draufgänger fest.”

Auch der Spiegel stellt neuerdings den Bezug zwischen vermeintlichen Gewaltvideos und Ballerspielen und dem Amokläufer her:

“Nach dem Amoklauf von Winnenden verstärkt sich die Diskussion über ein Verbot von Gewaltvideos und kinderpornografischen Angeboten im Internet. Nach Informationen des SPIEGEL hatte der Amokläufer wenige Stunden vor der Tat den Egoshooter “Far Cry 2″ gespielt – das keine Jugendfreigabe hat.”

Während das Magazin noch im November 2008 für genau diesen besagten Ego-Shooter in einem seiner Artikel aggressiv und massenwirksam die Trommeln der Schlacht rührte:

“… anstelle der extrem linearen Level des ersten Teils gibt es diesmal die Freiheit zu tun und zu lassen, was man will. Aufträge anzunehmen, es sein zu lassen oder einfach durch die Gegend zu fahren.

Das ist teilweise großartig, denn die Landschaften sehen wunderschön aus, die Tiere darin bewegen sich geschmeidig. Irgendwo darüber, so spürt man aber auch überall hängt eine schwarze Wolke. Der Krieg hat das Land zerstört, immer wieder kommt man an ausgedehnten Waldbränden vorbei oder wird aus dem Hinterhalt beschossen.

Das alles aber merkt man nicht gleich. Denn “Far Cry 2″ ist ein Spiel, das sich nicht sofort erschließt, das anfangs wenig Hilfestellung gibt, das will, dass man es erobert. Vielleicht nervt das viele Spieler, die schnellere Action wollen, die Aufgaben nicht suchen, sondern einfach gestellt bekommen wollen. Wer sich aber länger auf “Far Cry 2″ einlässt, wird ein Action-Spiel erleben können, indem man einzelne Episoden tatsächlich selbst schreiben, Teil des Ganzen werden kann. “

Anfang 2008 gab es Bestrebungen der Jungen Liberalen die Bild zu verbieten. Begründung war unter anderem, die mangelnde Verantwortung als grösste Deutsche Tageszeitung. Der Antrag wurde abgelehnt. Ob Gewaltverherrlichung zur Katastrophe von Winnenden führte, wissen wir nicht. Wenn aber Killer-Outfits und Ballerspiele zu den coolen Dingen in unserer Gesellschaft und Medienlandschaft gehören, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann der Propaganda Taten folgen.

Written by Frank Kerkau

March 17th, 2009 at 5:39 pm

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“Neutral und unabhängig” – ARD als Partner der Deutschen Bank?

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Die ARD verlinkt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) in ihrem Plusminus-Artikel “Wie Riester-Berater reihenweise durchfallen” gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium und dem Hessischen Finanzministerium. Ein deutsches Institut also, das suggeriert dem ahnungslosen Aussenstehenden eine wissenschaftliche und unabhängige durch öffentliche Gelder geförderte Forschungseinrichtung. Auch das DIA verspricht auf seiner Website Neutralität und Unabhängkeit “von den Marketing- und Verkaufsaktivitäten seiner Gesellschafter”. Ist das glaubhaft?

Über der Unabhängigkeitserklärung des DIA sind die Gesellschafter des Instituts aufgeführt und verlinkt:

  • Deutsche Bank AG
  • Deutsche Bank Bauspar AG,
  • DWS Investment GmbH und
  • Deutscher Herold AG.

Dass die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG “nur” Kooperationspartner ist, spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle.

Unter der Unabhängigkeitserklärung des DIA liest man unter anderem die Namen zweier wichtiger Akteure des Institutes und ihre Funktionen. Die privatwirtschaftlichen Verbindungen fehlen:

Werner Janzen, DIA-Geschäftsführer, war zumindest bis Mai 2008 noch Produktmanager der Deutschen Bank Privat- und Geschäftskunden AG.

Bernd Katzenstein, Sprecher der Gesellschaft, ist in seiner “Freizeit” als Chefredakteur vom MLP-Forum tätig, der Kundenzeitschrift des Finanzdienstleisters MLP AG.

Im DIA-Impressum stösst man dann noch auf Geschäftsführer Karl-Heinz Buchholz – mindestens bis Juli 2007 Vertriebsleiter der Deutschen Bank AG.

Ob das alles der Plusminus-Redaktion bekannt ist?

Written by Frank Kerkau

March 13th, 2009 at 8:09 am

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RTL mahnt DSDS-News ab

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Nach drei Jahren Duldung geht RTL gegen die inoffizielle SEO-Fan-Seite “DSDS-News” vor und will auch gleich deren Domain übernehmen. So eine Frechheit aber auch. Hätte der Sender doch gleich sagen können, dass er die Rechte besitzt und sie gerne selbst vermarkten möchte.

Dabei hat RTL eigentlich nichts gegen private Fan-Seiten, wie der Sender gegenüber Basic Thinking mitteilte. Wobei die Betonung auf “privat” liegt. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Bisher hatte RTL im Web 2.0 vermutlich wenig Glück. Clipfish.de scheint ebenso wenig rund zu laufen, wie das DSDS-Angebot auf der hauseigenen Website. Offenbar hat der einst grösste Unterhaltungssender Europas – Oder ist er das noch? – seine Zielgruppe im Internet vernachlässigt. Nun will er vermutlich aggressiv seinen Markt zurück, wie die gegenüber “DSDS-News” gesetzte Frist von nur zwei Werktagen für Erfüllung der Auflagen vermuten lässt.

Mit RTL bin schon länger nicht mehr zufrieden. In den 70er und 80er Jahren ging auf deren “vier fröhlichen Wellen” richtig die Post ab. Heutzutage wirkt das Programm, egal ob TV oder Radio, eher langweilig. Also da ist wieder Steigerungspotenzial vorhanden.

Written by Frank Kerkau

March 12th, 2009 at 11:41 am

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