≡ Menu


Facebook-Börsengang: Wieviel Potenzial hat die Aktie?

Analyse zum Börsengang (IPO) von Facebook mit allen Infos

Facebook hat am Mittwoch Abend sein Börsenprospekt veröffentlicht und damit den Börsengang gestartet. Mindestens fünf Milliarden US-Dollar sollen Investoren locker machen. Der Prospekt beweist aber, für den Börsengang ist es höchste Zeit.

Geschäftsmodell: “Daten, Daten und nochmals Daten”

Das weltgrößte soziale Netzwerk verdient sein Geld mit Werbung. Die geschlossene Plattform ist vom übrigen Internet abgegrenzt. Facebook ist darauf angewiesen, dass sich seine Nutzer auf der Plattform einloggen und möglichst viel über sich erzählen. Die Kontakte zwischen “Freunden” sind dabei nicht wichtig. Was zählt, sind Daten, Daten und nochmals Daten sowie die Erreichbarkeit der Nutzer für die Werbeindustrie.

Was zu Beginn ganz witzig schien, ist inzwischen aber zu einem Wettlauf um die Frage: “Wer hat den größten Freundeskreis?” verkommen. Denn jedes Handy und jedes Smartphone kann heutzutage alles, was Facebook auch kann, zudem jedoch werbefrei und ohne Angriff auf die Privatsphäre.

Echte Freundschaften dürften sich eher auf das reale Leben konzentrieren, was für Facebook das entscheidende Risiko birgt, dass den Fans diese Sammelei irgendwann langweilig wird.

Aktive Nutzer

Nach eigenen Angaben hat Facebook aktuell 845 Millionen monatlich aktive User (MAUs). Die besuchen das Netzwerk im Durchschnitt einmal in 30 Tagen. Für Werbung und Marketing völlig uninteressant, denn wer sich innerhalb von vier Wochen nur einmal einloggt, liefert keine brauchbaren Daten.

Besser sieht bei den 483 Millionen täglichen Nutzern (DAUs) aus. Sie stellen ungefähr die Hälfte aller monatlichen Nutzer. Wer sich mindestens einmal pro Tag bei Facebook blicken lässt, mit “Freunden” kommuniziert, brav sein Leben offen legt und Fotos hochlädt, ist für die Werbeindustrie interessant. Schließlich liefern diese fleißigen Nutzer verlässliche Daten über ihre Interessen, nach denen Werbung ausgerichtet werden kann.

Facebook hat daher nur 483 Millionen relevante Nutzer. Bei einem Verkaufserlös von fünf Milliarden US-Dollar wäre ein täglich aktiver Nutzer rund 10 US-Dollar wert.

Wachstum

Das für Aktionäre so wichtige Wachstum hat sich bei Facebook bereits verlangsamt. Während im Vergleich zu 2009 die Einnahmen im Jahr 2010 um 154 Prozent zulegten, stiegen sie von 2010 zu 2011 nur noch um 88 Prozent.

Das Jahres-Netto-Einkommen wuchs von 2009 zu 2010 um 165 Prozent. Von 2010 zu 2011 nahm es nur noch um 65 Prozent zu.

Bei den Nutzern sieht es nicht besser aus. Die wichtigtsten Märkte USA, Kanada und Europa scheinen aktuell mit 408 Millionen monatlich aktiven Nutzern ausgereizt. Hier nimmt der Zuwachs der neuen Nutzer bereits ab.

In Asien scheint das Wachstum noch intakt. Im Jahr 2011 verzeichnete Facebook in dieser Region 212 Millionen monatlich aktive User. China hat Facebook jedoch gesperrt, so dass weitere Expansion künftig schwer werden wird.

Bleiben noch Afrika, Lateinamerika und der Mittlere Osten mit rund 1,5 Milliarden Menschen. Hier hat das Netzwerk bislang nur 225 Millionen monatlich aktive Nutzer.

Gemäß Börsenprospekt sind Nutzer aus USA, Kanada und Europa häufiger auf Facebook anzutreffen als aus anderen Regionen. So besuchen 75 Prozent der monatlich auf Facebook aktiven Amerikaner und Kanadier das Netzwerk auch täglich. 62 Prozent der monatlich aktiven Facebook-Nutzer aus Europa loggen sich auch einmal pro Tag ein.

Facebook-Mitglieder aus anderen Regionen sind weniger häufig auf der Webseite aktiv. In Asien besuchen nur 49,5 Prozent der monatlich aktiven User die Seite auch täglich. In Afrika, Lateinamerika und dem Mittlere Osten sind nur 48,4 Prozent der monatlich aktiven Nutzer auch täglich präsent.

Unterm Strich hat Facebook ohne Zweifel weiteres Wachstumspotenzial. Die Zeit der Überraschungen dürfte jedoch zu Ende gehen.

Strategie

Facebook will weiter wachsen, die Welt stärker vernetzen, mobiler werden und das Verhalten seiner Nutzer effektiver in klingende Münze umwandeln. Globale Expansion der Community, großartige soziale Produkte zur Verbesserung des Zusammenspiels zwischen Nutzern, Entwicklern und Werbeanbietern sind die Hauptziele. Hinzu kommen Ausbau des mobilen Angebots mit effektiverer Monetarisierung.

Das sprichwörtliche “Kaninchen aus dem Zylinder” sieht anders aus

Wer verdient am Börsengang?

Die Dot-Com-Euphorie ist längst Geschichte. Unternehmen gehen heutzutage wieder mit ihrem aktuellen Wert an die Börse. Aktuelle Entwicklung und Strategie bergen zudem wenig Fantasie. Großartige Zeichnungsgewinne dürften daher auch bei Facebook kaum möglich sein. Langfristig könnte das Unternehmen noch Potenzial haben.

Gründer Mark Zuckerberg (28 Prozent) und andere Altaktionäre, wie das weitere Management (42 Prozent) oder Goldman Sachs, die über einen Fonds beteiligt sind, werden sicher ihren Schnitt machen. Die Banken und Berater, die den Börsengang begleiten natürlich ebenfalls. Experten schätzen die Gebühren für Sprung aufs Parkett auf immerhin 500 Millionen US-Dollar.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner