Leerverkäufe – Wie gut sind sie wirklich?







by Frank Kerkau on Mai 19, 2010

Leerverkäufe (Short Selling) würden die Börsen mit Liquidität versorgen, glaubte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im letzten Maybrit-Illner-Interview. Leerverkäufer würden Ungereimtheiten in den Unternehmensbilanzen aufdecken, glauben Wissenschaftler gemäss FTD. Ohne Leerverkäufe würden die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) bei einzelnen Titeln zunehmen, meinen Ökonomen.

Ein seriöses Investment funktioniert so:
Der Investor versorgt ein Unternehmen oder ein Staat mit seinem Geld und erwartet im Gegenzug eine Rendite (Zinsen, Kursgewinne), die aus Wertschöpfung resultiert. Das ist Marktwirtschaft!

Völlig anders sieht es mit Leerverkäufen aus:
Der Spekulant will trotz fallender Kurse durch Marktrückgänge, Unternehmen in Schwierigkeiten, Massenentlassungen und Managementversagen seinen persönlichen Reibach auf Kosten anderer machen, obwohl er nicht einmal Anteilseigner ist. Dabei vernichtet er Liquidität, weil er Papiere, die es gar nicht gibt, gegen reelles Geld auf den Markt wirft. Zudem drücken Leerverkäufe ungerechtfertigt die Kurse, so dass es dem betroffenen Unternehmen, einer gesamten Branche oder einem Staat immer schwieriger wird, sich frisches Kapital zu beschaffen. Wer Marktwirtschaft als „Was geht mich das Leid anderer an?“ definiert, liegt hier richtig.

Aber, sofern nicht selbst davon betroffen, nützen Leerverkäufe einzig der Finanzindustrie – den Börsen, Banken und Händlern durch zusätzliche Provisionen, die bei einem Verbot natürlich entfallen, weshalb die Märkte sehr sensibel auf Verbote reagieren.


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Bernecker1977 August 5, 2010 um 15:59 Uhr

Pauschal kann man Leerverkäufe auf keinen Fall verbieten. Der deutsche Alleingang zeigt, wie wenig global dabei gedacht wurde und wie schlecht die Berater im Vorfeld dieses Gesetzes waren. JA es ist ein Gesetz und deswegen habe ich dies auch noch einmal verfasst:
http://www.bernecker1977.de/leerverkauf-als-verbot

Bernecker1977

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