≡ Menu


McKinsey und die Milchmädchen

Eine Studie, die in der Dezember-Ausgabe des renommierten American Economic Review veröffentlicht wurde, ging dieser Frage nun mit Hilfe eines ökonomischen Experiments auf den Grund und fand keinerlei Hinweise auf Herdenverhalten – In Zusammenarbeit mit McKinsey&Company führte Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg mit seinen Koautoren über das Internet ein Finanzmarktspiel durch

Na, da waren wieder einmal die Theoretiker am Werk. Die Praxis ist viel komplizierter als es sich in einem Börsenspiel darstellen lässt. Selbst wenn ein gewisser Anreiz zur Vernunft durch materielle Gewinne gegeben ist. Geht es jedoch tatsächlich um den eigenen schnöden Mammon, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Hauptansatz ist, dass jeder Anleger – und das ist ganz natürlich – schnelles Geld verdienen will. Darin unterscheiden sich Milchmädchen nicht von Heuschrecken. Hinzu kommt die Angst vor Verlusten. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass im Bullen- oder im Bärenmarkt grössere Kursanstiege oder -korrekturen nicht die Folge vernünftiger Entscheidungen waren. Kurskorrekturen resultieren aus Über- oder Unterbewertung des Marktes, der Einsicht in die Realität und Panik. Würde es zu allen Zeiten vernünftig an den Börsen zugehen, gäbe es keine solchen Fehlbewertungen und niemand würde handeln, denn alle hätten dieselbe Meinung.

Ich behaupte, es gibt zwei Hauptursachen für den Lemmings-Effekt, die im kausalen Zusammenhang stehen:

1. der menschliche Faktor als Handelnder und als Auslöser für
2. den maschinellen Faktor.

Beispielgrafik
Beispiel Aufwärtstrend – Die so genannte Fahnenstange!
Sobald ein Trend erkennbar ist, der Nachbar, der Taxifahrer oder die Tochter des Bäckermeisters erzählen, wie gut in den letzten Wochen die Aktie eines Filmhändlers am “Neuen Markt” performt hat, springen auch der Telefonmann, der Gemüsehändler und des Metzgers Sohn auf den schon lange fahrenden Zug und denken die Reise geht erst los. Menschlicher Faktor.

Wenn jetzt ein bestimmtes niedrigeres Kursniveau erreicht wird, egal, ob durch schlechte Unternehmensmeldungen oder weil einfach der Mark überkauft ist, kommt Faktor Angst ins Spiel. “Alle verkaufen? Oh mein Gott, ich muss auch aussteigen!”, denkt Metzgers Sohn und erzählt’s des Bäckermeisters Tochter, die wiederum dem Taxifahrer usw. usw. Jetzt erwachen die Computer und merken, dass es ans Verkaufen geht. So genannte Verkaufsprogramme zünden automatisch auf den Punkt sobald ein Kurs unterschritten wird. Von Vernunft kann keine Rede sein, schon gar nicht bei Computern. Stop loss heisst das Stichwort. Maschineller Faktor.

Da jetzt natürlich selbst der Telefonmann keine Aktie haben will, sinkt der Kurs weiter und immer weiter. Bis? Ja bis der Nachbar aus Freude über die niedrigen Preise zu kaufen beginnt.

Das war im Jahre 1929 so und Anfang 2000 ebenso.

Grafik: Wirtschaftsthemen

Technorati-Tags:



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner