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Tom Tailor – Sanierung durch Börsengang

Die Hamburger Modekette Tom Tailor geht an die Börse (Zeichnungsfrist bis 24.3.2010). Wie FAZ meldet, will das Unternehmen mit dem Erlös des Börsengangs (max. 165 Millionen Euro) vorrangig Schulden tilgen (110 Millionen Euro). Lediglich 20 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Geschäfts fliessen. Was haben die Aktionäre davon?

Konsortialführerin
Die Commerzbank (Coba) begleitet als Gläubigerin den Börsengang. Gegenüber den Medien versicherte Tom Tailor zwar, dass nur Kredite weiterer Gläubigerbanken zurückgezahlt werden sollen. Dies bedeutet jedoch: Die Coba verbessert zumindest indirekt ihre Kredit-Risiko-Position – auf Kosten der Aktionäre. Zudem hatten die Alteigentümer dem Modeunternehmen Gesellschafterdarlehen gewährt, wovon bereits ein Teil in Eigenkapital umgewandelt wurde. Die verbliebenen Verbindlichkeiten daraus sollen möglichst durch Einnahmen aus dem Börsengang getilgt werden – also ebenfalls auf Kosten der Aktionäre.

Gewinn- und Verlust-Rechnung
Wir schauen in die Gewinn- und Verlust-Rechnungen der letzten drei Jahre und stellen fest: Das operative Geschäft entwickelte sich leidlich. Was jedoch Tom Tailor zu schaffen macht, sind die negativen Finanzergebnisse, sprich die Zinszahlungen an seine Gläubiger. Das Unternehmen konnte in den letzten Jahren die Zinsen für seine Kredite nicht durch das operative Geschäft verdienen und schrieb Verluste. In den abzulösenden Verbindlichkeiten stecken daher verdeckt auch aufgelaufene Zinsen, welche die Aktionäre nun ebenfalls bezahlen müssen – ohne einen Gegenwert zu erhalten.

Bilanz
Als Folge von Verschuldung und Geschäftsentwicklung wurden die Einlagen der Gesellschafter aufgezehrt. Die Bilanzen weisen inzwischen negatives Eigenkapital aus – Tendenz steigend. Was die Frage aufwirft: “Wie lange hätte Tom Tailor noch so weitermachen können?”. Schaut man sich die Bilanz genauer an, so fällt auf, dass das Vermögen (250 Millionen Euro) die Verbindlichkeiten (318 Millionen Euro) nicht mehr deckt. Es ist also Fünf vor Zwölf!

Management
An der Professionalität des derzeitigen Managements darf somit gezweifelt werden. Es hat das Unternehmen hoch verschuldet, das Eigenkapital vernachlässigt und gemeinsam mit den Banken schlicht falsch finanziert. Die Geschäftsentwicklung steht in keinem Verhältnis zur Kreditaufnahme. Salopp gesagt: Das Rad, was Tom Tailor bislang gedreht hatte, war für die Art der Finanzierung viel zu gross, so dass wahrscheinlich die Banken kalte Füsse bekamen und nun die Notbremse ziehen.

Sanierung durch Börsengang
Der Börsengang als letzter Ausweg dient vorrangig der Entschuldung (Fremdkapital zu Eigenkapital) und damit der Verbesserung des Finanzergebnisses. Aufgrund der mit dem Börsengang verbundenen Kapitalerhöhung wird das Vermögen künftig zum Grossteil durch Eigenkapital finanziert, was für das Unternehmen billiger ist und in der Bilanz wesentlich hübscher ausschaut. Da die Belastung des operativen Ergebnisses durch das Finanzergebnis künftig wesentlich geringer ausfällt, dürfte das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Fazit
Natürlich wäre es schön, wenn Tom Tailor schon vor dem Börsengang profitabel gearbeitet hätte und nicht die Aktionäre dem Unternehmen jetzt aus der Krise und den Banken aus ihrem Obligo helfen müssten. Aber gut, ein IPO ist halt auch eine Art der Unternehmensfinanzierung. Wenn die Aktionäre Tom Tailor mit frischem Kapital sanieren, scheint die Kuh erst mal vom Eis zu sein. Ein Fader Beigeschmack bleibt, denn die Aktionäre sichern nicht nur das Überleben des Unternehmens, sondern bewahren auch die Gläubigerbanken vor dem Verlust ihrer Zinseinnahmen.



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