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Böse Bank, böser Dispo oder dummer Bankkunde?

Banken sind böse. Das waren sie schon immer und gerade in heutiger Zeit sowieso. Daher finden Politiker, Verbraucherschützer und selbst ernannte “Experten” immer neue Kritikpunkte, um der Kreditwirtschaft ein unmoralisches Treiben zu unterstellen. Echte Lösungen bieten sie jedoch nicht. Neuerdings haben die Finanz-Kritiker den Teufel in Gestalt des Dispokredites ausgemacht. Die wenigsten wissen jedoch, was es damit auf sich hat und wie man damit richtig umgeht. Noch eins drauf? Ja diejenigen, die gerade so laut aufschreien, würden ihren Dispo lieber früher als später in einen billigeren Ratenkredit umschulden, als dass sie dafür teure Zinsen zahlen. Aber auch das erzählen sie den Verbrauchern nicht. Lieber bleiben die Banken böse. Damit lässt auch viel besser Quote machen.

Der Dispositionskredit
Ein Dispositionskredit, Dispo, Dispokredit, früher Kontokorrentkredit, gerne auch als Verfügungsrahmen oder gar als Verfügungskredit bezeichnet, ist ein variabler Kredit, den die Bank in der Regel ihrem Kunden zu seinem Girokonto in Höhe von bis zu drei Monatsgehältern und meist ohne Sicherheiten – also blanko – einräumt. Der Kunde ist dabei völlig flexibel und kann seinen Kredit jederzeit beanspruchen oder auch zurückführen. Dispokredite sind täglich fällig, genauso wie die Guthaben auf den Girokonten.

Dispo oder Überziehung?
Eine Überziehung hat mit dem Dispo nur soviel gemein, als dass ein solcher Kredit überzogen werden kann. Dispo und Überziehung sind zwei völlig verschiedene Dinge. Eine Überziehung ist eine nicht vereinbarte Beanspruchung des Kontos, ohne dass ausreichend Guthaben oder Kredit vorhanden ist. Die Bank lässt solch eine Beanspruchung meist in Form einer geduldeten Überziehung zu. Die muss der Kunde jedoch spätestens mit dem nächsten Gehaltseingang zurückführen, dann zahlt er zwar ein paar Zinsen, erspart sich jedoch die immensen Kosten eines Gerichtsverfahrens, die Vollstreckung oder gar die eidesstattliche Versicherung.

Überziehung und dann?
Kann der Kunde die Überziehung nicht zurückführen, dann wird die Bank tätig. Ein Risiko, denn Sicherheiten gibt es nicht und im Zweifel bleibt die Bank auf ihren Forderungen sitzen, wie Lehman Brothers eben, nur nicht so spektakulär.

Die Refinanzierung
Die Refinanzierung erfolgt in der Regel – und es kann aus Gründen der Laufzeitkongruenz auch nicht anders sein – durch die Sichteinlagen auf anderen Girokonten oder eben halt durch Kredite der EZB.

Die Geschichte mit den Zinsen
Dispozinsen haben sich seit der Hochzinsphase in den 90er Jahren kaum verändert. Dass Guthaben auf Girokonten in der Regel nicht verzinst werden, ist ebenfalls nichts Neues. In der Vergangenheit nahm jedoch daran kaum jemand Anstoss. Warum also gerade jetzt?

Wer bezahlt des Nachbars Zahlungsmoral?
Kredite kosten. Nicht nur, dass vielleicht Zinsen für die Refinanzierung anfallen. Risiken, Personal, Überwachung und Ausfälle mit allen Kosten für Gericht und Vollstreckung müssen ebenfalls bezahlt werden. Wenn der Nachbar seinen Dispo beansprucht oder sogar überzieht, dann muss der Ertrag anderer Dispokredite, die widerum Risiken beinhalten, dafür gerade stehen und vielleicht den Ausfall übernehmen oder soll das künftig der Steuerzahler auch noch tun?

Wir ärgern unsere Bank!
Ein Kredit bringt nur Geld, wenn er auch genutzt wird. Einmal eingeräumt laufen Kosten. Wer seine Bank richtig ärgern will, der führt sein Girokonto mit Dispo im Guthaben. Dann verdient die Bank halt nichts, muss aber Kreditrahmen und Liquidität dafür vorhalten, die sie vielleicht an anderer Stelle gewinnbringend einsetzen könnte.

Guter Dispo, böser Dispo
Dispokredite können aber müssen nicht in Anspruch genommen werden. Der relativ hohe Zinssatz ist vielleicht auf den ersten Blick schmerzhaft. Er erzieht jedoch zu bewusstem Umgang mit Geld. Der Dispo soll Flexibilität und eine Liquiditätsreserve für alle Fälle gewähren, wenn der Kunde mal eben ein Schnäppchen sieht und zuschlagen will. Der Dispo ist jedoch keine Finanzierung für was auch immer. Wer seinen Dispo ständig beansprucht, ausreizt oder gar überzieht, sollte sich an eine Schuldnerberatung wenden. Eine Umschuldung in einen Ratenkredit in Verbindung mit vernünftiger Haushaltsführung wäre die bessere Lösung. Das schafft Transparenz, hilft die Finanzen zu ordnen und spart Geld. Auch wäre zu überlegen, ob ein Dispokredit überhaupt sinnvoll ist. Eine Kreditkarte tut’s vielleicht auch.



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