≡ Menu


Dividende auch in Krisenzeiten?

Aktionäre sind schon ein seltsames Völkchen. Sie investieren ihr Geld in Unternehmen, die sie nicht kennen, kassieren Dividenden, die nicht erwirtschaftet wurden, zahlen ihren Vorständen Boni, die diese nicht verdienen, wundern sich dann über die Insolvenz und verklagen ihre eigene Firma auf Ersatz eines Schadens, den sie als Anteilseigner selbst verschuldet haben.

Hanno Beck hat für die FAZ einen wunderbaren Artikel geschrieben, warum auch in Krisenzeiten Dividenden zu zahlen sind. Darauf möchte ich mit einem noch wunderbareren Artikel antworten, warum Dividenzahlungen gerade in Krisenzeiten falsch sind. Dabei beziehe ich mich auf Unternehmen, die in der Krise wirtschaftliche Probleme haben. Dass solide geführte Firmen trotz Gewinnausschüttungen sogar in einer Krise nicht in Schieflage geraten, soll es geben – siehe “Deutschlands beste Aktien der letzten 10 Jahre”. Leider sind sie die Ausnahme.

Beck argumentiert, dass Dividenden sein müssen, um den Kapitalmarkt bei Laune zu halten. Aktionäre müssten für ihr eingegangenes Risiko entlohnt werden und überhaupt gibt niemand Geld, ohne dafür Zinsen zu verlangen. Das klingt auf den ersten Blick logisch. Aber Aktien sind in der Regel weder Verbrauchsgüter, noch Junk-Bonds und Investoren müssen schon gar nicht das Risiko eines Totalverlusts eingehen, nur um angemessene Renditen zu erzielen.

Der Sinn eines Investments

  • Warum investieren wir? Um Geld zu verdienen!
  • Wollen wir dabei unser Vermögen verlieren? Nein!
  • Sind Dividendenzahlungen nach Verlusten also richtig? Nein!
  • Warum? Weil sie unsere Firma schwächen!
  • Warum? Weil der Firmenwert sinkt!
  • Weshalb? Weil das Eigenkapital verbraucht wird!

Genauso ist das! Aus Becks Logik würde folgen, je größer die Schieflage unseres Unternehmens, um so höher unser Risiko und um so höher müsste die Dividende sein. Dies würde wiederum unser Risiko erhöhen und eine noch höhere Dividende rechtfertigen. Das ideale Investment wäre also eine Insolvenz.

Die Sache mit der Risiko-Verzinsung

  • Was verlangen Gläubiger bei hohe Risiken? Hohe Zinsen!
  • Wer muss die bezahlen? Wir!
  • Wollen wir das? Nein!
  • Sind Risiken also gut für uns? Nein, nicht gut!
  • Woher stammen unsere Risiken? Weil unser Unternehmen zu wenig Eigenkapital besitzt!
  • Warum? Weil wir trotz Verlusten Dividende kassierten!
  • Wieso? Weil wir Geld verdienen wollten!

Will sich unser in Schieflage geratenes Unternehmen nun Geld beschaffen, könnten wir eine Kapitalerhöhung durchführen. Gemäss Beck wäre das kein Problem, da unsere Firma ja ihre satten Verluste den Aktionären vergütet. Da jedoch unser Aktien-Kurs durch den geringen Unternehmenswert gesunken ist und zudem der Kapitalmarkt in Krisenzeiten eh schlechte Laune hat, macht das wenig Sinn. Wollen wir Kredit aufnehmen, fragen uns die Banken nach unserem Eigenkapital. Wenn die feststellen – und das werden sie -, dass wir unsere Firma verprasst haben, geben auch sie uns kein Geld oder nur zu sehr teuren Konditionen mit strengen Auflagen. Letzte Möglichkeit wäre da noch, eine Anleihe zu platzieren. Aber auch die müssten wir teuer bezahlen.

Wir können uns nun drehen und winden, wie wir wollen und werden einsichtig:
Nicht verdiente Dividenden halten vielleicht kurzfristig die Aktionäre bei Laune. Langfristig wird ein Unternehmen dabei ausgehöhlt, verliert an Wert, das Vermögen der Aktionäre löst sich in Luft auf und das schöne Investment war für die Katz.

Zuletzt noch die Sache mit der Rendite
Rendite kennzeichnet den Erfolg einer Kapitalanlage. Sie setzt sich aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen zusammen. Aha! Wenn wir also strategisch entscheiden und unsere Dividende in Krisenzeiten in der Firma belassen, erhalten wir ihren Wert, stützen den Aktien-Kurs, bleiben in der Gunst unserer Gläubiger und schützen uns vor Insolvenz, was wiederum unserem Vermögen gut tut. Nebenbei sichern wir auch noch Arbeitsplätze, was den sozialen Frieden fördert.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner