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Hypovereinsbank: Immobiliendarlehen in Schweizer Franken

Was ist wirklich dran?
Die Stiftung Warentest hat das Kreditangebot der Hypovereinsbank (HVB) nicht verstanden und finanzen.net auch nicht! Oder wollte man es nicht verstehen, da die betreffende Kolumne von der FXdirekt Bank stammt? Wie dem auch sei. Es wird erst mal kräftig aus der Hüfte geschossen und juristisch strittige Unruhe unter den Verbrauchern gestiftet. Unwissend, ahnungslos und völlig falsch!

Punkt 1
Was Hedgefonds treiben, interessiert mich nicht. Fakt ist, die HVB bietet Fremdwährungskredite, also auch Immobiliendarlehen in Schweizer Franken (CHF), nicht erst seit heute an. Professionelle Immobilienkunden der HVB haben schon seit den 90er Jahren die Möglichkeit ihre Finanzierungen in fremder Währung aufzunehmen.

Punkt 2
Fremdwährungskredite können entscheidende Zins-Vorteile der ausländischen Währungen bieten und sind zudem sehr flexibel.

Punkt 3
Die HVB wirbt mit einer variablen Finanzierung. Das ist nicht korrekt. Denn Fremdwährungskredite auf Basis LIBOR sind zwischen einem Monat und einem Jahr festgeschrieben, ganz nach Kundenwunsch. Lesen Sie’s nach! Diese Laufzeiten bei denen der Zinssatz festgeschrieben wird, sind so kurz, dass man eine solche Finanzierung quasi variabel nennen könnte. Die HVB schreibt daher auch in ihrem Angebot, welches sich als Beispiel auf den 3-Monats-LIBOR bezieht:

Zusätzlich können Sie vierteljährlich und kostenlos Sondertilgungen vornehmen oder sogar das Darlehen komplett zurückzahlen.

Nochmal! Der Zinssatz wird festgeschrieben. Je nach Kundenwusch kann diese Festschreibungszeit eine Dauer von einem Monat bis zu einem Jahr haben. Dies resultiert aus dem LIBOR.

Punkt 3
Ändert sich der LIBOR während der Festschreibungszeit, so betrifft das die abgeschlossene Finanzierung nicht. Und jetzt alle! Eine Finanzierung auf Basis LIBOR hat eine Festchreibungszeit zwischen einem Monat und einem Jahr. So wird der LIBOR nämlich von 12 internationalen Banken festgelegt.

Punkt 4
“Ein Haken hat das Ganze aber doch: Die Laufzeit des Darlehens beträgt bis zu 25 Jahre.”, schreibt Carsten Stern von der FXdirekt Bank und kommt sogleich mit der grossen Keule der Währungsschwankungen, welche den Wert des Kredites erhöhen sobald die Währung gegenüber dem Euro stärker wird. Was dieser Banker nicht weiss, Laufzeit und Festschreibungszeit eines Kredites sind nicht dasselbe. Die Laufzeit endet mit der kompletten Rückzahlung. Die Festschreibungszeit endet mit Ablauf der Zinsbindung, also wenn die Konditionen wieder neu verhandelt werden. Das heisst, wenn Sie, lieber Leser, eine Baufinanzierung, die 25 Jahre laufen soll, auf drei Monate festschreiben, dann haben Sie natürlich nach diesen drei Monaten die Möglichkeit, Ihren Fremdwährungskredit zu verlängern oder wieder in Euro zu konvertieren oder zurückzuzahlen oder zu erhöhen oder umzuschulden oder was weiss ich nicht noch alles damit anzustellen. Der Kredit ist nach Ablauf der Zinsbindungsfrist oder wenn sie so wollen nach Ablauf der Festschreibungszeit fällig. Dann können Sie mit ihm machen, was Sie wollen.

Punkt 5
Risiko Zinsatz! Steigt der Zinssatz einer fremden Währung über den des Euro-Raumes, interessiert Sie das erst nach Ablauf der Festschreibungszeit, wenn dieser neue Zinssatz verhandelt und festgeschrieben werden soll. Bietet der Zinssatz der Fremdwährung Ihnen als Kreditkunde keinen Vorteil mehr, wer oder was hindert Sie daran, Ihren Kredit in Gottes Namen in Euro zu konvertieren? Er ist doch zu dem Zeitpunkt fällig.

Risiko Währung! Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Sie können es nicht. Herr Stern kann es genauso wenig, wie jeder andere Analyst oder Banker auch. Wir reden hier über Währungen von Industriestaaten. Die Schwankungsbreite ist relativ gering. Das können Sie leicht aus der Vergangenheit in den Charts ablesen. Etwas anderes wird Ihnen die Bank auch nicht anbieten. Denn der Wert ihrer Sicherheiten ist ebenfalls in Euro. Steigt der Wert Ihres Kredites, droht der Bank Unterbesicherung und ein echtes Ausfallrisiko. Sie wird daher penibel darauf achten, dass dieses Währungsrisiko kalkulierbar bleibt und im ungünstigen Falle in Ihrem und ihren Interesse die Notbremse ziehen. Sie wird entweder einen Barausgleich oder eine Verstärkung der Sicherheiten verlangen. Lesen Sie’s nach! In Ihrem Darlehenvertrag steht’s drin. Zudem wird die Bank darauf drängen, Ihren Kredit nach Ablauf der Festschreibungszeit wieder in Euro zu konvertieren. Dieses Währungsrisiko muss bei der Entscheidung für oder gegen einen Fremdwährungskredit beachtet werden. Da die Hypovereinsbank in diesem Geschäft nun kein Neuling ist, würde ich den Profis in deren Finanzierungsabteilungen vertrauen.

Ich wiederhole mich. Bis das sitzt!

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Dieser Artikel ist Teil 5 von 23 der Serie Ratgeber Geld: Haus kaufen und finanzieren



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