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Kernkapitalquote Tier-1 – Ein gefährlicher Schwindel

Die Finanzbranche macht ihre Kernkapitalquote zu einer Schönwetter-Kennzahl, wie die Bankenpleiten in der Finanzkrise zeigten. Wirtschaftsthemen erklärt den großen Schwindel der Ökonomen:

Banken und ihre hochbezahlten Volkswirte erklären uns schon wieder, dass eine Kernkapitalquote Tier-1 in Höhe von sieben Prozent etwas ganz tolles wäre. Schließlich seien vom Gesetzgeber in Deutschland nur fünf Prozent vorgeschrieben.

Wenn aber diese sieben Prozent Kernkapitalquote so dicke ausreichen, warum sind dann Bear Sterns, Lehman Brothers und all die US-Banken Pleite gegangen? Warum mussten in Europa viele Geldhäuser bis zur Staatspleite gerettet werden?

Das Kernkapital ist der Teil des Eigenkapitals, über den ein Unternehmen jederzeit frei verfügen kann. Dazu gehören die Einlagen der Aktionäre und die Kapitalrücklagen.

Im Bankgeschäft haftet ein Teil des Kernkapitals für eingegangene Risiken, wie ausgereichte Kredite.

Das Verhältnis aus diesem haftendem Kernkapital und der damit abgedeckten Risiken ist die Kernkapitalquote.

Bei einer Kernkapitalquote von gesetzlichen fünf Prozent sind also 95 Prozent aller Kredite ungeschützt – abzüglich vermeintlich werthaltiger Sicherheiten.

Um viel Kreditgeschäft zu machen und dafür wenig kostbares Eigenkapital aufzuwenden, versuchen Banken ihre Kernkapitalquote möglichst gering zu halten. Sie erklären uns, dass eben sieben Prozent ein robustes Unternehmen garantieren und haben der Politik mit fünf Prozent noch einmal eine geringere Kernkapitalquote in die Feder diktiert.

Das mag in wirtschaftlich guten Zeiten mit robuster Konjunktur gut gehen.

Sobald aber eine Finanzkrise in einem sowieso schon mit Geldhäusern übersättigten Markt auf hochriskante Investmentbanken trifft, dann reichen selbst die hochgelobten sieben Prozent Kernkapitalquote nicht mehr aus. Vor allem dann nicht, wenn sich durch Rezession die zuvor als werthaltige geglaubten Kreditsicherheiten in Luft auflösen.

Deshalb wurde bereits Ende der 1990er Jahre in den Baseler Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) von den Banken selbst eine Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent vereinbart.

Inzwischen streben Schweizer Kreditinstitute sogar 19 Prozent Eigenkapitalquote an – 10 Prozent Kernkapital plus 9 Prozent Pflichtwandelanleihen. Ein klarer Wettbewerbsvorteil im Kampf um risikobewusste Kunden.

Blanke Finanzkennzahlen sind wertlos!

Was Volkswirte zudem gerne verschweigen, ihre Finanzkennzahlen sagen zunächst einmal gar nichts aus. Diese Kennziffern machen nur dann Sinn, wenn Unternehmen derselben Branche miteinander verglichen werden.

Was aber, wenn alle eine schlechte Kennzahl vorweisen? Ist dann der Einäugige unter den Blinden König?

Und kann man eine Sparkasse mit ihrem klassischen Bankgeschäft (Geldanlage und Kredit) mit einer Investmentbank und ihren hochriskanten Spekulationen vergleichen und beiden eine ähnlich geringe Kernkapitalquote empfehlen?

Sicher nicht. Solange ein Geldhaus solide wirtschaftet, im klassischen Bankgeschäft bleibt und keine Finanzkrise droht, mögen fünf bis acht Prozent Kernkapitalquote noch genügen. Im hochspekulativen Investmentbanking dagegen können sich Risiken viel schneller realisieren und verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Daher muss die Kernkapitalquote im Investmentgeschäft um ein Vielfaches höher sein.



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