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Stiftung Warentest vs Tchibo-Traumhaus: Was ist dran?

Ist das Tchibo-Traumhaus wirklich ein Alptraum?

Die Stiftung Warentest hat nach schlechter Recherche das Tchibo-Traumhaus und die dazugehörige Finanzierung kräftig verrissen. Aber was ist tatsächlich dran?

Das Tchibo-Traumhaus ist ein Angebot zum Festpreis. Für 158.900 Euro stellt die Firma ExNorm entweder ein “Wintergartenhaus” oder ein “Energiesparhaus” schlüsselfertig hin. Die Finanzierung soll creditweb.de vermitteln. Na schön!

Der Anbieter
Zunächst einmal ist ExNorm eine Marke der Kampa AG. Wem ExNorm nichts sagt, der sollte spätestens bei Kampa AG aufhorchen, einer der renommiertesten Baufirmen im Massiv- und Fertigbau überhaupt. Dass solche Baufirmen zwar das gewünschte Haus liefern und aufbauen, sich jedoch nicht mit Finanzierung, Grundstück, Erschliessung und Aussenanlagen etc. beschäftigen ist üblich. Baufirmen sind in der Regel keine Bauträger oder Generalunternehmer.

Definition “Schlüsselfertig”
Es gibt keine. Schlüsselfertig bedeutet lediglich: Bezugsfertige Erstellung eines Bauvorhabens nach allen Regeln der Baukunst. Schlüsselfertig beinhaltet keine Aussenanlagen, keine interne oder externe Erschliessung und auch nicht den Aushub der Baugrube oder gar Grundstücksauswahl und -kauf.

Das Tchibo-Traumhaus
ExNorm liefert ein bestimmtes Haus zu einem Festpreis. Fertig! Das ist das Produkt, welches Tchibo anbietet. Auch wenn Stiftung Warentest hier gerne etwas anderes hinein interpretieren möchte. Und jetzt alle! “ExNorm ist kein Bauträger.”

Was gehört zum Haus dazu?
Wer die Realisierung seiner eigenen vier Wände komplett in die Hände Dritter legen möchte, der ist sicher bei Tchibo und ExNorm falsch. Das ist aber – entgegen der Vermutung von Stiftung Warentest – nichts Schlimmes. Wer sich jedoch sein Traum-Grundstück passend zum Haus individuell aussuchen möchte, kann von Bauerwartungsland bis zur komplett intern erschlossenen Parzelle alles wählen. Diese Kosten kommen natürlich hinzu. Zudem wäre es ja geradezu lächerlich, wenn Tchibo und ExNorm dem künftigen Eigentümer vorschreiben wollten, wo er zu wohnen habe. Oder möchten Sie Ihre Arbeitsstelle und Freunde aufgeben, nur weil Tchibo ein Grundstück zufällig am anderen Ende der Welt gewählt hat? Also! Dass zum Aufstellen des Hauses dann eine Baugrube zumindest mit Bodenplatte gehört, ist ebenfalls selbstverständlich. Dass individuelle Wünsche des Bauherrn zusätzlich kosten können, darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Dass bei Aussenanlagen und Terrasse die Geschmäcker verschieden sind, ist auch unstrittig. Was also will Stiftung Warentest eigentlich?

Die Finanzierung
Wo steht geschrieben, dass ein Bauvorhaben von Planung bis Schlüsselübergabe zu 100 Prozent finanziert sein muss? Kann es sein, dass Tchibo als Zielgruppe Bauherren mit Grundstück oder mit 20 Prozent Eigenkapital für Grundstückskauf, Erschliessung und Nebenkosten der Finanzierung gewählt hat? Und was wäre denn daran schlecht? Im Gegenteil, je mehr Eigenmittel durch den Bauherrn eingesetzt werden, um so weniger Risiko hat er, sollten während der Kreditlaufzeit finanzielle Engpässe entstehen. Des Weiteren ist das Gesamtvorhaben über die Laufzeit um so billiger.

Die Bezahlung
Stiftung Warentest gefällt der Zahlungsplan nicht, weil die Baufirma Raten ohne Vorleistung anfordert. Das Risiko seien Mängel. Ich zitiere:

“Der Zahlungsplan verpflichtet den Bauherrn an die Baufirma bereits Raten zu zahlen, ohne dass sie die entsprechende Vorleilstungen erbracht hat. Auf Mängel und Pfusch in der Bauausführung kann der Hausbauer dann nur noch unter Vertragsverletzung mit Zurückhalten von Zahlungsraten reagieren.”

Wenn die Baufirma pfuscht, hält sie dann den Vertrag ein? Ich habe den Verdacht, dass sich Tchibo hier im äusserst riskanten und schwierigen Bauträgergeschäft versucht, was Stiftung Warentest auch nicht erkennt. Daher rate ich dem Bauherrn, sich mit einer Hypothekenbank in Verbindung zu setzen und die Verträge dort prüfen zu lassen. Wenn dem so wäre, dann greift die Makler- und Bauträgerverordnung und Tchibo müsste eine Sicherheit stellen, wenn das Unternehmen Vermögenswerte der Käufer ohne Baufortschritt und Eigentumsübergang entgegen nimmt.

Üblich und ganz wichtig ist auch, dass sich der Bauherr eine Fertigstellungsgarantie von der Bank von ExNorm geben lässt. Damit wird erst mal Vertrauen geschaffen und im Zweifel können allfällige Mängel durch eine andere Baufirma abgestellt werden, nachdem die Bank von ExNorm aus der Bürgschaft in Anspruch genommen wurde. Die letzte Rate gemäss Zahlungsplan wird erst gezahlt, wenn Behörden und Bauherr die Bauabnahme unterschrieben haben. Damit hat der Bauherr schon eine gewisse Sicherheit. Denn wer wird seinen Bau abnehmen, ohne dass die Mängel beseitigt wurden?

Der Test-Kommentar
Der Test-Kommentar zeigt noch mal die fachliche Inkompetenz von Stiftung Warentest bei Immobilien und deren Finanzierung in komprimierter Form. So wird Tchibo als unseriös hingestellt, weil das angebotene Produkt einer renommierte Baufirma ein Haus beinhaltet, aber kein Grundstück und auch keine Tiefbaugewerke. Des Weiteren wirft Stiftung Warentest Tchibo vor, dass tatsächliche Kosten verschleiert würden. Der traurige Witz, woher soll der Kaffeeröster wissen, welches Grundstück der Kunde wählt und wie hoch der Preis sein wird? Ob der Kunde ein durchaus übliches Darlehen mit einem Prozent Tilgung abnimmt oder mehr tilgen will, liegt ebenso in der Hand des Kunden, wie auch eine grössere Rückzahlung nach Ablauf der Festschreibungszeit von 10 Jahren. Das ist und bleibt Verhandlungssache! Ob das Darlehen dann tatsächlich 35 Jahre läuft, weiss heute niemand.

Stiftung Warentest hat mit diesem Testbericht gegen Tchibo auch sämtliche am Immobilien-Markt üblichen und seit Jahrzehnten millionenfach erfolgreich praktizierten Angebote von Baufirmen und Banken in Frage gestellt und als unseriös bezeichnet. Die Tester haben die Bauherrn zu Unrecht verunsichert. Und nein, ich habe weder etwas mit Tchibo, Kampa AG oder ExNorm noch etwas mit creditweb.de zu tun.

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