≡ Menu


Der Schwindel von Anlegerprofil und Risikotyp

Was Sie vor Ihrer Geldanlage wissen sollten!

Allerorts trifft man auf mehr oder weniger komplizierte Erklärungen zu Anlegerprofil oder Risikotyp und daraus entwickelte hochkomplexe Anlagestrategien. Solche Betrachtungen wurden erstmals von Discount-Brokern ins Leben gerufen, um sich rechtlich gegen Klagen von Anlegern, zittrigen Händen oder Milchmädchen – wenn Sie so wollen – abzusichern. Ein netter Nebeneffekt ist, wenn ein Anleger seine Anlageziele und Risikobereitschaft offen legt – und vor dem Handel mit Optionsscheinen muss er das -, so bekommt er natürlich auch entsprechende Angebote, oder nennen Sie es Werbung. Erst später griffen Banken und Sparkassen diese Ideen zum selben Zwecke auf. Das war’s auch schon.

Der Effekt für den Anlager selbst ist, dass er sich nicht mehr mit den fundamentalen Fakten einer Geldanlage an sich beschäftigt, sondern seine Betrachtungen lediglich auf “Much Risk, much Money!” als Auswahlkriterium reduziert. Oft kann der Anleger dann nicht einmal eine Verbindung zwischen dem Risiko einer Geldanlage und seines Risikotyps herstellen, um daraus die richtigen Folgerungen zu ziehen. Das geht nämlich nicht! Dazu müsste er sich mit dem konkreten Investment beschäftigen und wenn er es täte, dann wären ihm auch die Chancen und Risiken klar, was wiederum dann das Anlegerprofil oder den Risikotyp erübrigt.

Dabei gibt es für verschiedenste Anlageformen wichtige Grundregeln:

  • Alles was der Anleger selbst managed (Aktien, Optionen, Futures) muss von ihm analysiert sein und seiner periodischen Kontrolle unterliegen.
  • Gibt der Anleger sein Geld in fremde Hände (Investmentfonds, Vermögensverwalter), so muss er sich vor der Anlage über deren nachhaltige Qualität und Zuverlässigkeit überzeugen.
  • Diversifikation heisst, sinnvolle Aufteilung des Vermögens in verschiedene Anlageformen, um das Verlustrisiko bei maximalem Ertrag zu minimieren.
  • Absicherung der Grundbedürfnisse durch sichere Geldanlagen steht vor dem Spiel mit dem Risiko.
  • Geldanlage erfordert Wissen. Das betrifft sowohl die einzelnen Finanzprodukte als auch die Investments.

So nützt es Ihnen herzlich wenig, wenn Sie wissen, dass eine Aktie fallen oder steigen kann und wie man daraus Geld machen könnte und dass zudem Ihr Risikotyp nach einer solchen Anlage verlangt, wenn Sie das Unternehmen nicht kennen und auf Analysten vertrauen müssen, die bei der Herausgabe ihrer Prognosen schon längst investiert sind oder günstig aussteigen wollen. Um jedoch bei riskanten Geldanlagen, wie Aktien, Optionen oder Futures nicht auf die Nase zu fallen, brauchen Sie nicht Ihren Risikotypen oder Ihr Anlegerprofil, sondern Ihre wertvolle Freizeit.

Daher fragen Sie sich vor Ihrer Karriere als Hobby-Fondsmanager:
Wollen Sie sich mit Ihrem Depot selbst beschäftigen oder lieber angeln gehen und es den Profis überlassen?

Danach sollte gelten:

  • Kurzfristige Anlageziele (< 1 Jahr) bedingen sichere und kurzfristig verfügbare Anlageprodukte (Festgeld, Tagesgeld).
  • Mittel- (1 – 5 Jahre) und langfristige Anlageziele (> 5 Jahre) können durch mittel- und langfristige sichere oder risikoarme Geldanlagen erreicht werden (Investmentfonds auf Aktien oder Renten, Hypothekenpfandbriefe, Bundesschatzbriefe).
  • Der Rest ist für den Nichtprofi ein Bonus. Das heisst: Risikoreiche Geldanlagen, wie Aktien, Optionsscheine usw. können das Portfolio nur ergänzen oder sogar absichern. Ein Verlust daraus darf jedoch weder die Anlageziele noch die Existenz bedrohen. Risikoreiche Geldanlagen machen daher auch den geringsten Teil des Portfolios aus.

Wer also innerhalb von sechs Monaten eine grössere Anschaffung plant und sich mit dafür verplantem Geld noch schnell an der Börse seinen Urlaub erspekulieren will, wird sich danach weder Urlaub noch Anschaffung leisten können, Risikotyp hin, Anlegerprofil her.

Btw., Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel ein VWL-Sparplan auf Aktien Ihres Arbeitgebers. Hier profitieren Sie zum einen vom Cost-Average-Effekt und kennen Ihren Arbeitgeber. Zum anderen werden Sie staatlich gezwungen, mindestens mittelfristig auf Kurssteigerungen zu warten. Und mal ehrlich, würden Sie Ihren VWL-Sparplan fortführen, wenn Sie als Insider merken, dass das Geschäft nicht läuft und eine Umstrukturierung die andere jagt? Na sehen Sie, Anlegerprofil hin, Risikotyp her!

Technorati Tags: , , , , , , ,



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner