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Geldanlage: Rendite bildet kein Vermögen

Viele Menschen glauben, dass Vermögen durch hohe Renditen entstünde. Dabei übersehen Sie, dass nur akkumuliertes Kapital zum Vermögen werden kann.

Wer einen Euro zu einem Zinssatz von 4 Prozent anlegt, erhält nur 4 Cent Zinsen. Wer aber 100.000 Euro zu den selben Konditionen verleiht, erwirtschaftet schon 4.000 Euro Zinsen. Der Anlageerfolg verhält sich also direkt proportional zum Anlagebetrag. Rendite an sich ist für die Vermögensbildung sekundär. Sie stellt lediglich eine Entschädigung für die Verleihung des Geldes dar, aber führt allein nicht zu Reichtum.

Woher aber die 100.000 Euro nehmen?
Ab und zu sollten wir unseren Deutschbankern wirklich zuhören. Hermann Josef Abs sagte einst zum Thema Vermögensbildung: “Wenn man mehr einnimmt als man verbraucht, dann erzielt man beachtliche Erfolge.” Die Zockerei an den Börsen kommentierte der Ex-Deutsche-Bank-Chef mit: “Aktien, eigentlich immer behalten und nicht die Banken unnütz mit Provisionen füttern.”. Primär kommt es bei Vermögensbildung darauf an, der Werbeindustrie zu widerstehen und kein Geld in unnütze Produkte zu drehen, wie Hilmar Kopper es einst sinngemäß formulierte.

Konsum als Fehlspekulation
Wer ein Handy oder einen LCD-Fernseher aus dem Laden trägt, wird daran ärmer. Die meisten Waren verlieren mit dem Kauf sofort massiv an Wert, weil uns die Industrie mit ihnen und ihren Nachfolgern überschwemmt und sie wird nicht aufhören.

Steuern sparen durch Konsumverzicht
Direkte und indirekte Steuern vernichten unser Vermögen. Dabei machen Lohn- und Einkommensteuer nur knapp 30 Prozent des gesamten Steueraufkommens in Deutschland aus, also noch nicht einmal ein Drittel. Mit rund 50 Prozent entstehen die meisten Steuern direkt oder indirekt durch Konsum. Ob Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer oder Grundsteuer, diese Steuern fallen an, sobald wir unser Geld ausgeben und nur dann. Verbleibt das Geld aber auf unseren Konten, selbst wenn es nur ein langweiliges Sparbuch wäre, sparen wir Steuern. Es gibt zudem in Deutschland keine Vermögensteuer und die Abgeltungsteuer zahlen wir lediglich auf steuerpflichtige Gewinne aus Kapitalvermögen.

Konsumentenkredite helfen nur den Banken
Manche Menschen glauben, dass sie sich den Kredit für ihr neues Auto leisten können oder müssen. Wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass sie die Erfüllung ihres Wunsches von jetzt auf gleich nach mehr Bequemlichkeit teuer bezahlen? Wer einen Konsumentenkredit aufnimmt, füttert nicht nur die Bank mit Zinsen, er begibt sich in ihre Abhängigkeit, verspielt seine finanzielle Freiheit und erhält für seinen teurer bezahlten Kredit eine Ware, die mit dem Kauf vielleicht nur noch die Hälfte wert ist. Ein wirklich blödes Geschäft!

Vermögen sichern durch Kreditaufnahme?
Es gibt tatsächlich Menschen, die ihre Ersparnisse auf billigen Konten in trockenen Tüchern halten und für ihre Anschaffungen lieber teure Kredite aufnehmen. Wer auf diese Weise seine Habenzinsen in Sollzinsen dreht, vollbringt eine wirklich “tolle ökonomische Leistung” bei seiner Haushaltsführung.

Anlegen, investieren oder zocken?
Je höher die Rendite, umso mehr Vermögen kann man verlieren. Ist das das Risiko wert? Wenn wir davon ausgehen, dass Vermögen primär durch Überschüsse aber nur sekundär durch Renditen gebildet wird, dann beantwortet sich die Frage nach “Anlegen, investieren oder zocken?” von selbst.

Zunächst sollte das Vermögen vor Inflation gesichert werden. Eine Geldanlage zu Zinsen in Höhe der Inflationsrate genügt dafür. Der Börsianer würde dazu sagen: “Wir parken unser Geld.”

An nächster Stelle steht die Investition. Eine Investition ist eine sauber recherchierte und wohl kalkulierte Verwendung des Geldes mit dem Ziel, eine möglichst hohe aber risikoarme Rendite zu erzielen und dabei einen Wert zu schaffen. Der Kauf einer Maschine zum Beispiel, welche die Effizienz der Produktion erhöht, Kosten senkt und den Firmenwert steigert, ist eine Investition. Eine neue Heizung, die Energiekosten und Wartungsaufwand senkt, über ihre Nutzungsdauer eine echte Ersparnis bedeutet und letztlich den Wert des Gebäudes steigert, wäre ebenfalls eine Investition. Auch die Weiterbildung mit der Folge eines höheren Gehalts und der Steigerung des Marktwertes eines Arbeitnehmers ist eine Investition. Wer sein Haus mit weniger finanziellem Aufwand baut, als er Miete zahlen würde, investiert ebenfalls sinnvoll sein Geld und baut sich Vermögen auf.

Aktien, Fonds oder Gold sind keine Geldanlagen und auch keine Investitionen. Sie sind riskante Spekulationen – “Käufer und Verkäufer glauben, dass der Wert ihrer Anteile künftig dieses oder jenes tun wird.”. An der Börse werden Meinungen gehandelt, aber es wird nicht investiert. Wer an Börse und Terminmärkten zocken will, sollte entweder Investmentbanker oder finanziell unabhängig sein. Denn niemand kann vorausahnen, ob das gerade erworbene Unternehmen nicht am nächsten Tag in den Negativschlagzeilen erscheint oder Notenbanken und Regierungen mit ihrem Gold etwas wirklich blödes anstellen, was all unsere Hoffnungen zunichte macht.


Dieser Artikel ist Teil 17 von 30 der Serie Ratgeber Geld: Vermögensaufbau



{ 2 comments… add one }

  • Daniel Februar 4, 2011, 14:31

    Hallo,

    ich habe zum Februar eine Lebensversicherung bei der HDI Gehrling abgeschlossen. Haben Sie Erfahrungen dazu, ist das eine gute Entscheidung? Freundliche Grüße

  • Frank Kerkau Februar 4, 2011, 21:22

    Hallo Daniel,

    zu HDI Gerling liegen mir leider keine Testurteile vor. Eine Einschätzung des Versicherers ist daher nicht möglich. Um zu beurteilen, ob eine Lebensversicherung zu Dir passt, müsste Deine finanzielle Situation mit der Ausgestaltung des Produkts abgeglichen werden. Eine Beurteilung, ohne die konkreten Daten zu kennen, wäre unseriös.

    Im Zweifel solltest Du (vor Vertragsabschluß) einen unabhängigen Honorarberater konsultieren.

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