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Kapitalanleger und die Lüge vom Steuersparmodell mit Tilgungsaussetzung

Steuersparmodelle verarmen den Staat und bereichern die Banken. Der Kapitalanleger ist der Verlierer.

Ich habe bislang keinen Immobilienprofi mit Rating 1 kennen gelernt, der sich auf ein Steuersparmodell mit Tilgungsaussetzung einliess. Alle die ich kenne, tilgen mit drei, vier, ja bis zu acht Prozent. Im Gegenzug habe ich jedoch immer wieder erlebt, dass Kunden durch solche Steuerspar-Konstrukte ihre Immobilie und ihr Vermögen verloren. Steuersparmodelle mit Tilgungsaussetzung wurden durch Banken kreiert, um ihre Kapital-Lebensversicherungen zu verkaufen, sich satte Provisionen und obendrauf dicke Zinsen auf Kosten ihrer Kunden in die Taschen zu stecken, also doppelt zu kassieren.

Trotzdem erscheint es sinnvoll, nicht zu tilgen und die Zinsbelastung hochzuhalten, um damit langjährig die Steuerlast zu reduzieren. Die meisten vergessen jedoch dabei, dass lediglich der Zahlungsstrom von Richtung Staat in Richtung Bank umgelenkt wird und dass hierbei um Gottes Willen:

  • kein Mieter ausziehen,
  • die Miete nicht sinken,
  • keine Reparatur an der Immobilie notwendig werden,
  • das Geschäft nicht in eine Krise geraten und
  • im persönlichen Leben nichts passieren

darf, denn dann wäre der Weg zum Amtsgericht schon vorprogrammiert, weil das Vermögen nicht greifbar ist, Schulden nicht getilgt sind und die Liquidität gegen Null geht.

Wie funktioniert das?
Die Zinsaufwendungen Ihres Hypothekendarlehens schmälern Ihre Einkünfte und damit Ihren Steuersatz. Das bedeutet, bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent müssen Sie einen ganzen Euro an Zinsen aufwenden nur um 42 Cent Steuern zu sparen. Das Darlehen wird jedoch dabei noch nicht getilgt. Zusätzlich zahlen Sie kräftig in eine Vermögensanlage, die als Tilgungsersatz an Ihre Bank verpfändet ist. Daher bleiben Zinsbelastung, Sparrate und Schuldenberg während der gesamten Laufzeit, meist über 30 Jahre, konstant auf hohem Niveau.

Jetzt meine Fragen:

  • Was ist Ihnen wichtiger, statt den Fiskus lieber Ihre Bank zu füttern oder unbelastetes Vermögen aufzubauen?
  • Wäre es nicht besser, kräftig zu tilgen, um damit freie Vermögensteile zu schaffen, welche Sie bei Bedarf gerne wieder beleihen dürfen, und sich somit Flexibilität und Liquidität zu sichern?
  • Wäre es nicht besser, die Schuldenlast und Zinsbelastung zu reduzieren, um bei einer Durststrecke im Geschäft, im persönlichen Leben oder bei der Vermietung Ihrer Immobilie auf der sicheren Seite zu stehen?
  • Warum sollten Sie neben einer konstant hohen Zinsbelastung auch noch konstant hohe Ansparraten bezahlen, die Ihre Liquidität zusätzlich belasten?

Und zum Schluss das Beste. Wenn Sie ein Plain-Vanilla-Hypothekendarlehen mit Annuität aufnehmen, dann hindert Sie niemand daran, Ihre Zinsen steuerlich geltend zu machen. Dabei werden Sie in den ersten zehn Jahren Ihre helle Freude an Ihrer Steuerersparnis haben, obwohl Sie kräftig Zinsen zahlen müssen. Aber danach, werden Sie viel besser schlafen können als Ihre Leidensgefährten mit Tilgungsaussetzung. ;)

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  • Cipriano Kritzinger Dezember 3, 2010, 22:02

    Dem kann ich nur voll zustimmen. Wider dem Vorschlag meiner Bank und LV habe ich das Haus vor 30 Jahren nach meinen Vorstellungen finanziert. Nach 10 Jahren war der Kredit abbezahlt. Hätte ich den Kredit über meine LV finanziert, hätte ich nach 30 Jahren genau 8,5 mal mehr Zinsen gezahlt. Die prognostizierte Versicherungsleistung ist außerdem auf 62% der geschätzten Ablaufleistung gesunken. Der Steuervorteil hätte die extrem hohe Zinsleistung nicht mal um ein drittel reduziert.
    Nach gelungender Hausfinanzierung habe ich entgegen meinem inneren Gefühl 3 Fonds gezeichnet, einen Straßenbahn, einen Flugzeug und einen Medien Fond. Wie ja allgemein bekannt ist, der Medien Fond ist eine Totalverlust, der Straßenbahn- und Flugzeugfonds liegt nach den fälligen Steuernachzahlungen im Minus. Die rückwirkenden Steueränderungen verursachen Verluste, waren aber möglicherweise schon vor dem Abschluß vorhersehbar. Aber bekanntlich fängt man mit Speck Mäuse und das weiß auch Vater Staat.

    Auch wenn mit Steuervorteilen geworben wird, die nie welche waren, läufen immer wieder neue Kunden ins Messer, denn Warnungen werden einfach abgelehnt, z.B. FOCUS MONEY.

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