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Inflation: Euro vs D-Mark – Teuro entlarvt

Inflation: Teuro schlägt D-Mark. Wahrnehmung der Bürger ist berechtigt.

Das Argument für den vermeintlich “stabilen” Euro, was oft in Politik und auch heute wieder in den Medien herumgeistert, ist schon mehr als abenteuerlich:

Zwar haben sich wichtige Waren wie Lebensmittel und Energie in den letzten Jahren in der Tat massiv verteuert, dagegen seien aber weit weniger oft gekaufte Produkte wie Computer und Flachbildschirme im Preis gefallen. Auch der moderate Anstieg der Mieten wirke stabilisierend auf die Preise. Unter dem Strich ergäbe sich daraus nur eine geringe Teuerung, die sogar noch unter der D-Mark liege.

So der O-Ton. Durch das Statistische Bundesamt wurden daher heute die 10 Jahre vor der Euro-Einführung als Bargeld bis Ende 2001 und die 10 Jahre danach bis heute betrachtet. Vergleiche von unterschiedlich turbulenten Zeiträumen hinken aber erheblich.

Anfang der 1990er Jahre kam es zum Beispiel im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zu erheblichen Preisschüben vor allem bei den Mieten in den neuen Bundesländern, die zu einer Teuerung von 2,2 Prozent beitrugen. Diesen Einmaleffekt mussten auch die Statistiker einräumen.

In den letzten sechs Jahren der D-Mark stiegen die Preise mit durchschnittlichen 1,4 Prozent pro Jahr nur sehr moderat.

Die Preise in der Euro-Bargeldzeit legten dagegen pro Jahr im Durchschnitt um 1,6 Prozent zu. Heizöl und Kraftstoffe verteuerten sich bis November 2011 um bis zu 85 Prozent. Die Strompreise stiegen um 66 Prozent. Stabilisierend wirkten unter den Konsumausgaben jetzt die Mieten, die insgesamt nur um 12 Prozent zulegten.

Damit die Euro-Inflation doch noch unter die Teuerung der D-Mark-Zeit sinkt, wird der Zeitraum 1948 bis Ende 2001 ins Feld geführt. Laut den Statistikern lag die Inflation damals im Jahresdurchschnitt bei 2,6 Prozent und damit höher als in der Euro-Bargeldzeit.

Diese Inflationsrate ist aber von Einmaleffekten geprägt, wie der dramatische Aufschwung mit einer Arbeitslosenquote von unter einem Prozent im Wirtschaftswunderland Deutschland oder die überdurchschnittlichen Preisanstiege von bis zu sieben Prozent in einem Jahr während der Ölkrisen und dem zweiten Golfkrieg.

Um Euro und D-Mark glaubhaft vergleichen zu können, müssten sämtliche Einmaleffekte, wie Wirtschaftswunder, Ölkrise, Wiedervereinigung, zweiter Golfkrieg, Euro-Krise und Rezession herausgerechnet werden, für die eine Währung nun wirklich nichts kann.

Letztlich können wir davon ausgehen, dass die um Einmaleffekte bereinigte Inflationsrate in Deutschland seit der Euro-Einführung höher liegt als zu D-Mark-Zeiten.

Warum präsentiert das Statistische Bundesamt eine solch wohlwollende Auswertung zur Gemeinschaftswährung mitten in einer heftigen Euro-Diskussion?

Foto: Images_of_Money / CC



{ 1 comment… add one }

  • Stefan Dezember 17, 2011, 11:17

    Letztendlich verstehe ich immer noch nicht, was an moderater (sagen wir unter 10% p.a.) und einigermaßen konstanter Inflation schlimm sein soll.
    Wer Geld verleiht richtet sich entsprechend danach und verlangt höhere Zinsen. Und es steigen ja nicht nur die Preise, sondern auch die Löhne. Natürlich kann es sein, dass die Löhne weniger steigen als die Preise. Aber das geht auch ohne Inflation sehr gut, wenn die Preise konstant bleiben aber die Löhne fallen.

    Was weit schlimmer ist, ist denke ich eine stark schwankende Inflationsrate. Wer bei einer Inflation von 4% p.a. sein Geld langfristig zu 6% p.a. verleiht, wird sich ziemlich ärgern, wenn die Inflationsrate plötzlich auf 10% p.a. steigt. Eine Vermögensumverteilung von Kreditgebern zu Kreditnehmern ist dann die Folge.
    Aber auch ein Fallen der Inflationsrate hätte eine Vermögensumverteilung zur Folge: würde die Inflationsrate in o.g. Beispiel auf 0% fallen, wäre eine Umverteilung der Kaufkraft von Kreditnehmern zu den Kreditgebern die Folge.

    In so fern ist meine Schlussfolgerung, dass nicht eine Inflation an sich eine ungerechte Vermögensumverteilung bewirkt, sondern eine nicht prognostizierbare, also stark schwankende Inflation.

    Ziel der Politik sollte daher meiner Meinung nach nicht eine möglichst niedrige Inflationsrate, sondern vielmehr eine (zumindest mittelfristig) möglichst konstante Inflationsrate sein.

    Diesem Ziel hat sich die EZB mit einer Inflationsrate von unter aber nahe 2% ja verschrieben, was ich sehr gut finde. Ob sie dieses Ziel langfristig erreicht werden wir sehen…

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