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Afghanistan – Kampf um seine Schätze

Hamid_Karzai_World_Economic_Forum_2008Die letzte Schlacht ist noch nicht geschlagen, der Donner der Kanonen noch nicht verhallt, doch schon tobt in Afghanistan einer neuer Krieg – der Kampf um Aufträge, Bodenschätze und Marktanteile.

Afghanistan, ein Land nur wenig kleiner als der US-Bundesstaat Texas, hat rund 30 Millionen Einwohner. Die Sommer sind heiß, die Winter eisig. Niederschläge gibt es kaum. Ohne nennenswerte Industrie zählte das Land am Hindukusch bislang zu den Agrarländern. Zerrüttet durch Kriege gegen immer neue Besatzungsversuche ist heute Opium der einzig zu erwähnende Exportschlager afghanischer Bauern. Noch während die ISAF, die internationale Schutztruppe, ihren Kampf gegen Drogenanbau und von Pakistan aus operierende Taliban fortsetzt, wird bereits an vielen Stellen des Landes geplant, geforscht und gegraben.

So wurde im Jahre 2006 der seit langem geplante Bau der Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-India-Pipeline (TAPI) beschlossen. Die Kosten des Projekts werden inzwischen auf 7,6 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Federführend in der Koordinierung ist die Asian Development Bank (ADB). Für den Bau zeichnet die britische Firma Penspen verantwortlich. Die Rohre von 1,42 Metern Durchmesser sollen künftig pro Jahr 33 Milliarden Kubikmeter Erdgas mit einem Druck von 100 Atmosphären über eine Strecke von 1.680 Kilometern von den Dovetabat-Lagerstätten in Turkmenistan nach Fazilka an der Grenze zwischen Indien und Pakistan befördern, wie die Afghanistan Investment Support Agency (AISA) mitteilt.

Zudem wühlen sich ganze Armeen von nationalen und internationalen Wissenschaftlern und Minen-Spezialisten im Auftrag der Großkonzerne wie Maulwürfe durch afghanische Erde auf der Suche nach Öl, Gas, Kohle oder Kupfer. Bei der Erfassung und Katalogisierung arbeitet die afghanische Regierung eng mit der Britisch Geological Survey und der U.S. Geological Survey zusammen.

Die gewaltige Aynak-Mine befindet sich 35 Kilometer südöstlich von Kabul. Hier lagern riesige Kupfervorkommen, rund 240 Millionen Tonnen mit einem Marktwert von 2 Billionen US-Doller. Aynak wird durch die MCC-JCL Aynak Minerals Company eine Projekt-Gesellschaft der Metallurgical Corporation of China (MCC) entwickelt, welche bereits im November 2007 den Zuschlag dafür erhielt. Der Abbau soll im Jahr 2013 beginnen.

Afghanistans Präsident Hamid Karzai wird derweil nicht müde, weltweit nach Investoren zu suchen und neue Projekt anzukurbeln. Sein Land könnte sich selbst ernähren. Allein es fehlt an Geld und Know-How, um seine Bodenschätze zu heben.

In der Provinz Bamiyan liegt die Hajigak-Mine, mit geschätzten 60 Milliarden Tonnen eines der reichsten Eisenvorkommen Afghanistans. Deren Vermarktung soll jährlich 3 Milliarden US-Dollar in die leeren Kassen der Regierung spülen. Hier sind 50.000 neue Arbeitsplätze geplant. Sieben asiatische Unternehmen bewerben sich derzeit, davon fünf aus Indien, eines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und die Metallurgical Corporation of China. Letztere kennen wir ja schon. Die Arbeiten an der Mine sollten bereits im Jahre 2009 beginnen. Der Termin für den Zuschlag wurde seit 2008 jedoch immer wieder verschoben.

Die Liste ließe sich wohl endlos fortsetzen. Immerhin liegen in Afghanistan rund 200 Minen brach, deren Schätze, darunter auch Kohle und Schwefel, auf ihre Ausbeutung warten. Die älteste davon ist die Sar-i-Sang-Mine im nördlich gelegenen Kocha-Valley, wo seit über 6.000 Jahren der wertvolle blaue Schmuckstein von weltweit bester Qualität, der Lapis Lazuli abgebaut wird.

Wir sind noch nicht fertig! Historisch betrachtet, liegt Afghanistan an der alten Seidenstraße. Der legendäre 2.000 Jahre alte Handelsweg führt von China über den Pamir, den Orient ans Mittelmeer und nach Europa. Jeder kennt die mit ihr verbundenen großen Namen Samarkand oder Buchara durch die Geschichten “Tausendundeine Nacht”. Die alte Seidenstraße erlebt derzeit in Ländern, wie China oder Usbekistan ihre Renaissance. Auf Touristen, die sich für Geschichte und Kultur aus Jahrtausenden interessieren, warten Hotels und Touren entlang der alten Seidenstraße. Ein Potenzial, das in Afghanistan noch schlummert, von seinen wunderschönen blauen Seen ganz zu schweigen.

Foto: Remy Steinegger / World Economic Forum / CC



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