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Desertec – Kosten für Europa und Jobs in die Wüste?

Anfangs wurde Desertec von den Medien nahezu euphorisch gefeiert. Strom aus der Wüste klingt schon verlockend und ökologisch erstrebenswert. Dann entdeckten Kritiker die immensen Kosten, mögliche politische Probleme und auch technologisch scheint das Projekt bislang auf Sand gebaut. Die dramatischen ökonomischen Auswirkungen auf Europa wurden bislang komplett ausgeblendet.

Desertec ist ein Zusammenschluss von 12 Grosskonzernen, darunter Siemens, Münchener Rück, Deutsche Bank, E.ON, RWE, ABB, mit dem Ziel in Afrika Solarkraftwerke zu bauen und den dort erzeugten Strom nach Europa zu transportieren, was in Zeiten von Klimawandel und Streit um Kohle- und Kernkraftwerke eigentlich ganz vernünftig klingt. Wenn da nicht der fade Beigeschmack der Beteiligung von Finanz- und Energieriesen wäre.

Kosten für Europa
Desertec soll bis zum Jahre 2050 die stolze Summe von 400 Milliarden Euro verschlingen, schätzt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). So wurden schon jetzt Rufe nach Förderungen laut. Zunächst soll der Steuerzahler eine Milliarde Euro locker machen, als Anschub sozusagen. Da ist noch Luft nach oben, auch weil Grossprojekte sich bislang immer durch Kostenexplosionen auszeichneten. Dann würde der Strom von Afrika – im Gespräch ist unter anderem Ägypten – natürlich nicht nur transportiert, sondern knallhart nach Europa exportiert. Will heissen, Europa müsste den Strom teuer einkaufen und wir Bürger würden ihn bezahlen. Damit stellt sich die Frage: Was hätten wir davon?

Jobs in der Wüste
Nun braucht niemand zu glauben, dass unsere 12 Energie-Apostel mal eben in Ägypten oder anderswo antanzen und mit europäischen Arbeitskräften ohne Gegenleistung ihre Solarkraftwerke bauen und betreiben könnten. Neue Jobs würden vor Ort geschaffen, was grundsätzlich für Afrika gut wäre, nur leider für Europa nicht. Je weiter Desertec voranschreitet und Strom in den europäischen Markt drückte, um so mehr Arbeitsplätze würden bei uns im Energiesektor wegbrechen, auch bei erneuerbaren Energien.

Knallhart kalkuliert
Zudem würden unsere Grosskonzerne in der Wüste nicht einfach eine Filiale eröffnen und Gewinne mit Ausgaben mixen. Der bessere Weg wäre und den werden sie vermutlich finden, wenn Tochterfirmen vor Ort ihre Gewinne mit niedrigen Arbeitskosten erzielten, dort auch versteuerten und im Gegenzug Europa zahlte und förderte.

Ein Stück weniger Unabhängigkeit
Europa wollte eigentlich aus politischen und ökonomischen Gründen von Energieimporten unabhängig werden. Desertec stünde auch dem entgegen. Änderte sich irgendwo auf den Tausenden von Kilometern zwischen Afrika und Europa die politische Lage oder käme ein Sandsturm auf, dann ginge bei uns das Licht aus.

Fazit
Schlussendlich ist zu erwarten, dass Desertec aus heutiger Sicht die finanzielle Last auf den europäischen Markt verteilen würde, während die Gewinne in die Taschen der Betreiber wanderten. Wenn in Afrika Jobs geschaffen würden, wäre das wirtschaftlich und politisch sinnvoll. Jedoch sollte der in afrikanischen Staaten erzeugte Strom in erster Linie der klimafreundlichen Energieversorgung vor Ort dienen. Aber ob sich Desertec dann noch so rechnet, wie es unsere Grosskonzerne gerne hätten?



{ 1 comment… add one }

  • Fabian Juli 28, 2009, 07:42

    DA bleibt wirklich abzuwarten, wie sich die ganze Sache tatsächlich entwickelt und wer aus diesem Projekt tatsächlich seine Vorteile ziehen kann. Im Grunde finde ich die Idee allerdings gar nicht so schlecht, dennoch sollte man sich nicht nur auf diese großen Projekte konzentrieren.

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