≡ Menu


Die EZB-Leitzinserhöhung ohne Not bedroht Europas Konjunktur

Die heutige Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) war ein Hüftschuss aus Panik, weil die jüngsten Preissteigerungen globale und nicht hausgemachte Ursachen haben. Die Inflationsängste der EZB gefährden die Konjunktur in Europa. Die Anhebung des Leitzinses ist knallharte Klientelpolitik wider aller wirtschaftlicher Vernunft.

Preisexplosionen durch Lebensmittel-, Energie- und Rohstoffknappheit auf dem Weltmarkt, Katastrophe in Japan, starke konjunkturelle Divergenzen in den Euroländern, drohender Dominoeffekt bei den Schuldnerstaaten und jetzt macht die EZB auch noch das Geld teurer.

Der “Stern” schreibt heute, das billige Geld müsse wieder vom Markt, weil sich Unternehmen sonst Investitionen leisten, die sich sonst nicht lohnen. Sie würden bei niedrigen Zinsen eher ein Auto oder eine Maschine kaufen.

Dass Unternehmen bei niedrigen Zinsen auch eher Arbeitnehmer einstellen, käme der Wahrheit schon näher.

Denn nur Investitionen schaffen nachhaltig Arbeitsplätze. Wer die aber durch sinnfreie Verteuerung des Geldes verhindert, fördert Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut.

Wem nützt eigentlich eine harte Währung?

Doch nur denen, die sie besitzen. Die Masse in Europa ist das nicht. Die EZB betreibt hier knallharte Klientelpolitik auf den Schultern der Sozialschwachen.

In Deutschland ist die Konjunktur (noch) robust. Leider sind wir derzeit von 27 Euroländern die einzigen, die sich an einer soliden Wirtschaft erfreuen können.

Ob EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor seinem Zinsschritt auch mal nach Süden geblickt hat? In Spanien, Griechenland, Portugal, Italien oder Irland mussten die Volkswirtschaften schon vorher mit explodierenden Rohstoff- und Energiepreisen sowie rigiden Sparprogrammen kämpfen. Jetzt kommen noch steigende Zinsen hinzu.

Dabei handelte die EZB ohne Not. Trichet macht hier Dienst nach Vorschrift. Steigt die Inflationsrate über zwei Prozent, müsse man mit steigendem Leitzins gegensteuern.

Was der Notenbankchef dabei übersieht, die Preissteigerungen sind diesmal eben kein Indikator dafür, dass es der EU zu gut geht. Die Preise ziehen an, weil weltweit Rohstoffe, Energie und Nahrungsmittel knapp werden, die Weltbevölkerung explodiert und Länder, wie China und Indien, mit uns um Ressourcen konkurrieren. Mit einer hausgemachten Lohn-Preis-Spirale, wie die EZB es heute suggerierte, hat das gar nichts zu tun.

Ob Trichet mit seiner neuen Geldpolitik die aufgrund von Ressourcenknappheit weltweit explodierenden Lebensmittel-, Energie- und Rohstoffpreise in den Griff bekommt?



{ 1 comment… add one }

  • Thomas April 9, 2011, 16:35

    Und das war möglicherweise erst der Anfang – gibt ja schon die ersten Prognosen für 1,75-2,00% bis zum Jahresende. Und das ganze betrifft ja nicht nur Investitionen/Arbeitsplätze, sondern belastet auch die überschuldeten Staaten noch stärker …

Leave a Comment

banner