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Finanzkrise: 5 + 3 Punkte zur Stabilisierung von Finanzsystem und Wirtschaft

Da die Kreditwirtschaft sich noch nie um Appelle der Politik und um Moral gekümmert hat und sogar Gesetze umgeht, Regeln verwässert und sich Kontrollen entzieht, muss der Staat zum Schutze von Wirtschaft und Bürgern vor institutionellen Klumpenrisiken sowie zur Steuerung des Bankenmarktes konsequent eingreifen. Hierfür hätte er folgende Möglichkeiten:

Begrenzung der Vergabe von Banklizenzen nach Markterfordernissen
Dies würde den übersättigten Bankenmarkt entschlacken und verbleibende Institute durch höhere Gewinnmargen wieder profitabel machen. Der Markt ist durch die Geldinstitute der öffentlichen Hand (Sparkassen, Volksbanken) mit ihrem flächendeckenden Fillialnetz schon jetzt besser versorgt, als durch die lückenhafte profitorientierte Nichterreichbarkeit der Privatgeschäftsbanken. Wenn ein privates Geldhaus sich am Markt versuchen will und dies im gehobenem Bankgeschäft bei exklusiver Betreuung für handverlesene Kunden schafft, bitte sehr. Aber nicht um jeden Preis und nicht zu Lasten von Wirtschaft und Steuerzahler.

Nicht marktfähige Geldinstitute verlieren ihre Lizenz und werden geschlossen
Sie erhalten auch keine Subventionen, sondern gehen in die Insolvenz wie es sich für ein marodes Unternehmen gehört. Die Lizenz wird bis auf weiteres und ohne Prüfung der Marktsituation nicht neu vergeben.

Keine Fusionen, Übernahmen und Beteiligungen von Banken untereinander und an Unternehmen der Wirtschaft
Damit würde die Konzentration von “systemischen” Risiken und gefährlichen wirtschaftlichen Verflechtungen minimiert. Die Geldinstitute sollen sich auf ihr Geschäft konzentrieren und nicht Monopoly spielen.

Keine Ausleihung von Geld durch Banken untereinander
Banken können sich über Anleger und Investoren (Sichteinlagen, Schuldverschreibungen) und über die EZB mit Kapital versorgen. Eine wirtschaftliche Verflechtung von Geldinstituten durch Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse untereinander ist, wie wir wissen, ein Risiko für Wirtschaft und Gesellschaft. Als Puffer für Schwankungen dienen Eigenkapital, EZB-Einlagen und EZB-Kredite.

Abtrennung des traditionellen Aktiv-Passiv-Geschäfts mit Auflösung der wirtschaftlichen Verbindungen zu anderen Divisions
Das klassische Bankgeschäft, also Anlage- und Kreditgeschäft, gehört von Bereichen, wie Investment Banking, Wealth Management oder Emission und Vertrieb von Finanzprodukten (Derivate, Versicherungen, Bausparverträgen) wirtschaftlich getrennt. Damit würden Quersubventionen vermieden und ein Ertragseinbruch eines Geschäftsbereiches würde sich nicht auf andere auswirken, insbesondere nicht auf die Geldströme zwischen Bank und Wirtschaft.

Refinanzierung erfolgt laufzeitkongruent oder aus Eigenkapital
Zwischen Kreditausreichung und der ordentlichen Refinanzierung können Tage oder Wochen vergehen. Es treten ausserplanmässige Zinsdifferenzen auf, die der Kreditkunde bzw. die Anleger zu tragen hatten. Als Folge kommt es zu Unregelmässigkeiten in der Liquiditätsausstattung (siehe Depfa). Muss jedoch für die Zeit bis zur ordentlichen Refinanzierung das Eigenkapital haften, sind weitere Kreditausreichungen solange blockiert, bis die Refinanzierung steht. Damit wird die Bank zum vernünftigen Wirtschaften und der zeitnahen Regelung solcher offenen Refinanzierungen gezwungen.

Erhöhung der Eigenkapitalquote auf mindestens 30 Prozent
Eigenkapital hilft Krisen und Marktschwankungen abzufedern. Je mehr desto besser. Es erhöht den Substanzwert und erinnert die Anteilseigner, dass das Unternehmen ihnen und nicht dem Management gehört. Banken müssen nicht nur für Anlagekunden sondern ebenfalls für ihre Aktionäre wieder zu einer “sicheren Bank” werden. Wer schnelles Geld verdienen will, investiert sein Kapital besser in Unternehmensneugründungen. Damit wäre der Wirtschaft ebenfalls geholfen.

Keine Syndizierungen, sprich: Verkauf von Krediten – Kreditgeber haften für ihre Risiken selbst
Die Unterlegung von Kreditrisiken mit 8 Prozent Eigenkapital hatte zur Folge, dass Kreditinstitute ihre Kredite bündelten, verkauften und sich so zu industriellen Kreditfabriken ohne Verantwortung für die eingegangenen Risiken degradierten. Durch Eigenverantwortung für Kredite werden die Institute wieder gezwungen, ihre Risiken selbst zu steuern und diese nur dann einzugehen, wenn es das Eigenkapital erlaubt. Zudem werden Kreditkunden vor Missbrauch durch Investmentgesellschaften geschützt.

Die Umsetzung der Massnahmen würde zum einen Wirtschaft und Gesellschaft stabilisieren und zum anderen durch Erhöhung der Kreditmargen eine bessere Risikovorsorge bedeuten. Dies hätte zur Folge, dass Banken als Unternehmen allgemein gestärkt würden, die Einlagen sicherer und Kreditausfälle leichter zu kompensieren sind. Die Kreditvergabe würde sich künftig nicht nur an der Liquidität des Marktes und der Kreditinstitute orientieren, sondern auch wieder an Ertrag und Risiko. Kredite muss sich der Kunde leisten können. Sie sind weder zur Insolvenzverschleppung noch für die Erhöhung des Lebensstandards geeignet.

Wer Investment Banking oder ein Büro für Börsenwetten betreiben will, kann das abseits der Wirtschaft und mit risikofreudigen Kunden gerne tun. Einen dubiosen Mix von wirtschaftlich untereinander abhängigen Geldinstituten und Zweckgesellschaften mit grossflächiger Verteilung von Risiken und Verlusten bei Konzentration der Gewinne auf einzelne darf es künftig nicht mehr geben!



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