≡ Menu


Griechenland-Pleite: Folgen wären beherrschbar

Die Folgen einer Pleite Griechenlands sind weniger dramatisch als derzeit von Bank- und Wirtschaftslobbyisten propagiert. Die Verluste aus griechischen Staatsanleihen haben Versicherungen und Banken längst in ihren Büchern abgeschrieben. Griechenland würde entlastet. Die deutsche Wirtschaft wäre kaum betroffen.

Griechische Staatsanleihen notieren derzeit bei 30 bis 40 Prozent ihres Rückzahlungskurses. Damit sind die Folgen einer notwendigen Insolvenz Griechenlands in den Anleihekursen bereits eingepreist. Banken und Versicherungen haben ihre Verluste längst in den Büchern oder ihre Anleihe-Portfolios bereinigt. Daher konnte Allianz-Chef Michael Diekmann auch Ende Juli 2011 mal eben einen Schuldenschnitt von 50 Prozent ins Gespräch bringen. Wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ebenfalls für einen Haircut von 30 Prozent plädiert, schielt er natürlich auf uns Steuerzahler. Wir mögen seine Bilanz vielleicht doch noch etwas aufhübschen. Eine ernsthafte Bedrohung durch Griechenland ist für den deutschen Bankensektor nicht erkennbar.

Deutschlands Banken haben seit der Finanzkrise zudem etwas Speck ansetzen können. Zum Beispiel stieg die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank nach eigenen Angaben von 1,45 Prozent Ende 2008 auf 2,64 Prozent Ende 2010.

Ein Domino-Effekt ist also von dieser Seite her nicht zu erwarten.

Bei griechischen und französischen Banken muss man erst einmal sehen, wie sehr sie wirklich durch eine griechische Zahlungsunfähigkeit belastet wären. Im Vorfeld wilde Ängste zu schüren und nach uns Steuerzahlern zu rufen, ist schlicht Wegelagerei.

In der deutschen Wirtschaft wäre ein vorübergehender Zusammenbruch des hochverschuldeten Mittelmeerlandes kaum zu spüren. Laut Statistisches Bundesamt belegte Griechenland im Jahre 2010 unter unseren Exportpartnern mit einem Anteil von nur 0,61 Prozent Platz 33. Bei den deutschen Importen liegen die Hellenen mit 0,24 Prozent auf Platz 45.

Auch bedeutet eine geordnete Insolvenz noch lange keinen Zahlungsausfall oder gar eine Katastrophe. Sie zwingt zunächst lediglich Schuldner und Gläubiger an den Verhandlungstisch. Dann kann über Schuldenerlass, Zahlungsaufschub und Sanierung verhandelt werden. Die Insolvenz schützt zudem Griechenland vor allzu gierigen Gläubigern. Der Staatshaushalt würde entlastet.

Aber der griechische Staat würde an den Finanzmärkten kein überteuertes Geld mehr erhalten und könnte zumindest vorübergehend weder Gehälter noch Subventionen zahlen – auch nicht an korrupte Beamte.

Wie die Bevölkerung die Staatspleite aufnehmen wird, ist derzeit ungewiss. Hier kann aber die EU helfen und Härten abfedern.

Zu einer europaweiten Wirtschaftskrise wird es nicht kommen. Griechenland hatte laut EU-Kommision in 2008 am Bruttoinlandsprodukt (BIP) Europas nur einen Anteil von 2,6 Prozent.

Bei dem dringend notwendigen Schuldenschnitt blieben jedoch Börsenzocker und Spekulanten natürlich auf einem Teil ihrer Verluste sitzen. Aber schließlich haben sie auch gerne die fetten Zinsen eingestrichen.

Der Vorteil einer Griechenland-Pleite wäre zudem, dass Europa endlich ein Insolvenzrecht für Staaten bekäme. Das würde die Panik aus den Finanzmärkten nehmen und das derzeitige Chaos in der Schuldenkrise beseitigen. Auch wenn Deutschland dann seine verbürgten 225 Milliarden Euro an Banken und Versicherungen bezahlen müsste, wäre doch ein Ende mit Schrecken letztlich für uns alle billiger als ein Schrecken ohne Ende.

Kurz gesagt, die Folgen einer Pleite Griechenlands wären weit weniger dramatisch als die Bank- und Wirtschaftslobbyisten uns immer wieder weismachen wollen. Eine Staatspleite bietet mehr Vorteile als Nachteile auch für uns Steuerzahler.



{ 1 comment… add one }

  • reiner tiroch Mai 16, 2012, 09:38

    ökonomen berechneten vor 1 jahr, dass die pleite GR auf 2 Billionen € kommt, was schnell aus dem net genommen wurde. heute erzählt man uns was von 70 Mrd Kosten und die Folgen einer Pleite sind beherrschbar? ihr ***!!!

Leave a Comment

banner