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Griechenland: Pleite ist richtig und notwendig

Die Griechenland-Pleite ist Europas einzige Chance, weil sie der Regierung in Athen den Ernst der Situation klar macht. Zudem würden die Gläubiger an den Verhandlungstisch gezwungen und den Finanzmärkten ihre Grenzen aufgezeigt. Wir Steuerzahler wären entlastet.

Griechenland kann nicht gerettet werden. Trotz drastischer Sparmaßnahmen hat die griechische Regierung im ersten Halbjahr 2011 bereits 14,7 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen. Geplant waren insgesamt 16,7 Milliarden Euro für das gesamte Jahr. Die griechische Schuldenlast beträgt jetzt 350 Milliarden Euro oder 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Deutschland ist mit 80 Prozent seines BIP verschuldet.

Zudem bürgt Deutschland inzwischen mit der unvorstellbaren Summe von 225 Milliarden Euro, um den Hellenen günstige Zinsen zu verschaffen. Das sind fast drei Viertel des deutschen Bundeshaushalts 2011. Kann Athen aber trotz Sparpläne und niedriger Zinsen nicht aus eigener Kraft aus seiner Schuldenkrise wachsen, dann wird Deutschland diese Summe zahlen müssen. Ein Ende ist aber danach noch immer nicht in Sicht. Auf die sogenannten Netto-Zahler, wie Finnland, Deutschland oder Frankreich, könnten künftig noch weit höhere Belastungen zukommen. Wir alle sind verschuldet und Italien, Irland oder Spanien haben ebenfalls Probleme. Jeder Rettungsversuch belastet auch unsere Bonität. Eine Rating-Abstufung Frankreichs oder gar Deutschlands hätte für Europa verheerende Folgen, weil dann die Zinsen für alle steigen und die Finanzierung der Rettungspakete in Gefahr gerät. Zudem würde dadurch die Wirtschaft der Geberländer extrem belastet, was die Einnahmen gefährdet. Das kann nicht im Sinne Europas sein.

Des Weiteren haben Gläubiger, wie Versicherungen und Banken, die Kursverluste der griechischen Staatsanleihen längst in ihren Büchern abgeschrieben. Daher konnte Allianz-Chef Michael Diekmann im Vorfeld des Gläubigertreffens Ende Juli dieses Jahres von sich aus einen Schuldenschnitt (Haircut) in Höhe von 30 Prozent ins Gespräch bringen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hätte sogar mit 50 Prozent leben können. Die Regierungschefs der Euroländer einigten sich hingegen auf 21 Prozent. Ein Sommermärchen für die Finanzbranche auf Kosten Europas Steuerzahler.

Auch ein Bombengeschäft für Börsenzocker und Spekulaten. Die Kurse griechischer Staatsanleihen notieren aktuell zwischen 30 und 40 Prozent ihres Rückzahlungskurses. Bei Fälligkeit schuldet Griechenland 100 Prozent. Ein Schuldenschnitt von 21 Prozent würde noch immer eine Rückzahlung von 79 Prozent des Nominalwertes bedeuten. Das entspräche einer steuerfinanzierten Rendite von mindestens 100 Prozent. Ist das im Interesse Europas?

Eine Pleite Griechenlands könnte die gesamte Klüngelei zwischen Politik und Finanzmärkten beenden und die griechische Regierung zur Ordnung rufen. Das ist längst überfällig. Eine geordnete Insolvenz der Hellenen würde sich zudem kaum auf ihre Anleihekurse auswirken, weil die Zahlungsunfähigkeit bereits eingepreist ist. Griechenland könnte aber mit seinen Gläubigern auf Augenhöhe verhandeln und wir Steuerzahler würden entlastet. Deutschland müsste wahrscheinlich zunächst die aktuell verbürgten 225 Milliarden Euro an Banken und Versicherungen bezahlen. Das ist aber immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende mit weiter explodierenden Kosten und letztlich der Zerstörung des Euro.



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