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Kaufen wir den US-Dollar?

Die EZB wird intervenieren, meinen Robert von Heusinger und Wirtschaftsweise Peter Bofinger

Die Stimmen mehren sich, dass der US-Dollar bald den Boden erreicht haben wird. Der Dollar ist mit 1,48 Dollar je Euro ungesund schwach. Die Kaufparität läge zwischen 1,08 und 1,20 Dollar je Euro meint Robert von Heusinger. Der Euro hat seit 2000, seit den Interventionen der EZB, eine satte Performance hingelegt, nämlich von 0,82 auf 1,48 Dollar je Euro und die Dynamik scheint sich noch zu steigern. Allein in 2007 legte der Euro gegenüber dem Dollar um 11 Prozent zu. Die Stärke des Euro wird für die Konjunktur im Euro-Raum gefährlich. Die Export-Industrie ist gezwungen, ihre Verluste aus dem Dollar-Verfall auf Investitionen und Löhne umzulegen. Die Folge wären das Sinken der Kaufkraft im Binnenmarkt und Aufgabe von Standorten in Europa, was wiederum über Stellenabbau auf das Kaufverhalten durchschlägt. So sieht sich der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS durch die anhaltende Dollar-Schwäche längerfristig existenziell bedroht und plant inzwischen sogar, Teile seiner Produktion in die USA zu verlagern. Die Frage wird also beim weiteren Dollar-Verfall nicht sein, ob – sondern wann die EZB beginnt, gegenzusteuern. Zudem ist die Stimmung allgemein gegenüber dem Dollar negativ. Was bedeutet, dass sich derzeit auch die letzten Shorties im Dollar engagieren.

Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht in der Aufwertung des Euro auch gegenüber dem Yen bei abkühlender Nachfrage auf dem Weltmarkt eine neue Qualität und glaubt, dass die Auswirkungen eines weiteren Anstiegs des Euros durch die hohen Auftragsbestände der Export-Industrie deren Wettbewerbsfähigkeit noch nicht schwächt, wohl aber dann beim Abschluss neuer Verträge. Die Praxis sieht leider anders aus. Wenn ein Export-Vertrag auf Basis von 1,30 Dollar je Euro geschlossen wurde und danach zu 1,48 Dollar je Euro erfüllt werden muss, dann bedeutet dies, dass letztlich weniger Euro eingenommen werden. Es bedeutet, dass der Wert der Kosten in Euro steigt und der Wert der Einnahmen in Dollar sinkt. Bestes Beispiel ist derzeit Airbus mit seinen Verlusten trotz hoher Auftragsbestände. Die Auswirkungen drücken also nicht erst mit neuen Verträgen sondern schon seit längerem auf die Ergebnisse.

Bofinger geht des Weiteren davon aus, dass die EZB im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit Europas am Weltmarkt intervenieren muss, genauso wie andere Länder es tun. Sie könne das, auch ohne eine Inflation im Euro-Raum zu beschwören.

Zurück zu Heusinger: Er hat gewettet, dass Dollarkäufe in drei Jahren ein gutes Geschäft seien. Ich bin gespannt!

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