≡ Menu


Umfrage: Die Banken der Zukunft

3492004106_c252277378_bklBei Blick Log bin ich über eine Umfrage von Social Banking 2.0 “Wie soll die Bank der Zukunft aussehen?” gestolpert. Eine interessante Sache, wie ich meine. Deshalb hänge ich mich einfach mit rein und versuche, die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten und gehe dabei von Privatgeschäftsbanken aus:

1. Was stört Sie an den Banken, so wie sie derzeit funktionieren, am meisten?
Banken, wie wir sie heute kennen, sind stark gewinnorientierte Unternehmen. Sie arbeiten mit ihren Kunden nur dann zusammen, wenn ein Geschäft Profit verspricht. Heutige Banken fühlen sich dabei eher ihren Aktionären als ihren Kunden verpflichtet. Die Folgen sind dramatisch. Filialnetze schrumpfen, persönliche Betreuung und Beratung wird reduziert und der Kunde kommuniziert vorrangig mit Internet und Service-Terminals. Ältere Menschen haben kaum mehr eine Chance, ihre Bank noch persönlich zu erreichen. Handelt es sich dabei auch noch um eine klassische Privatgeschäftsbank mit Filialnetz, bleiben die Kosten für den Kunden unverändert hoch. Die Banken verlagern ihre Aufgaben und ihren Service auf die Kunden, aber geben Kostensenkungen nicht weiter. Beispiel wäre der Preisunterschied im Wertpapierhandel zwischen Privatgeschäftsbank und Online-Broker. Hinzu kommt der Unsinn mit Kreditverkäufen. Banken gehen Risiken ein und stehlen sich durch Verkäufe wieder aus ihrer Verantwortung. Die Kunden haben das Nachsehen, sobald der Investor, welcher die Kredite erwarb, Kasse macht, die Zinsen erhöht oder Kredite kündigt und vollstreckt. Des Weiteren sind Banken mit einer lächerlichen Eigenkapitalquote, wie zum Beispiel die der Deutsche Bank (1,4 Prozent), für Anleger, Kreditkunden und Gesellschaft ein erhebliches Risiko. Ich würde dort mein Geld sofort abziehen und alle Konten schliessen.

2. Wie stellen Sie sich eine kundenfreundliche Bank auf Höhe der Zeit vor?
Zunächst müssen Bankmitarbeiter und -manager wieder lernen, dass der Kunde ihr Gehalt zahlt und nicht der Steuerzahler. Der Kunde muss im Gegenzug akzeptieren, dass es Service für lau nicht gibt. Banken müssen ihre Risiken selbst managen und begreifen, dass Grösse allein nicht alles ist. Ich verlange von meiner Bank solides wirtschaften und dass sie bei der ersten Brise nicht gleich umfällt. Bankgeschäfte sind kein Selbstzweck sondern Dienst am Kunden. Die kleinen Privatbanken beweisen, dass Josef Ackermann in seinem Rendite-Wahn falsch liegt. Eine moderne Bank muss persönliche Erreichbarkeit mit sinnvoller Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse verbinden. Für alltägliche Bankgeschäfte, wie Zahlungsverkehr oder einfache Geldanlage von Konto A nach Konto B genügt Online-Banking. Wer jedoch 100.000 Euro investieren, ernsthaft ein Vermögen aufbauen oder sein Haus finanzieren will, ist auf solide und persönliche Beratung angewiesen, die erstmal etwas kosten darf, aber sich letztlich auszahlt. Dabei muss der Vertriebsdruck auf die Bankmitarbeiter einer konsequenten Kundenorientierung weichen. Wobei Kundenorientierung auch bedeutet, dass eine Bank ihre “notleidenden Kredite” nicht einfach verkauft, verramscht oder kündigt, sondern gemeinsam mit ihren Kunden nach Lösungen im beiderseitigen Einvernehmen sucht.

3. Wird sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise bei den Banken etwas ändern, oder machen sie weiter wie bisher?
Hier fällt mir der Film “Das Geld anderer Leute” (Other People’s Money) ein, als der Wall Street-Hai Lawrence Garfield (Danny DeVito) der Rechtsanwältin Kate Sullivan, erklärt: “Ihr könnt die Regeln ändern, aber niemals das Spiel stoppen.” Unsere Gesellschaft ist von Egozentrikern in Machtpositionen durchsetzt. Psychologische Studien belegen, sobald Menschen Macht über andere erhalten, nutzen sie diesen Vorteil für sich und gehen dabei teilweise rücksichtslos vor. Niemand kann Gesetze so wasserdicht gestalten und dazu noch durchsetzen, als dass sich nicht doch eine Lücke fände. Im Zweifel kommt das Argument “systemisches Risiko”. Der Staat müsste konsequentes Risikomanagement betreiben, Klumpenrisiken auflösen und die Grösse von Banken als lebenswichtige Säulen der Wirtschaft deckeln. Das einzelne Institut müsste jederzeit ersetzbar sein. Bis dahin sehe ich kaum eine Chance, dass gewinnorientierte Geldhäuser ihre Grösse und Macht aus eigenem Antrieb dem Interesse der Gesellschaft unterordnen. Josef Ackermann als Chef-Lobbyist und Politikberater hat Berlin fest im Griff und ist in Brüssel für seine Interessen sicher auch nicht untätig. Solche Leute wollen sich beweisen. Sie wollen gewinnen. Sie wollen zu den Besten gehören und tun alles, um ihr Ziel zu erreichen. Denen sind Gesellschaft und Aktionäre völlig egal. Es geht dabei weder um Kommunismus oder Verstaatlichung, sondern schlicht um das, was Banken selber ihren Investoren empfehlen – um Diversifikation von Risiken. Ob sich etwas ändert, hängt von der Gesellschaft selbst ab. Zu den Grossbanken gibt es genug Alternativen, wie Privatbankiers, Sparkassen, Volksbanken auch eine Hypovereinsbank und alle die, die nicht am Wall Street-Casino beteiligt waren. Die meisten Bürger benötigen keine Investmentbank mit zugekauftem Privatkundengeschäft. Das erfordert natürlich öffentliche Aufklärung. Bis dahin, sehe ich für eine Besserung der Situation keine Chance. Es wird eher schlimmer. Die Rettung der HRE war eine klare Botschaft: Geht an den Finanzmärkten etwas schief, haftet der Steuerzahler.

4. Brauchen wir überhaupt noch Banken für unsere Geld- und Kreditgeschäfte – oder gäbe es z.B. übers Internet bessere Wege, sich gegenseitig Geld zu leihen oder es gemeinsam anzulegen?
Klares “Ja” für die Banken. Die Aufgabe einer Bank ist es, das ihr anvertraute Geld zu schützen und sinnvoll zu investieren. Sie steuert und überwacht den Kapitalfluss zwischen Investoren und Kreditnehmern. Dabei übernimmt sie gegebenenfalls auch juristische, treuhänderische und vermittelnde Funktionen. Das bedeutet Verantwortung, Fachkenntnis und Erfahrung. Kredithändler im Internet können zwar Anleger und Kreditnehmer an einen Tisch bringen, aber sobald die Angelegenheit etwas komplexer wird – ich denke dabei an den klassischen Gesellschafter/Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH – gehört das Geschäft in das Kreditrisikomanagement einer Bank und nicht in ein “quietschbuntes Online-Portal”. Menschen haben verschiedene Bedürfnisse. Es werden sich immer Märkte auftun und ob alle Angebote sinnvoll sind, ist die andere Frage. Trotz Finanzkrise steht der Begriff Bank bei den meisten Menschen für Sicherheit. Ein Fondsmanager wird sich seine Altersvorsorge selbst zusammenstricken. Ein Immobilienprofi wird sein Eigenheim ebenfalls selbst realisieren können. Aber sie sind nicht die Masse. Die Nichtbanker unter uns, sind auf Beratung und Hilfe angewiesen. Die wenigsten werden neben ihrem Job Zeit und Mühe aufbringen wollen, um sich nebenbei zum Diplom-Kaufmann auszubilden.

5. Wie sozial, ökologisch und unternehmerisch muss die “Bank der Zukunft” sein?
Ich denke Banken könnten auch als Non-Profit-Organisationen ihren Kunden gute Dienste tun. Sobald Geldhäuser zu Unternehmen werden, heisst das, unser Geld fliesst einmal rund um den Globus und bringt hoffentlich 20 Prozent Rendite. Geht dabei etwas schief, sind die Anleger die Dummen. Wo steht geschrieben, dass Banken Gewinne für ihre Aktionäre erwirtschaften müssen? Wichtig ist, dass die Kunden gut versorgt sind und nicht nur die Anteilseigner und Manager. Wenn jemand dabei etwas verdient, o.k.. Ich wollte vor Jahren mal in der Unternehmensstrategie für einer unserer Auslandstöchter verankern, keine Rüstungsunternehmen mehr zu finanzieren. Mein Vorstand fragte mich prompt, ob ich die Firma Walter kenne, es sei doch nur Feinmechanik. Darüber muss man reden. Wie sozial eine Bank sein soll? Nun, als ich in die Hypo eintrat, gab es noch richtige Sozialleistungen für die Mitarbeiter. Nicht nur die übliche betriebliche Altersvorsorge, nein, sondern Zuschüsse für Kinderbetreuung, Behinderungen, Sehhilfen und anderes. Das muss natürlich auch verdient werden. Sozial nach aussen heisst gesellschaftliche Verantwortung. Dazu gehört neben vernünftigem Risikomanagement und fairer Beratung auch der Firmensitz in Deutschland und nicht aus Steuergründen irgendwo am Ende der Welt. Ökologische Verantwortung nach innen wäre sparsames wirtschaften mit Ressourcen (Mitarbeiter sensibilisieren!) und Nutzung ressourcensparender Technik. In den 90er Jahren widmete sich die Bayerische Hypotheken und Wechsel-Bank AG (Hypo-Bank) dem Umweltschutz und jeder unserer 15.000 Mitarbeiter erhielt ein A4-Blatt Papier! mit Empfehlungen. Ich glaube, so etwas muss dann doch nicht sein. Ökologische Verantwortung nach aussen könnte durch Spezialisierung auf Förderungen von Umwelttechnik, Recycling, Forschung und Bildung übernommen werden. Das wäre sicher sinnvoller als die übliche teure Unterstützung von Nachwuchskünstlern, deren Malereien eh keiner versteht (Sorry, Jungs! Ein Gemälde mit einer Leiche auf einem Friedhof und auch noch im Schwarzweiss der 50er Jahre gehört vielleicht in die Pathologie aber nicht in eine Kreditabteilung!).

Ich hoffe, dass ich einiges zu Lothar Lochmaiers Fragen beisteuern konnte und werf die Umfrage auch mal zu FINBLOG.de und WEISSGARNIX rüber.

Foto: garryknight / Flickr / cc



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner