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Zweites Rettungspaket mit Staatspleite soll Griechenland retten

Fast 150 Milliarden frische Euros für Griechenland. Davon 109 Milliarden Euro von EU und IWF. Plus 37 Milliarden von den Banken. Wirtschaftsthemen erklärt das zweite Rettungspaket für die Hellenen und warum ein bisschen Staatspleite notwendig ist:

Politik und Banken-Vertreter haben sich auf dem gestrigen Euro-Sondergipfel geeinigt. Nach achtstündigen Verhandlungen stand das beispiellose zweite Rettungspaket im Gesamtwert von 146 Milliarden Euro. Damit könnte Griechenland weit mehr als ein Drittel seiner Schulden in Höhe von 330 Milliarden Euro sofort abbauen.

Bereits im letzten Jahr wurde Athen mit internationalen Hilfsgeldern in Höhe von 110 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt. Aber dieses erste Rettungspaket reichte nicht aus.

Insgesamt betragen die Hilfen für das hochverschuldete Mittelmeerland jetzt rund 260 Milliarden Euro.

Für das zweite Rettungspaket zahlen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU wieder den Löwenanteil – 109 Milliarden Euro.

Hinzu kommen weitere 37 Milliarden, auf die Gläubiger, wie Banken und Versicherungen, verzichten müssen.

Ohne diesen Selbstverzicht würde der Finanzbranche der Totalverlust drohen.

Die Summe kann aber noch auf 50 Milliarden Euro steigen. Bis zum Jahre 2019 könnte der Anteil der Finanzinstitute sogar auf 106 Milliarden Euro anwachsen.

Eine zusätzliche Bankenabgabe ist nicht vorgesehen.

Technisch wird es seitens Griechenlands zu einem Zahlungsausfall kommen.

Der soll aber auf wenige Tage begrenzt bleiben.

Hintergrund: Banken können nur auf wertlose Forderungen verzichten, deren Bezahlung nicht mehr zu erwarten ist. Andernfalls droht eine Klagewelle der Aktionäre. Solange ein Schuldner aus eigener Kraft oder durch Hilfsgelder zahlungsfähig bleibt, kommt es aber zu keinem rechtlich wirksamen Zahlungsausfall. Daher muss Griechenland für Stunden oder Tage in die Pleite. Erst danach können Banken und Versicherungen ihre 37 Milliarden Euro abschreiben und ausbuchen.

Um die Folgen der Staatspleite auf die Finanzmärkte abzufedern, stellt die EU zusätzliches Geld bereit, wie zum Beispiel 20 Milliarden Euro für griechische Banken.

Weitere 35 Milliarden Euro sind für die EZB vorgesehen. Die Zentralbanker nehmen derzeit griechische Staatsanleihen als Sicherheit, können aber währende der Pleite-Phase nicht die ausgefallenen Papiere akzeptieren.

Zudem sollen die Laufzeiten der Kredite fast vervierfacht werden.

So braucht die griechische Regierung ihre Staatsschulden nicht schon nach 7,5 Jahren sondern erst nach 15 Jahren zurückzahlen. Sogar ein weiterer Zahlungsaufschub von bis zu 30 Jahren ist möglich.

Auch die Zinsen für Griechenlands Schulden sinken drastisch.

Durch das weltweit schlechteste Rating “CCC” müssen die Griechen um derzeit die 15 Prozent für ihre Staatsanleihen zahlen. Der Europäische Rettungsfonds (EFSF) kann künftig griechische Staatanleihen aufkaufen und in billigere Kredite mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent umschulden.

Des EFSF wird aber nicht aufgestockt.

EU will Griechenlands Zuschüsse umverteilen.

Athen bekommt derzeit EU-Hilfen für schwache Regionen. Diese Gelder sollen künftig die griechische Wirtschaft ankurbeln. “Eine Art Marschall-Plan”, meinte Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.

Anleger reagierten positiv.

Nachdem einige Details der Rettungspläne bereits gestern im Laufe des Tages durchsickerten, gerieten die Finanzmärkte aus dem Häuschen. Vor allem Bank-Aktien verbuchten satte Kursgewinne.



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