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BILD-Volks-Versicherung im Test: Der große Rendite-Schwindel

Die BILD-Volks-Versicherung wirbt mit “angenommenen” 7,44 Prozent Rendite pro Jahr. Entsprechend hoch erscheint das Vermögen am Ende der Laufzeit trotz geringen monatlichen Versicherungsbeiträgen. Erträge in dieser Höhe erwirtschaften derzeit noch nicht einmal risikante Börsengeschäfte. Wirtschaftsthemen entlarvt den großen BILD-Versicherungsschwindel:

bild volks-versicherung vpv renditeBILD und Versicherer VPV trommeln emsig für ihre Kapitallebensversicherung, die sogenannte “Volks-Versicherung”. Denn eine Altersvorsorge benötigt in Deutschland schliesslich jeder. Die Frage dabei ist, wie seriös und effektiv eine Kapitalanlage sein kann, wenn man mit deren Abschlussgebühr (Provision) sogar die Boulevard-Presse zu kaufen vermag und die Rendite der Finanzprodukte, in die deutsche Lebensversicherer ihre Kundengelder investieren müssen, das letzte Mal vor 15 Jahren an der 7,0-Prozent-Marke gekratzt hatte, um sich seitdem im freien Fall zu befinden.

Sparplan mit “angenommenen” 7,44 Prozent Rendite?
Hiesige Versicherer müssen mindestens 65 Prozent des ihnen anvertrauten Kapitals in sichere Hypothekenpfandbriefe anlegen. Das verlangt der Gesetzgeber. Bei den meisten Gesellschaften ist der Anteil solcher Pfandbriefe im Portfolio wesentlich höher. Dies drückt zwar auf die Rendite, aber verringert erheblich das Risiko.

Die durchschnittlichen Umlaufrenditen der Hypothekenpfandbriefe lagen gemäß Bundesbank Anfang der 1990er Jahre bei historisch rekordverdächtigen runden 9,0 Prozent. 1995 fielen sie nachhaltig unter 7,0 Prozent. Im Jahre 2002 sahen wir letztmalig die Marke von 5,0 Prozent und heute kämpfen wir mit der Markierung von 3,0 Prozent.

Damit die Hypothekenzinsen in Deutschland aber wieder steigen, müssten mehrere Szenarien zusammen treffen:

  • Die Wirtschaft Europas müsste signifikant wachsen.
  • Eine solide Inflation müsste die EZB zwingen, den Leitzins drastisch zu erhöhen.
  • Ein Bau-Boom müsste die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen in Deutschland quasi explodieren lassen.

Ein starkes Wirtschaftswachstum in Europa sehe ich derzeit nicht. Ebenso dürfte uns in den kommenden Jahren eher die Deflation beschäftigen. Es sei denn, Bundesbank-Chef Axel Weber wird EZB-Präsident und weicht von seiner Politik des stabilen Euros ab. Und von einer explosionsartigen und vor allem nachhaltigen Nachfrage nach Immobilien in Deutschland kann weder durch Wirtschaftswachstum noch durch die demographische Entwicklung ernsthaft ausgegangen werden.

Die durch die Bundesbank angegebenen Renditen beziehen sich auf Einmalanlagen. Wer sein Vermögen erst anspart, muss weitere Renditeeinbußen hinnehmen.

Kosten und Risikoabsicherung
Wenn wir uns über 7,44 Prozent Rendite bei Kapitallebensversicherungen unterhalten, müssen wir vom eingezahlten Geld natürlich vorher Kosten, wie Abschlussgebühr, Verwaltung und natürlich den Anteil der Absicherung des biologischen Risikos abziehen. Eine Risikolebensversicherung für einen 30-Jährigen Mann bei einer Mindestversicherungssumme von 30.000 Euro und einer Laufzeit von 35 Jahren kostet aktuell durchschnittlich 15 Euro pro Monat. Die Abschlussgebühr einer Kapitallebensversicherung beträgt in der Regel 24 Monatsbeiträge. Die Verwaltungskosten der Lebensversicherer liegen im Durchschnitt bei 3,0 Prozent. Auch diese Kosten schmälern unsere Rendite weiter.

Wenn heutzutage die Lebensversicherer noch Netto-Renditen um durchschnittliche 4,2 Prozent melden, dann liegt der Grund in der Hochzinsphase der 1990er Jahre.

Vor diesem Hintergrund mit einer Beispielrechnung zu werben, bei der über 30 Jahre lang monatlich 50 Euro eingezahlt werden (Summe: 18.000 Euro abzüglich Kosten, Risikoanteil und Vermittlungsprovision) und nach 35 Jahren eine Ablaufleistung von fast 80.000 Euro stehen soll, halte ich schlicht für eine Frechheit.

110 Prozent Beitragsgarantie – weit unter Branchendurchschnitt
In Zeiten der Finanzkrise sind Garantien für das Ersparte Gold wert. Wenn aber für über 35 Jahre angelegtes Kapital nur ein Zuwachs von mickrigen 10 Prozent (0,3 Prozent Zinsen p.a.) garantiert wird, dann ist das im Branchenvergleich äusserst dürftig. Gemäss Ino24.de ist derzeit eine jährliche Garantieverzinsung von rund 1,0 Prozent üblich. Rechnen Sie’s nach! Die Branche bietet einen Kapitalzuwachs von 40 Prozent über 35 Jahre.

Die VPV wäre mir als Anleger zu klein
Nach eigenen Angaben betreute die VPV im Jahre 2009 rund 1.700 Versicherungserträge und einen Kapitalanlagenbestand in Höhe von rund 8 Milliarden Euro. Über die Hälfte der Mitarbeiter sind im Aussendienst beschäftigt. Das heisst, die Gesellschaft zahlt Vertriebsprovisionen, was die Erträge schmälert.

Im Vergleich der Kapitalanlagenbestände ist die Allianz Leben mehr als 10-mal so gross. Wenn es schon eine Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge sein muss, dann wäre mein Geld bei einem DAX-Konzern wohl sicherer angelegt.

Wer besonders geizig ist, sollte lieber eine Direktversicherung – ohne teuren Außendienst – wie die Cosmos oder die Europa wählen.

Foto: Screenshot


Dieser Artikel ist Teil 16 von 19 der Serie Ratgeber Geld: Versicherungen - Tipps und Hintergründe



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