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Kreditkarte oder Prepaid Kreditkarte?

3027534098_f568868b9e_bklSind Nutzer von prepaid cards die schlechteren Menschen?

Kreditkarten scheinen in Deutschland die Visitenkarte für Kunden mit guter Bonität zu sein. Die Bank gewährt einen Verfügungsrahmen und die Beanspruchung muss der Karteninhaber zwischen vier Wochen und mehreren Monaten wieder ausgleichen. Wobei teilweise erhebliche Zinsen und Kosten anfallen können. Da bei solchen Karten die Gefahr der Überschuldung und des Missbrauchs besteht, bleiben sie Personen mit negativer Schufa oder Arbeitslosen in der Regel verwehrt.

Prepaid cards (auch: Guthabenkarte) sind für fast alle Zahlungsnetze, wie MasterCard oder VISA, erhältlich und geniessen fast dieselbe Akzeptanz wie Kreditkarten, werden jedoch auf Guthabenbasis geführt. Das heisst, erst Aufladen und dann bezahlen. Zinsen entfallen. Immer mehr Banken geben solche “Prepaid-Kreditkarten” auch an Kunden mit negativer Schufa oder geringem Einkommen aus. Die Gefahr der Überschuldung und des Missbrauchs ist fast ausgeschlossen. Wobei die Betonung auf “fast” liegt. Es ist trotzdem möglich, sein Konto zu überziehen, nur nicht in den Grössenordnungen, wie mit einer Kreditkarte und es erfordert einige kriminelle Energie. Aufgrund der steigenden Beliebtheit, sinken Preise und Gebühren. Während für eine prepaid card vor einem Jahr schon mal 119 Euro an Jahresgebühr anfielen, bekommt man sie heute schon für 20 Euro per anno.

Manche Autovermieter, wie Europcar oder Sixt, akzeptieren keine prepaid cards. Einen stichhaltigen Grund, weshalb Guthaben weniger Wert ist als ein Kreditrahmen, gibt es nicht. Beide Firmen wollten gegenüber Wirtschaftsthemen dazu kein Statement abgeben.

Mit der fehlenden Akzeptanz bei Autovermietungen und ihrer Ausgabe ohne Bonitätsprüfung und Schufa-Abfrage ist das Negativ-Image der prepaid card in Deutschland als “Kreditkarte für schlechte Bonitäten und Hartz-IV-Empfänger” perfekt. Ob das Guthaben auf der Karte dabei 100 Euro oder 10.000 Euro beträgt, spielt für manche keine Rolle mehr.

Jedoch ist die Art der Karte keineswegs ein Indiz für die Bonität des Inhabers. Ich habe Kreditkarten-Kunden erlebt, die nicht einmal die Bonität eines Hartz-IV-Empfängers hatten. Im Gegenzug ist die prepaid card noch lange kein Bewilligungsbescheid der Bundesagentur für Arbeit. Hätten die Produktentwickler gewollt, dass Plastikgeld über die Bonität seines Inhabers Auskunft gibt, wäre es sicher ein Steuerbescheid geworden.

Aufgrund ihres Schutzes vor Missbrauch und Überschuldung bei transparenten und überschaubaren Kosten gehört die prepaid card zu den seriösen elektronischen Zahlungsmitteln für Verbraucher.

Nebenbei: Ein kleines Stück Plastik, von dem weder Schufa noch Finanzminister etwas wissen, hat doch auch was für sich. Oder?

Foto: Andres Rueda / Flickr / cc



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