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Solvency II: Was die Versicherungskunden erwartet

Solvency II (Solvabilitätsvorschriften) ist das Basel II der Versicherungsbranche. Die Richtlinien wurden in Anlehnung an Basel II von der Europäischen Kommission entworfen. Sie sollen ab 2009 gelten und in Deutschland bis 2011 umgesetzt sein. Ähnlich Basel II für die Kreditwirtschaft basiert auch Solvency II für die Versicherungswirtschaft auf drei Säulen:
  • Eigenmittel
  • Risikomanagement
  • Reporting.

Die Versicherungsgesellschaften müssen künftig ihre Risiken genauer messen und bewerten, diese mit einem Minimum an Eigenmitteln (Minimumsolvenzkapital) unterlegen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fortlaufend darüber informieren. Ziel von Solvency II ist der verbesserte Schutz der Versicherungskunden durch Überwachung und Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit der Versicherer bei Verlagerung der Verantwortung von den Aufsichtsbehörden auf das Management. Des Weiteren sollen die Berichts- und Veröffentlichungspflichten sowie die Rechnungslegung der Versicherer angepasst werden.

Welche Risiken sind das?

  • Zinsänderungsrisiko
  • Aktienrisiko
  • Marktrisiko
  • Kreditrisiko
  • versicherungstechnisches Risiko
  • operationales Risiko

Auswirkungen von Solvency II auf die Versicherungsunternehmen

Um die Risiken zu spezifizieren, bieten die Aufsichtsbehörden den Versicherern zunächst ein Standardmodell. Viel lieber sehen sie jedoch, wenn Versicherer ihre Risiken mit individuell angepassten Modellen messen und bewerten. Dies erhöht jedoch den Aufwand und kleinere Versicherer werden sich aus Kostengründen für das Standardmodell entscheiden. Versicherungsgesellschaften mit hohen Risiken werden mehr Eigenmittel vorhalten müssen, wovon Mitbewerber mit niedrigen Risiken profitieren. Neugeschäft oder Veränderungen am Markt werden sich direkt auf die Eigenmittelreserven und auf Geschäftsstrategien auswirken. In den Feldversuchen QIS 1 bis 3 hat sich zudem gezeigt, dass Versicherer den Wertansatz für Kapitalanlagen durch Aufdeckung stiller Reserven verbessern, was zur Vervielfachung ihrer Eigenmittel führte. Sollte Solvency II künftig auch für Pensionsfonds gelten, wird seitens der Branche befürchtet, dass diese Aktienbestände vermehrt in Anleihen umgeschichtet werden,was die Rendite verringert. Des Weiteren wird durch die genauere Risikobewertung die Risikoverteilung auf einzelne Geschäftsbereich transparent und Quersubventionierungen werden abgebaut. Insgesamt kann man sagen, dass Solvency II zur Erhöhung von Effizienz und Transparenz im Versicherungsgeschäft beiträgt. Die Eigenmittel werden sich künftig noch stärker an den internen und externen Risiken orientieren. Die Versicherungsunternehmen werden des Weiteren ihre Risiken minimieren, um Eigenmittel für Neugeschäft und unvorhersehbare Risiken frei zu halten. Sie werden das Verhältnis ihrer Eigenmittel zum Gesamtrisiko verbessern und den neuen Regelungen anpassen.

Auswirkungen von Solvency II auf Versicherungskunden

Wann immer Risiken durch Eigenmittel unterlegt werden, hat das Folgen für den Kunden. Das Verhältnis Eigenmittel zum Gesamtrisiko lässt sich durch Erhöhung der Eigenmittel und Verminderung der Risiken steuern.

Risikominimierung könnte zum Beispiel durch

  • Leistungskürzung
  • Leistungsausschluss (Indexierung)
  • restriktive Geschäftspolitik in risikoreichen Marktsegmenten
  • verstärktes Engagement in risikoärmeren Marktsegmenten
  • Umschichtung von Aktien in Anleihen zu Lasten der Rendite
  • Förderung der Prävention beim Versicherungskunden
  • genauere Differenzierung von Risiken

erfolgen.

Die Eigenmittelbasis könnte durch

  • risikogerechte Anpassung der Versicherungsprämien
  • effizientere Rückversicherung
  • Anpassung von Gewinnausschüttungen (Aktionäre)
  • Anpassung von Überschussbeteiligungen (Kunden)
  • Senkung interner Kosten
  • Auflösung stiller Reserven
  • Kapitalmassnahmen

gestärkt werden.

Was Basel II gezeigt hat: Kunden, die ihre Bonität im Griff haben, bekommen die besseren Konditionen. Projiziert auf Solvency II werden Versicherungskunden mit geringeren Risiken künftig noch differenzierter geringere Beiträge zahlen oder mehr Leistung erhalten. Künftig wird auch der Kapitalanleger mit seiner Lebensversicherung, nicht mehr die Unfallpolice seines Nachbarn subventionieren. Ich gehe davon aus, dass gerade bei Sachversicherungen und im Firmenkundengeschäft die Zusammenarbeit zwischen Versicherer und Kunde bei der Prävention von Schäden an Bedeutung gewinnt, so dass versicherungstechnische Risiken sinken und damit auch die Prämien.

Quellen:
BaFin
Münchner Rück
RiskNet



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