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AKW Fukushima: Das irre Katastrophenmanagement von TEPCO

Blaummann an, zwei Wochen Betroffenheit heucheln, Blaumann aus, Katastrophe vorbei. So versuchen Japans Regierung und Betreiber TEPCO der Bevölkerung eine heile Welt vorzugaukeln. Dabei hätte das AKW Fukushima 1 Daiichi am 12. März noch gerettet werden können. Auch danach gab es mehrmals Gelegenheit, die Katastrophe zu verhindern oder zumindest zu verringern.

Earthquake and Tsunami damage-Fukushima Dai Ichi Power Plant, Ja

Das Sendai-Erdbeben am 11. März 2011 ließ trotz seiner Rekordstärke von Magnitude 9,0 die Atomanlagen in Fukushima Daiichi weitgehend intakt. Das Problem war der darauf folgende Tsunami. Für die bis zu 23 Meter hohe Tsunami-Welle war Schutz des Atomkraftwerkes nicht ausgelegt.

Die Reaktoren schalteten sich nach dem Erdbeben zwar automatisch ab. Die Brennstäbe benötigen aber durch die von Zerfallsprozessen entstehende Nachwärme noch Wochen oder gar Monate nach Abschaltung weitere Kühlung. Deren reguläre Stromversorgung über das Netz war durch den Tsunami zusammengebrochen. Die Notstromversorgung über Dieselaggregate lief nur kurzzeitig. Als letztes blieb der Notstrom aus Batterien, die bekanntlich irgendwann leer sind, vor allem dann, wenn sie mit Meerwasser in Berührung kamen.

Schon wenige Stunden nach dem Tsunami war also bekannt, dass für die Stromversorgung der überlebenswichtigen Kühlung der Brennelemente von dreien nur noch ein System zur Verfügung stand und das auch nur für kurze Zeit.

Wäre der Einsatz von Löschfahrzeugen und der Beginn der Verlegung eines Starkstromkabels ab diesem Zeitpunkt zu übertrieben gewesen?

Am 12. März kam es zur ersten Wasserstoff-Explosion im Reaktor-Block 1. Nun war bekannt, dass auch die letzte Stromversorgung des Kühlsystems ausgefallen war und die anderen Reaktoren ebenfalls bedroht sind. Experten warnten vor einer Kernschmelze.

Wäre nicht spätestens ab dieser ersten Explosion eine entsprechende Lüftung der übrigen Reaktoren angemessen gewesen? Gab es zu diesem Zeitpunkt immer noch kein Grund für einen massiven Feuerwehreinsatz und die Schaffung einer alternativen Stromversorgung? Wo blieben die Anforderungen von internationaler Hilfe?

Stattdessen reduzierte TEPCO die Anzahl der Arbeiter im Kraftwerk auf 50, später bekannt als die “Fukushima 50”. Das Unternehmen fragte sogar beim Regierungschef Naoto Kan an, ob es alle Arbeiter aus dem Kraftwerk abziehen dürfe.

Die Meldungen aus dem havarierten Atomkraftwerk blieben chaotisch. Der Betreiber stolpert weiter der Katastrophe hinterher.

Als Folge der Passivität von TEPCO explodierten am 14. März der Reaktor-Block 3 und am 15. März der Block 2.

Auch diese Wasserstoff-Explosionen verhallten bei Betreiber und Regierung ungehört. Einzig die Verniedlichung des offensichtlichen Super-GAUs ist Priorität für die Blaumänner.

Am 15. und 16. März brach zweimal Feuer im Reaktor 4 aus. TEPCO meldete alle sechs Reaktoren des AKWs Fukushima 1 Daiichi seien außer Kontrolle.

Sämtliche Versuche, die Reaktoren vom Boden oder aus der Luft zu kühlen, blieben halbherzig. Immer kam das Argument, die Strahlung sei irgendwo zu hoch. Löschhubschrauber mussten kreisen, statt gezielt Wasser abzuwerfen. Arbeiter wurden oft wegen erhöhter Radioaktivität abgezogen. Internationale Hilfsangebote wurden, wenn überhaupt, nur zögerlich angenommen.

Inzwischen steigt die Radioaktivität in und um das Kraftwerk sowie im Meer sprunghaft an. Der Druckbehälter von Reaktor 2 soll einen 20 Zentimeter lagen Riss haben, aus dem tödliche Radioaktivität austritt. Auch eine Kernschmelze in mehreren Meilern sei nicht ausgeschlossen.

Was Betreiber TEPCO seit drei Wochen in seinem Schrott-Kraftwerk treibt, bleibt genauso schleierhaft, wie die widersprüchlichen Messwerte aus der Region. Aber eines ist sicher, professionelles Katastrophenmanagement sieht anders aus. Die haben dort drüben keinen Plan.

Foto: DigitalGlobe / CC



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