AKW Fukushima: Was kostet so ein Super-GAU?







by Frank Kerkau on April 3, 2011

Wer sich damit brüstet, Atomstrom sei billig, muss sich auch die Aufrechnung von Strahlentoten, Missbildungen am Menschen und schwersten volkswirtschaftlichen Schäden gefallen lassen. Diese Kosten nämlich trägt keine Versicherung und kein AKW-Betreiber sondern die Bevölkerung allein.

Wie wir gerade wieder durch den mehrfachen Atomunfall im AKW Fukushima 1 Daiichi lernen, hört für die Betreiber von Atomkraftwerken die Verantwortung bei der Bezahlung des Stroms auf.

Kommt es zur nuklearen Katastrophe zahlt immer die Bevölkerung, nie der Verursacher.

Das Volk bezahlt mit Opfern, grausig entstellten Mutanten über Generationen, Krebs, Verlust von Grund und Boden für Jahrhunderte, Einbruch der Wirtschaft sowie Jahrtausende langer Betreuung der Reaktor-Gräber, wenn sich die Betreiber längst feige in die Insolvenz geschlichen haben. Wie wir wissen, ist TEPCO nur noch bei der Stange, weil Japans Regierungschef Naoto Kan es angeordnet hat.

Wenn das, was sich die feinen Schlipsträger in Politik und Management ausgeklüngelt haben, in der Strahlenhölle verbrannt ist, müssen Generationen mit den Folgen leben und bitter zahlen.

Allein der Unterhalt des maroden Sarkophags in Tschernobyl kostet die Ukraine jedes Jahr fünf Prozent des Staatshaushaltes. Die anderen drei Meiler dämmern als Investruinen vor sich hin. Die Stadt Pripyat wurde völlig umsonst gebaut. Offiziell starben zwischen 1986 und 1996 rund 15.000 der 650.000 sogenannten Liquidatoren. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Allein in Weissrussland erkrankten infolge des Reaktorunfalls 800.000 Mädchen und Jungen an Leukämie und Schilddrüsenkrebs. Laut Greenpeace wendet Weißrussland sechs Prozent seines Staatshaushaltes für Tschernobyl-Programme auf. Bis zum Jahr 2006 waren das 235 Milliarden US-Dollar.

Die Kosten für Fukushima lassen sich bislang nur erahnen.

Fakt ist, wir haben hier nicht ein sondern gleich vier akute Atomunfälle. Fakt ist auch, Betreiber TEPCO und die japanische Regierung haben bislang kaum etwas zur Schadensbegrenzung unternommen. Sie stolpern planlos der Katastrophe hinterher. Strahlenopfer, Krankheiten und genetische Veränderungen werden unendliches Leid über die Bevölkerung bringen und Unsummen verschlingen. Die Region wird für Jahrhunderte verstrahlt und verloren sein. Im Gegensatz zur damaligen Sowjetunion ist Japan dicht bevölkert. Menschen müssen umgesiedelt werden. Weitere Regionen, wie die 34-Millionen-Metropole Tokio, sind durch Radioaktivität in der Luft, im Boden und im Wasser betroffen. Dasselbe gilt für Nahrungsmittel. Die Fischerei vor der Ostküste als lebenswichtiger Wirtschaftsfaktor könnte zum Erliegen kommen.

Die Kosten eines Super-GAUs sind im Atomstrom nicht eingepreist, aber mit zunehmender Anzahl von Kernreaktoren weltweit werden sie künftig immer öfter relevant.






{ 1 comment… read it below or add one }

Steffen April 3, 2011 um 07:02

Man wird erst in ein paar Jahrzehnten sehen, was wirklich getan wurde. Die Japaner gehen viel zu leichtsinnig damit um aber es ist auch eine Platzfrage. Man kann nicht einfach den Radius wie bei Tschernobyl auf 400 km erhöhen.

Leave a Comment

Previous post:

Next post: