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Deepwater Horizon – Wie viel Schuld trifft BP wirklich?

deepwater horizon fire uscgAm 20. April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die durch Transocean im Auftrage von BP (vorm. British Petroleum) betriebene Bohrplattform “Deepwater Horizon”. Als Folge flossen bis heute “offiziell” pro Tag 5.000 Barrel Rohöl ins Meer und verursachten eine der schwerste Umweltkatastrophen in der Geschichte der Ölförderung. Die Kritik an BP ließ also nicht lange auf sich warten. Kritik an BP? Klar, für meisten von uns liegt die Verantwortung für Ölförderungen bei den Ölfirmen. Hauptsache das Zeug kommt bei uns sauber an. Die wenigsten von uns wissen jedoch, dass Produkte aus Erdöl unseren Alltag bestimmen. Für viele reduziert sich Erdöl auf das Benzin an der Tankstelle. Hausbesitzer denken vielleicht noch an ihr Heizöl. Das war’s aber schon. War’s das wirklich?

Schauen wir uns doch mal einen Tagesablauf ohne das schwarze Gold an:
Morgens klingelt der Wecker. Das widerliche Geräusch kommt aus einer runden Blechdose. Die Bettdecke aus Wolle kratzt, also schnell raus aus den Federn. Zähne putzen wir uns mit einem weichem Stück Holz, zum Spülen genügt ein Gläschen Whiskey. Gewaschen – auch die Wäsche – wird mit Kernseife. Glücklich, wer eine Zentralheizung für warmes Wasser besitzt. Den heißen Kaffee bekommen wir noch hin. Aber vor dem Ankleiden graut uns. *kratz, kratz* Jetzt schnell ins Au…, ach, vor dem Haus steht eine Pferdekutsche. Die Fahrt wird holprig. Statt über glatten Asphalt schaukeln wir über Kopfsteinpflaster. Der Regen sprüht uns ins Gesicht. Das macht uns munter. In der Firma wartet die nächste Überraschung. Weit und breit keine Computer. Auf dem Schreibtisch liegen Papier, Bleistift und – ein Rechenschieber. Wie funktionierte der noch? Feierabend! Jetzt vor der Glotze schön entspannen. Denkste! Statt Fernsehen gibt’s ein Buch bei Kerzenschein. Eine grausige Vorstellung und dabei waren wir noch nicht einmal krank oder im Urlaub, geschweige denn auf irgendeiner Friedensmission.

Rund 24 Prozent – also ein Viertel – des Erdöls benötigt die Chemieindustrie, um Produkte, wie Waschmittel, Kunststoffe, Kunstfasern, Farben, Dünger, Arzneimittel oder Kosmetik herzustellen. Alles Dinge die heutzutage das Leben komfortabel machen, Dinge die wir im Alltag nicht missen möchten. Wer zudem noch sein Häuschen mit Öl beheizt und im Auto über asphaltierte Straßen zum Bäcker um die Ecke fährt, nutzt fast das komplette Potenzial des Erdöls. So abhängig sind wir, so verantwortlich sind wir.

Zurück zu BP:
Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist das Grauen schlechthin. Sicher! Und natürlich hätte Transocean nicht im Meer und schon gar nicht in dieser Tiefe bohren sollen. Sie hätten Sicherheit zum obersten Gebot machen müssen usw. usf. und umgekehrt. Dabei gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, schon gar nicht, wenn Menschen am Werk sind. Es sei denn BP hätte gesagt, tut uns leid liebe Weltwirtschaft, dieses Öl fördern wir für Euch nicht. Dann wäre entweder eine andere Firma zur Stelle gewesen und das Ergebnis dasselbe oder die NATO hätte wieder irgendwo in der Welt einem Land unsere Demokratie aufs Auge müssen. Aber das passt uns ja auch wieder nicht.

Wir können uns drehen und winden. Fakt ist, dass letztlich jeder ein bisschen Verantwortung für “Deepwater Horizon” trägt. Jeder! Die Menschen haben sich für eigene Dummheit, bequemen Wohlstand und ungehemmtes Wachstum entschieden, das funktioniert halt nur zu Lasten der Umwelt.

Foto: USCG



{ 1 comment… add one }

  • ebook leser Juni 7, 2010, 18:54

    Seit die Bohrinsel des britischen Ölkonzern im Golf von Mexiko explodierte, verlor BP an der Börse rund 74 Milliarden Dollar an Wert etwa so viel, wie die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zusammengerechnet pro Jahr erwirtschaften. Ich hoffe die Konzernführung denkt mal darüber nach, was eine gescheite Technik im Gegensatz dazu gekostet hätte und lernt für die Zukunft. Auch die anderen sollen mal darüber nachdenken und endlich handeln.

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