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“Fukushima 50” – Die einsamen unbekannten Helden

Am 14. März verbot Japans Premierminister der Betreiberfima TEPCO nach Anfrage ihre Arbeiter aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I Daiichi abzuziehen. In den letzten Tagen mehren sich die Meldungen, dass es sich bei den “Fukushima 50” eher um “arme Teufel”, wie Obdachlose, Gastarbeiter und Arbeitslose handelt, die für die Protagonisten in Blaumann und Krawatte die Kastanien aus dem atomaren Feuer holen.

Im April 1986 hatte Europa das Glück, dass sich der bisher größte Atom-Unfall in der Geschichte der Menscheit ausgerechnet in Tschernobyl in der Sowjetunion ereignete. Auch wenn die Infomationen damals durch Führung und Verantwortliche anfangs nur spärlich durchsickerten, fackelte die Diktaur nicht lange und tat das Nötige, um den Schaden zu begrenzen. Über 800.000 Menschen wurden zu Aufräumarbeiten und den Bau des Sarkophags in die Strahlenhölle gezwungen. Umsonst, weil die Menschheit nichts daraus gelernt hat.

“Fukushima 50” gegen den sechsfachen Super-Gau und eine Nation schaut zu

In einer parlamentarischen Monarchie, wie Japan, ist das mit der Opferung von Menschen immer so eine Sache. Kein vernünftiges Wesen wäre freiwillig bereit, sich wissentlich solch einer Gefahr auszusetzen. Welche Anreize gab es also seitens der japanischen Regierung und der Betreiberfirma TEPCO, damit die 50 “armen Teufel” weiter bei der Stange bleiben. Hat man sie bezüglich der wahren Gefahren belogen oder einfach ihre Seele mit Geld erkauft? Alles wäre möglich, solange die Auserwählten zu den untersten sozialen Schichten gehören und im Einsatz ihres Leben die einzige Chance für sich und ihre Familen sehen.

Fakt ist, TEPCO hatte vor Tagen bereits die Stammbelegschaft aus dem verstrahlten Kraftwerk abgezogen. Auch Armee und Luftwaffe kapitulierten, die Strahlung sei zu hoch. Ebenso sind die deutschen Ingenieure des Reaktor-Fabrikanten Areva Siemens, die nach eigenen Angaben das Erdbeben am 11. März noch im Kontrollraum des beschädigten Kraftwerks erlebten, wissen sich inzwischen in der Heimat in Sicherheit.

Aber jetzt auf einmal, sieben Tage nach der Katastrophe, wird eine Starkstromleitung gelegt, um den Kühlkreislauf der Reaktoren wieder in Gang zu setzen. Löschhubschrauber sind im Einsatz, Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr helfen und das Rettungspersonal wird massiv aufgestockt.

Das sind alles Indizien dafür, dass das Katastrophenmanagement jämmerlich versagt hat. Wäre derselbe Aufwand mit entsprechender Entschlossenheit von Anfang an betrieben worden, hätten vielleicht alle Reaktoren gerettet werden können. Statt dessen hat man die Situation verniedlicht, Blaumann-Medien-Shows abgeliefert und das Katastrophen-Management 50 “armen Teufeln” überlassen, die nie eine echte Chance hatten.

Hoffen wir, dass die Situation morgen Abend im Griff ist, sonst hätten TEPCO und Regierung die 50 Helden umsonst verheizt. Und hoffen wir, dass die “Fukushima 50” endlich Namen und Geschicht bekommen. Die Menschen sollen wissen, wer ihre Helden sind.

Video: NHK WORLD / TEPCO-Manager in Blaumann und Krawatte verkaufen in einer ihrer Medien-Shows mal wieder einen leichten Rückgang der Strahlung an einen ihrer Reaktoren als Erfolg.



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