≡ Menu


Hamburg-Moorburg – Zwischen Marktwirtschaft und Klimaschutz

Europas grösster Energieversorger Vattenfall baut seit Oktober 2007 an seinem neuen Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg – mit vorläufiger Baugenehmigung. Unter Vollast soll die TÜV-geprüfte Anlage künftig als einer der grössten Energiewandler Deutschlands rund 1.600 Megawatt elektrische Netto-Leistung bei einem Netto-Wirkungsgrad von 46,5 % und zusätzlich 450 Megawatt Fernwärme während 7.500 Betriebsstunden pro Jahr liefern. Dafür entfällt das 1962 in Betrieb genommene veraltete Steinkohle-Heizkraftwerk mit 400 Megawatt Leistung in Wedel, welches erst in den neunziger Jahren generalüberholt und modernisiert wurde und noch bis ins Jahr 2023 laufen könnte. Vattenfall will mit dem Neubau die 1.130 g CO2 / kWh von Wedel durch 750 g CO2 / kWh aus Moorburg ersetzen. Zudem geht der Energieversorger davon aus, dass zukünftig der Moorburger Kohle-Strom weitere überalterte Kohlekraftwerke – auch die der Konkurrenz – aus dem Markt drängen wird, zum Wohle der Allgemeinheit, der Umwelt und Vattenfalls – natürlich. Eine strategische Entscheidung also, die mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlägt.

Umweltschützer sehen 1 Milliarde Euro Sparpotential
Während seiner Nutzungsdauer von 40 Jahren wird das Kraftwerk Moorburg 8,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittieren – 40 Prozent des heutigen CO2-Ausstosses der gesamten Stadt Hamburg und das Vierfache der derzeitigen langfristigen Klimaschutzziele. Des Weiteren würde die Einleitung von 30°C warmen Abwasser in die Süderelbe vor allem in den Sommermonaten zu einem massiven Fischsterben führen, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und zeigt gangbare Alternativen auf. Gemäss einer durch die Umweltschützer in Auftrag gegebenen Studie würde sich das Steinkohle-Kraftwerk Moorburg nach Einführung der zweiten Stufe des Emissionshandels nicht mehr rechnen. Zudem würde der Neubau eines Gaskraftwerkes, zugeschnitten auf Hamburgs Anforderungen in Verbindung mit mehr Energieeffizienz und dem Ausbau erneuerbarer Energien völlig ausreichen. Dies würde den CO2-Ausstoss der Millionen-Metropole um 80 Prozent senken und Wirtschaft und Einwohner um eine satte Milliarde Euro durch Einsparungen sowie Vermeidung von Klimafolgeschäden entlasten.

Umweltpolitiker knicken ein
Die Hamburger Umweltsenatorin Anja Hajduk versprach noch im März dieses Jahres, dass die GAL Hamburg ein Kohlekraftwerk nicht akzeptieren würde. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hingegen hat gestern seinen Segen unter Verweis auf eine kohlefeindliche Regulierung durch den Emissionshandel erteilt, berichtet das Hamburger Abendblatt. Die Umweltschützer befürchten nun für Ende September eine Entscheidung der Hamburger Grünen zu Gunsten des Vattenfall-Kraftwerks und damit ein falsches Signal für weitere 26 Kohlekraftwerke in Deutschland.

Die Bürger sind gefragt
Aber vielleicht geht noch etwas zu retten. Der BUND bittet in seiner Online Aktion “Kohlekraftwerk in Hamburg Moorburg stoppen!” alle Umweltfreunde, Frau Hajduk beim Wort zu nehmen und in einer E-Mail die Verweigerung der “wasserrechtlichen Genehmigung” für das Vattenfall-Projekt einzufordern, um damit den Bau zu blockieren.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner