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Urteil: Freispruch für Jörg Kachelmann

Die Richter in Mannheim haben TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann freigesprochen. Für die 132 Tage Untersuchungshaft gibt’s 3.300 Euro Entschädigung. Der Vorsitzende Richter übte massive Kritik an Verteidigung und Medien.

TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann wurde heute um 09.07 Uhr durch die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Mannheim wegen begründeter Zweifel an seiner Schuld vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

Der Vorsitzende Richter Michael Seidling erklärte in seiner 45-minütigen Urteilsbegründung:

“Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld von Herrn Kachelmann und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt ist. Es bestehen aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme begründete Zweifel an der Schuld von Herrn Kachelmann.”

Das Gericht wendete nach eigenen Angaben mit dem Freispruch den Grundsatz “in dubio pro reo” an.

Für die 132 Tage in Untersuchungshaft stehen Kachelmann 3.300 Euro Haftentschädigung zu. Möglicherweise könnte der Wettermoderator auch Verdienstausfall geltend machen.

Des Weiteres übte der Vorsitzende scharfe Kritik an der Verteidigung des Angeklagten. Ihr hätte es sowohl im Umgang mit dem Gericht als auch im Umgang mit der Staatsanwaltschaft an mangelndem Respekt gefehlt.

Die Medien mussten sich ebenfalls harsche Kritik gefallen lassen. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit seien zwar elementare Grundrechte, jedoch müsse damit verantwortungsvoll umgegangen werden. Seidling kritisierte zudem die Verletzung der Persönlichkeitsrechte aller Verfahrensbeteiligten gerade in Internetforen und Blogs hinter der Fassade der Anonymität.

Die Ferndiagnosen sogenannter “Sachkundiger”, die ohne Aktenkenntnis oder Teilnahme an der Hauptverhandlung häufig nur Klischees bedienten, bemängelte der Vorsitzende ebenso, wie die auf Verkaufszahlen ausgerichtete unvollständige und einseitige Berichterstattung mancher Medien.



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