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Bedeutet Griechenland-Hilfe versteckte Bankenrettung?

Im Maybrit-Illner-Interview vom letzten Donnerstag äusserte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine Zweifel an der Ertragskraft Griechenlands, seine Schulden jemals tilgen zu können. Im selben Atemzug warb der Spitzenbanker um Verständnis für die Griechenland-Hilfe durch die Europäische Union, allen voran Deutschland. Eine erneut drohende “Kernschmelze” im Finanzsystem sei so verhindert worden. Wir kennen das ja.

Dabei hätte es neben Insolvenz und Steuergeldern noch einen dritten Weg gegeben – den Schuldenerlass. Übrigens vor Jahren eine Idee aus Ackermanns eigenem Hause. Aber hoppla! Ackermann nannte auch die in griechischen Staatsanleihen investierten Banken, deutsche private Geldhäuser und Landesbanken seien darunter, allesamt selbst schwer angeschlagen, was einen Schuldenerlass schier unmöglich macht. So blieb letztlich wieder einmal der europäische Steuerzahler als Retter in der Not. Weniger, um Griechenland beizustehen und den Euro vor einer Katastrophe zu bewahren.

Das Hauptziel der Griechenland-Hilfe stellt sich für jeden EU-Bürger ganz simpel dar:
Die Banken hatten in der Vergangenheit – auch das kennen wir schon – ihre Hausaufgaben nicht gemacht und sich in griechischen Staatsanleihen verzockt. Sie haben gerne die Zinsen eingestrichen, Risiken verpennt und am Ende darauf vertraut, dass ein Land nicht pleite gehen kann, vor allem wenn es zur EU gehört. Zunächst fand somit ein gigantischer Zinstransfer von Griechenland in die Geldhäuser statt. Nachdem dieser Zahlungsstrom zu versiegen drohte, mussten EU-Mitglieder helfend in die Bresche springen und den Kapitalfluss aufrecht halten.

Der unbequeme aber ehrliche Weg hätte jedoch sein müssen:

  • Eingeständnis ihrer Fehler durch die involvierten Banken,
  • Rettung von Euro und EU durch Schuldenerlass für Griechenland,
  • Banken-Rettungsschirm nach Bedarf mit entsprechenden Sanktionen.
  • So aber konnten sich die Kreditinstitute wieder aus ihrer Verantwortung stehlen und die EU-Steuerzahler in die Haftung mogeln.

    Da jedoch die EU-Staaten als Kreditgeber selbst bis über beide Ohren verschuldet sind, haben Politik und Banken nun zwei Dinge erreicht:

    • Sie haben erstens die mangelhafte Bonität Griechenlands gegen die ungenügende der EU-Länder getauscht und
    • haben zweitens die durch Ratingabstufungen noch fetteren Zinserträge der Banken auf Kosten der Steuerzahler gesichert.

    Man könnte auch sagen:
    Die Marktwirtschaft wurde auf nicht ganz klassischem Wege gerettet.



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