≡ Menu


EFSF: Wie funktioniert der Zwei-Billionen-Euro-Hebel?

EFSF-Hebel: Die EU-Finanzminister wollen mit dem Euro-Rettungsschirm Investoren für zwei Billionen Euro anlocken. Wie funktioniert der Euro-Hebel und welche dramatischen Risiken birgt er für Anleger und Steuerzahler?

Noch während die Parlamente der 17 Länder in der Euro-Zone über die umstrittene Erweiterung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) auf 440 Milliarden Euro abstimmten, war bereits klar, dass der Euro-Rettungsschirm schon wieder zu klein ist, um auch Spanien, Italien und französische Banken zu retten.

Daher soll die EFSF jetzt nicht mehr, wie anfangs geplant, selbst Geld beschaffen und an Schuldenstaaten und Pleite-Banken verteilen. Das neue Prinzip, was Brüssel derzeit ausklügelt, ist simpel:

Private Investoren sollen Anleihen der Schuldenstaaten kaufen und insgesamt zwei Billionen Euro über West- und Süd-Europa ausschütten. Fällt der gigantische Betrag “wider Erwarten” aus, dann erhalten die Anleihegläubiger 440 Milliarden aus dem EFSF, so dass sie wenigstens keinen Totalverlust erleiden.

Ob sich ein gesunder Investor auf so einen Kuhhandel einlässt, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hofft?

So einfach der Deal erscheint, so riskant ist er nicht nur für Investoren sondern auch für Europas Steuerzahler.

Griechenland ist Pleite. Das Geld, was derzeit dorthin fließt, sehen wir nicht wieder. Französische Banken haben sich mit griechischen Staatsanleihen verzockt. Auch diese Hilfen werden wir kaum zurückerhalten. Italiens “Bunga-Bunga-Berlusconi” biegt sich die Gesetze zurecht, wie er es ihm gerade in den Kram passt und sein ambitioniertes Sparprogramm ist ebenfalls kaum etwas wert. Die dringend benötigten Reformen sind weit und breit noch immer nicht in Sicht.

In dieser Situation Anleger mit einer 20-Prozent-Kredit-Ausfallversicherung hinter dem Ofen hervorlocken zu wollen, zeigt, wie verzweifelt man in Brüssel bereits ist.

Im Extrem-Fall zahlt Deutschland mehr als 540 Milliarden Euro

Aber nehmen wir mal an, es finden sich Investoren. Dann bürgen die EU-Netto-Zahler zunächst für die 440 Milliarden Euro in der erweiterten EFSF. Deutschland ist mit 253 Milliarden Euro dabei. Fallen dazu die zwei Billionen Euro erwartungsgemäß aus, wer garantiert, dass die Investoren, dann ohne zu murren, ihre gewaltigen Verluste einstreichen und davonziehen, was sie bisher auch nicht getan haben?

Letztlich müssen wir davon ausgehen, dass auf Europas Steuerzahler weitere Belastungen zukommen. Von Deutschland würden dann – bleibe es bei der Beteiligung von 27 Prozent – 540 Milliarden Euro plus Zinsen und Nebenkosten erwartet.

Der Versuch der Europapolitik, mit zwei Billionen Euro mal eben die Schuldenkrise zu ersticken, indem man gegen die Realität spekuliert, gehört bestenfalls ins Guinness Buch.



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner