≡ Menu


Flug MH-17: Die Frage nach Schuld, Täter und Motiv für den Boeing-Abschuss – Ukraine – Kiew – USA – Antimaidan

In der Kriminalistik beginnt jede Ermittlung nach dem Täter mit der Frage nach seinem Motiv. Wenn es im Fall Flug MH-17 einen Schuldigen gibt, dann hatte auch er ein Motiv.

Am 17. Juli dieses Jahres stürzte Malaysia-Airlines-Flug MH-17 mit 298 Menschen an Bord aus bisher noch ungeklärter Ursache über dem Bürgerkriegsgebiet der Ostukraine ab. Die Flammen waren noch nicht gelöscht, da erklärten die Mainstream-Medien, dass die Bürgerwehr die Boeing 777 abgeschossen hätte. Die Boulevard-Politiker des Westens übernahmen willig diese Verschwörungstheorie. Wer sich aber seriös ein paar Fragen stellt, muss nachdenklich werden. Cui Bono?

Russland?

Russland scheidet aus. Warum sollte Putin die internationale Staatengemeinschaft gegen sich aufbringen wollen? Vor allem, wo der Westen bereits seit letztem Jahr nur darauf wartet, Russland irgend etwas ans Zeug flicken zu wollen. Zudem riskiert nur ein Verrückter mit einer Armee in Umbruch und Modernisierung eine bewaffnete Auseinandersetzung. Putin gilt aber als besonnener und kluger Politiker. So ein Terrorakt wäre gar nicht sein Stil.

Die Volksmiliz?

Die Bürgerwehr hat ebenfalls kein Motiv. Der Westen hatte sich von Beginn an gegen sie gestellt. Warum also noch zusätzlich zündeln? Selbst eine Verwechslung zwischen einer An-26 in 6000 Metern Höhe oder einem tieffliegenden kleineren Erdkampfflugzeug Su-25s und einer Boeing 777 in 10.000 Metern Höhe halte ich für abwegig. Warum sollten die Volksmilizen plötzlich zu teuren und aufwendigen Buk-Raketen greifen, wenn sich bisher die Manpads bewehrt hatten? Zudem haben die Kiewer Machthaber ja immer erklärt, dass die Volksmiliz keine Flugabwehr-Raketen für grosse Höhen besitze.

Die ukrainische Übergangsregierung?

Die Kiewer Übergangsregierung hat aber ein Motiv und die Mittel. Im Zuge der Machtergreifung rechtsradikaler Kräfte im Februar dieses Jahres in Kiew war die Krim nach Russland geflohen. Zudem glaubt man in Kiew, dass die Verteidiger im Donbass durch Russland gesteuert seien. Aus diesen Überlegungen heraus ist die Kiewer Übergangsregierung auf eine direkte Konfrontation gegen Russland aus. Nur ist die ukrainische Armee zu schwach und unerfahren, um allein gegen die russischen Streitkräfte anzutreten. Daher versuchte Kiew seit März zunächst rhetorisch die NATO zu einem Eingreifen zu bewegen. Als das ohne Erfolg blieb, griff man vermutlich – aber plausibel – zum äussersten Mittel und schoss die malaysische Boeing ab, um es der Weltgemeinschaft als Terrorakt zu verkaufen und über die Volksmilizen Russland anzulasten.

Für einen Abschuss auf Befehl der Kiewer Machthaber spricht auch, dass die ukrainische Armee im Donbass Buk-Systeme stationiert hat. Den Flugfunk zwischen Towerlotse und der Boeing hält der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU zurück. Von den Black Boxes hört man gar nichts mehr. Auch die überaus unbequemen Fragen der russischen Militärs unter anderem nach dem Kampfflugzeug in der Nähe der Boeing blieben unbeantwortet.

Zudem hatten die Volksmilizen sofort einen Waffenstillstand an der Absturzstelle verkündet und unter dem Lob von OSZE-Experten den internationalen Ermittlern Zugang und Sicherheit gewährt. Es bestand also zu keinem Zeitpunkt die Notwendigkeit für ein Eingreifen der ukrainischen Armee, es sei denn der neue Feldherr Poroschenko will Informationsfluss und Beweise kontrollierten. Aber warum?

Hinzu kommt, dass die ukrainische Regierung, ihre Mediendienste und der Inlandsgeheimdienst SBU sehr schnell mit allerlei mutmaßlichen Beweisen aufwarteten, die sich im Nachhinein alle als Fälschungen erwiesen. Warum dieser übertriebene Aktionismus, wenn eine unabhängige Untersuchung sowieso zum Täter führt?

Ein Blick auf die Frontlage im Donbass im Juli hilft hier weiter. Die unerfahrene ukrainische Armee tat sich überaus schwer gegen die zur Verteidigung entschlossene Bürgerwehr. Erhebliche Verbände waren in zwei Kesseln eingeschlossen. Zudem war die Kampfmoral am Boden. Die Soldaten zogen es vor, entweder überzulaufen oder ihre Waffen niederzulegen und nach Russland zu fliehen, weil sie nicht auf ihre Brüder schiessen wollten. Dies veranlasste Poroschenko zu drei Teilmobilmachungen.

Am 10. August erklärte die ukrainische Übergangsregierung, dass die Ukraine, Großbritannien, wo die Black Boxes ausgewertet werden, Malaysia und die Niederlande vereinbart hätten, dass es keine Veröffentlichungen während der laufenden Ermittlungen geben werde. Das ist ein Novum in solchen Fällen. Auch warum der Flugzeughersteller Boeing nicht wie sonst üblich hinzugezogen wird, bleibt unklar. Warum jetzt diese Vereinbarung nach den vorherigen eilfertigen Schuldzuweisungen?

Warum sind die USA an Flug MH-17 so sehr interessiert?

Und dann ist da noch diese zweifelhafte Expertengruppe von US-Militärs, die sich seit 05. August in Kiew aufhält. Diese Gruppe setzt sich nach eigenen Angaben aus Experten für Logistik, Luftfahrt, Kommunikation und Sonderoperationen zusammen. Also alles Bereiche die geradezu prädestiniert für Untersuchungen von Flugzeugabstürzen sind. Ermittler für Flugunfalluntersuchungen fehlen aber. Auch sei kein Besuch der Absturzstelle vorgesehen, hieß es. Eine Flugunfalluntersuchung vom grünen Schreibtisch aus?

Was am 18. Juli, einen Tag nach dem Absturz, in der allgemeinen Medienhysterie unterging: US-Präsident Obama trat vor die Kameras, bekundete sein Mitgefühl mit den Opfern und erklärte, dass auch ein Amerikaner an Bord gewesen sei. Ein Blick auf die Passagierliste zeigte jedoch, dass außer einem Niederländer mit amerikanischem Pass kein US-Bürger an Bord war. Warum war es für Obama so wichtig, diesen Niederländer zu einem Amerikaner zu machen?

Ein Blick auf die geostrategische Weltkarte hilft. Russland ist einer der letzten weißen Flecken auf der Erde, wo die nach Rohstoffen gierende USA keinen Fuss in der Tür haben. Und wir reden hier über einen riesigen Flecken, der immerhin ein Siebtel der Erdoberfläche ausmacht. Zu russischen Bodenschätzen gehören 12 Prozent aller weltweiten Öl-Vorkommen, 32 Prozent aller Erdgasvorräte, 16 Prozent aller Mineralien, dazu Gold, Eisen, Zinn und reichlich seltene Erden.

Zudem hat Putin mit Aufbau der Eurasischen Union und der Zusammenarbeit innerhalb der BRICS den hochverschuldeten USA und dem Dollar die Grenzen gezeigt. Auch die bisher sehr gute Zusammenarbeit Russlands mit der EU muss den USA sehr weh tun. Wie Ex-Außenministerin Condoleezza Rice in einem Interview kürzlich betonte, müsse Europa sich von Öl- und Gas-Importen aus Russland unabhängig machen und die Energieträger stattdessen aus den USA beziehen.

Daher muss davon ausgegangen werden, dass die USA und die EU sich nicht mit der Ukraine allein begnügen werden. Die geostrategischen Blicke von USA und EU liegen auf Russland. Zumindest eine russische Teilschuld an einem mutmaßlichen Abschuss von Flug MH-17 käme dem Westen sehr gelegen, um das erste Kapitel im Leitfaden für Eroberungen gänzlich aufzuschlagen, nämlich das der Wirtschaftssanktionen mit dem Ziel der Destabilisierung und Schwächung.


Dieser Artikel ist Teil 38 von 54 der Serie Bürgerkrieg in der Ukraine



{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

banner