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Rot für Lebensmittel-Ampel

Das EU-Parlament hat am 16. Juni 2010 die Verpflichtung der Lebensmittelindustrie zur vereinfachten Kennzeichnung von Lebensmitteln gestoppt. Mit den Farben Rot, Gelb und Grün hätten Verbraucher auf den ersten Blick bedenkliche oder unbedenkliche Mengen an Fett, Zucker oder Salz erkennen können. Die Brüsseler Entscheidung gegen die Ampelkennzeichnung ist ein Sieg der Lebensmittel-Lobbyisten und eine schwere Niederlage der Politik. Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch erklärt dazu:

“Das Votum gegen die Ampel ist enttäuschend. Statt Bürgernähe herrscht in Europa die Lobbymacht der Industrie. Obwohl zahlreiche nationale und europäische Spitzenverbände von Ärzten und Kinderärzten, verschiedenste Patientenorganisationen, Krankenversicherungen bis hin zu Verbraucherverbänden sich vehement für die Ampelkennzeichnung eingesetzt haben, obwohl die Vorzüge der Ampelkennzeichnung gegenüber allen anderen Systemen vielfach durch wissenschaftliche Studien belegt wurden und die meisten Verbraucher die Ampel wollen, haben sich die Parlamentarier unter dem Einfluss der Industrielobby gegen die Ampel entschieden. Ganz offensichtlich hat die Mehrheit der Parlamentarier dem massiven Lobbydruck von Coca-Cola, Nestlé & Co nicht standgehalten.”

Dass es ginge, zeigt der erfolgreiche Versuch in Grossbrittanien. Seit Jahren kennzeichnen dort Lebensmittel-Hersteller freiwillig ihre Verpackungen mit einem Label, das auf dem ersten Blick verrät, was gesund ist oder eben nicht. Innerhalb der EU jedoch dürften Verbraucher künftig weiterhin mit der Leselupe bewaffnet durch die Regal-Reihen schleichen, denn selbst für das gesunde Auge sind die kleingedruckten Angaben auf den Verpackungen längst nicht mehr erkennbar.

Grafik: foodwatch / CC



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