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Warum Krugman wieder mal Recht hat

Paul Krugmans scharfe Kritik im Handelsblatt-Interview an Deutschlands Sparpaket und Bundesbankpräsident Axel Weber kann hierzulande schon mal den einen oder anderen mittleren Herzinfarkt auslösen. Vor allem dann, wenn der Kritiker aus den USA, dem vermeintlichen Verursacherstaat der Finanz- und Wirtschaftskrise stammt. Dabei hat Krugman Recht, wenn er sagt, sparen ja, aber bitte zum richtigen Zeitpunkt und zur Stabilität des Euro gehört auch das Abwenden einer Deflation.

Merkel und Weber liegen in ihrem Spar- und Stabilitätswahn in der aktuellen wirtschaftlichen Situation falsch, weil das die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze vernichtet. Zum anderen erhöht sich die Gefahr einer Deflation mit Zunahme der realen Staatsverschuldung. Dabei ignorieren beide, gegenüber wem sie verantwortlich sind, nämlich gegenüber den Bürgern. Die Hauptprobleme Deutschlands sind derzeit nicht Inflation oder Konsolidierung der Staatsfinanzen auf Teufel komm raus, sondern nachhaltige Förderung der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Erst wenn als Folge daraus die Steuereinnahmen steigen, kann entschuldet werden. Die Konsolidierung hätte Angela Merkel als Bundeskanzlerin im Übrigen bereits in den Jahren 2005 bis 2007 einleiten können, um jetzt mehr Spielraum zu haben.

Wem nützt eine harte Währung? Doch nur dem, der sie in grossen Mengen angehäuft hat. Auf die Masse der Deutschen trifft das jedoch aktuell nicht zu. Woraus sich die Frage ergibt, wem fühlen sich Merkel und Weber eigentlich verpflichtet, dem Volk doch wohl nicht. Sie betreiben ausschliesslich Politik zu Gunsten der vermögenden 10 Prozent, was nicht nur sozialen Zündstoff birgt. Auch geht die Spar- und Stabilitätswut zu Lasten aller EU-Länder. Deutschland ist in der komfortablen Situation, sich seine Schulden leisten zu können. Andere Länder können das nicht. Daher tragen wir eine besondere Verantwortung innerhalb Europas und natürlich auch gegenüber unseren Handelspartnern, wie die USA. Wenn wir aber jetzt als grösste europäische Wirtschaftsmacht unseren Konsum verstärkt reduzieren, dann schwächen wir unsere Binnenkonjunktur und als Folge natürlich auch die Volkswirtschaften unserer Nachbarn. Kauft unser Zeug, aber bitte lasst uns mit Eurem in Ruhe. Das ist doch irre! Die insgesamt nachlassende Wirtschaftskraft Europas schwächt als weitere Folge den Euro gegenüber anderen Währungen. Das hilft vielleicht begrenzt unserem Export. Sinkt aber der Euro weiterhin, dann werden Waren- und Rohstoffimporte derart teuer, dass die Währungsschwäche durch unsere Wirtschaft nicht mehr kompensiert werden kann.

Foto: Center for American Progress / CC



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