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Bedingungsloses Grundeinkommen vs Hartz-IV

Der Diplom-Psychologe Michael Thiel (48) aus Hamburg erklärte gegenüber Bild zu Gefahren der Ausgrenzung von Hartz-IV-Empfängern:

“Man gehört dazu, wenn man auch mal in ein Konzert, ins Kino oder in eine Ausstellung gehen kann. Wer das aus rein finanziellen Gründen nicht kann, kann einsam, traurig und sogar aggressiv werden.”

Derzeit sind 7 Millionen Deutsche auf Sozialleistungen (Hartz-IV) angewiesen, also jeder sechste Erwerbsfähige – Tendenz steigend. Die Gesellschaft muss daher für ihr Fortbestehen ein stärkeres Eigeninteresse entwickeln und denjenigen, denen sie keinen gesellschaftsfähigen Arbeitsplatz mehr bieten kann, ein hinreichendes Grundeinkommen bedingungslos zur Verfügung stellen. Auch in Deutschland wird die gesellschaftliche Brisanz durch fortwährende Umschichtung des Reichtums auf immer weniger Haushalte einerseits in Verbindung mit Enteignung, Kriminalisierung und Verfolgung sozial Schwacher durch Staat, Politik, Medien und Denunzianten andererseits künftig steigen. Demonstrationen und Unruhen in anderen EU-Ländern (Griechenland, Frankreich) weisen schon jetzt auf eine wachsende Unzufriedenheit über Wirtschaftspolitik und Verteilung des Vermögens in der Bevölkerung hin. Gründe dafür sind die zunehmende Herauslösung des Menschen aus den Arbeitsprozessen in Folge von Automatisierung und Effizienzsteigerung sowie fehlendem Nachrücken von innovativen und marktfähigen Produkten, welche genügend neue Arbeitsplätze schaffen könnten. So ist zum Beispiel ein Auto, welches kreditfinanziert und subventioniert in den Markt gedrückt wird, nicht wirklich marktfähig. Ohne konsequente begleitende Produktinnovation ist es nicht einmal ein Zeitgewinn für den Unternehmer. Es trägt vielmehr zum Entstehen und zur Verschärfung einer Krise bei, da künftige Nachfrage auf die aktuelle Marktsituation verschoben wird, was Überkapazitäten temporär jedoch keineswegs nachhaltig auslastet. Zudem wirkt sich langfristig der Lohndruck aus Billiglohnländern auf Löhne und Rationalisierung und damit negativ auf den hiesigen Arbeitsmarkt aus.

Auch die Unternehmen müssen nach dem Prinzip Leben und Leben lassen aufgrund der technologischen und demographischen Entwicklung ein Interesse daran haben, einen Teil ihres Gewinns der Allgemeinheit bedingungslos zur Verfügung zu stellen, um die Kaufkraft ihres Marktes zu erhalten. Solange Astronomen noch keine zweite Erde gefunden haben, deren Zivilisation wir unsere Waren verkaufen könnten, ist grenzenloses Wachstum nur noch durch Anstieg der Weltbevölkerung möglich und auch nur dann, wenn die sich was kaufen kann. Der Unternehmer ist vom Kunden abhängig. Sobald der Kunde aber in der Masse arbeits- und mittellos wird, zieht er den einstigen Unternehmer zwangsläufig auf seine soziale Stufe.

Die Globalisierung scheint das Ende des geografisch wachsenden Kapitalismus, wie wir ihn kennen, eingeläutet zu haben. Mehr Markt gibt es nicht. Das Jagen und Sammeln ist vorbei. Der Kapitalist muss lernen, einen begrenzten Markt zu bewirtschaften. Er muss lernen, dass Kaufkraft nicht vom Himmel fällt, sondern durch vernünftig bezahlte Arbeit und durch entsprechende Verteilung von Vermögen entsteht.

Und machen wir uns nichts vor. Das Grundeinkommen existiert bereits. Die Rentner nennen es Rente, die Studenten nennen es Bafög, die Hartz-IV-Empfänger nennen es Hartz-IV und die Kinder nennen es Kindergeld. Es ist nur noch nicht bedingungslos.



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