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Bundestagswahl: Teile, herrsche und gewinne!

Eigentlich wäre alles so einfach, wenn sich die Gesellschaft auf ein Miteinander konzentrieren und auf

  • die Erfahrung der Rentner
  • die Leistungsfähigkeit der Erwerbsfähigen und
  • das Potenzial der Kinder

stützen würde. Jedoch regiert und führt sich ein Verein von Egomanen leichter, wenn man die einzelnen Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielt. Damit Politik und beauftragte Medien das können, bieten sich folgende Teilmengen an:

Gruppierung nach Erwerbsfähigkeit:

  • Kinder
  • Erwerbsfähige
  • Kranke und Behinderte
  • Rentner

Gruppierung nach Regionen:

  • neue Bundesländer
  • alte Bundesländer

Gruppierung nach Karriere:

  • Hauptschüler
  • Realschüler
  • Gymnasiasten
  • Azubis
  • Studenten
  • gewerbliche Arbeitnehmer
  • Manager
  • Selbständige
  • Unternehmer

Gruppierung nach sozialen Schichten:

  • Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger
  • Geringverdiener
  • Besserverdienende
  • Reiche
  • Rentiers

Gruppierung nach Wähler:

  • Wahlberechtigte
  • nicht Wahlberechtigte
  • Wähler
  • Nichtwähler

Gruppierung nach Personen:

  • juristische Personen
  • natürliche Personen


Gruppierung der öffentlichen Hand

  • Bund
  • Länder

Gruppierung nach politischen Interessen

  • Union
  • SPD
  • FDP
  • Grüne
  • DIE LINKE
  • Piratenpartei

Da alle Gruppierungen gemeinsame, verschiedene und natürlich auch gegenteilige Interessen haben, ergeben sich für die Politik unzählige Möglichkeiten einzelne Bevölkerungsgruppen für eine Sache zu vereinen oder gegeneinander einzusetzen. Im Vordergrund steht dabei immer die Macht, wie erlangt man sie und wie erhält man sie.

In einer Demokratie müssen sich diejenigen mit Machtambitionen auf die Wähler stützen und die kann man beliebig beeinflussen. Dabei instrumentalisiert die Politik einzelne Ereignisse oder nutzt Widersprüche in der Gesellschaft, statt sie zum Wohle der Allgemeinheit zu lösen:

Beispiel Oma, Opa und ihre Enkel
Beim Generationenkonflikt hilft schon mal, dass Kinder nicht wählen dürfen. Daher kann sich die Politik auf deren Rücken austoben und konsequent die Interessen und Nöte der Kleinen missachten. Unsere Kinder werden zwar mangelhaft bis ungenügend gefördert und ausgebildet, tragen aber die gesamte künftige wirtschaftliche Last der Gesellschaft. Gefragt werden sie nicht. Dabei geht es nicht darum, ob Oma und Opa Teile ihrer Rente in ein Taschengeld für ihre Enkel umwandeln. Es geht darum, ob unsere Kinder künftig überhaupt die Leistungsfähigkeit erreichen, um ihr eigenes Einkommen, die Rente ihrer Grosseltern und auch noch Zins und Tilgung unserer Staatsschulden zu erwirtschaften, wenn es schon die derzeitigen Erwerbsfähigen nicht schaffen. Dem steht zudem die demographische Entwicklung und die ständig steigende Effektivität der Wirtschaft bei sinkender Innovationskraft in Deutschland entgegen. Bei der Renten-Frage steht also die Stimme von 20 Millionen Rentnern gegen die Unmündigkeit der Kinder als künftige Leistungsträger. Wessen Stimme hat wohl mehr Gewicht?

Beispiel Atomausstieg:
Nach dem erneuten Zwischenfall im KKW Krümmel sind drei Viertel aller Deutschen für ein sofortiges Abschalten aller älteren Kernkraftwerke. Um zu vermeiden, dass die im September alle Rot-Rot-Grün wählen, zerlegen wir die Gruppe und erinnern die einzelnen Strömungen an ihre Interessen. DIE LINKE zu wählen, geht schon mal gar nicht, weil links grundsätzlich böse ist und die Macht, sorry, die “demokratische Grundordnung” von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen bedroht. Eine Wahl der SPD macht wenig Sinn, denn die haben ihre Wähler in jüngster Vergangenheit betrogen und Politik für die kleine Gruppe der Reichen gemacht. Die Grünen bieten noch keine echte Alternative zu KKWs und die Stromversorgung sollte gesichert und zudem billig, sorry, wirtschaftlich sein. 1:0 für Union und FDP!

Beispiel Internetzensur:
Jeder vernünftige Mensch verachtet Kinderpornografie (Kipo) und den Missbrauch von Kindern, aber jeder ist auch gegen eine Zensur von was auch immer. Wir spalten also wieder und spielen Unwissende gegen Wissende aus. Den Unwissenden erzählt man von tollen Stop-Schildern im Internet und packt sie bei ihrem Sinn für Menschenrechte, denn jeder will Kipos bekämpfen, egal wie. Da Internetnutzer und EDV-Freaks sowieso eher Egos und daher völlig zersplittert sind, kann man ihre berechtigten Einwände gegen Sperrung von Internetseiten und ihre alternativen Lösungen, getrost ignorieren. 1:0 für “Zensursula”.

Beispiel Abzug aus Afghanistan:
Zwei Drittel aller Deutschen ist für den sofortigen Abzug unserer Truppen aus Afghanistan und Beendigung des Krieges. Die müssten im September eigentlich alle DIE LINKE als einzige konsequente Friedenspartei wählen. Also wechseln wir das Thema, spalten unser Volk und schüren Ängste. DIE LINKE könnte die Banken verstaatlichen! Einen sehr schlimme Sache. Woher sollen Deutschlands Kriegsparteien – CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne – dann ihre Spenden, Entschuldigung, es muss doch heissen: Woher soll die deutsche Wirtschaft dann ihre Kredite erhalten, etwa von der Sparkasse? DIE LINKE hätte kein Wirtschaftskonzept. Lesen muss man können! Aufgrund ihrer pluralistischen Aufstellung hat DIE LINKE als einzige Partei in Deutschland gleich mehrere Wirtschaftskonzepte. Was sie aber zu einem Angstgegner der Kriegsparteien macht: DIE LINKE bietet als einzige Partei Lösungen für die Menschen, für unsere Kinder und damit für auch noch für Wirtschaft und Gesellschaft an. Da DIE LINKE nun offenbar doch Wirtschaftskonzepte hat, fragen die Kriegsparteien ungläubig nach der Gegenfinanzierung. Die könne ja nunmal gar nicht funktionieren, bei der aktuellen Staatsverschuldung. Wieso nicht? Wieso sollte eine gerechte Verteilung, wie sie im Deutschland der 60er Jahre unter Ludwig Erhard bei nur 2 Prozent Arbeitslosigkeit stattfand, nicht mehr funktionieren? Spätestens jetzt rennen die dummen Wähler, wie aufgescheuchte Hühner, durcheinander und entscheiden sich doch lieber für das kleinere Übel: Krieg, Sozialabbau und steigende Schulden! Das kennen wir, das sind wir gewohnt und bisher konnten wir damit gut leben. Und so kommt es, dass zwar zwei Drittel aller Deutschen gegen einen Krieg sind, jedoch 86 Prozent weiterhin ihre Kriegsparteien wählen würden.

Beispiel “Teile und herrsche!” mit Hartz-IV:
Gerade heute fordert Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, dass diejenigen, die in die Sozialkassen eingezahlt haben und auf Hartz-IV-Niveau abrutschen, besser gestellt werden sollten, als diejenigen, die bislang nur von Hartz-IV lebten. So fragt Bild auch prompt:

“Kommt das Zweiklassen-System bei Hartz IV?”

und erzielt Wirkung:

“Wenn schon Reformen, dann aber richtig! Hartz4 dauerhaft nur für Personen ab 50 Jahren. Bei jüngeren nur, wenn pro Quatal soundsoviele Bewerbungen verschickt wurden, ansonsten 20% Abzug. Nach ca. 1/2 Jahr dann kein H4.”

schreibt ein typischer Bild-Leser in den Kommentaren während ein anderer dem Vorschlag von Alt durchaus etwas abgewinnen kann:

“Hartz 4 bestraft die Leute die immer Arbeiten gegangen sind. Dafür werden die leute belohnt die sich nicht um Arbeit kümmern aber dafür das SGB auswendig können.”

Die Liste könnte man endlos fortsetzen und oben auch noch weitere Teilmengen hinzufügen. Die Frage ist jedoch: Wieviel Gegeneinander verträgt eine Demokratie?



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