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Deutschlands Mond-Problem

GPN-2000-001486kln-tv.de trommelt für Schwarz-Gelbe Besetzung unseres Mondes und verschweigt die wahren Hintergründe.

Ich mag die Raumfahrt. Sie hat uns Satelliten-TV, Echtzeitnavigation, brauchbare Wettervorhersagen, tolle Science-Fiction-Filme und vor allem viele neue Erkenntnisse über unsere Erde gebracht. Schon daher ist es wichtig und richtig, das Weltall zu erforschen.

Würde ein Wissenschaftler eine Mond-Mission fordern, wäre das legitim. Wäre die Luft- und Raumfahrt-Industrie dafür, wäre das verständlich und transparent. Wenn jedoch Theologe und CDU-Mitglied Peter Hintze trotz dramatischer Haushaltslage für eine deutsche Mond-Mission wirbt, steckt mehr dahinter, als uns Politik und Medien offenbaren.

Hintze will mit uns zum Mond. Schön! n-tv.de erzählt uns ein Märchen und schildert das Projekt in den schillerndsten Farben. Gut, es gibt Finanzierungsprobleme. Auch darauf weist n-tv.de hin. Was uns jedoch der Sender verschweigt, sind die Profiteure eines solchen Projektes.

Wir alle wissen, bei Europas Luft- und Raumfahrtkonzern EADS läuft es nicht gut. Der Airbus A380 wurde kein Blockbuster und die Entwicklung des Militärtransporters Airbus A400M schreitet kaum voran. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise mit sinkenden Verkaufszahlen und Auftragseinbrüchen. Also suchen unternehmensnahe Politiker nach Möglichkeiten, dem europäischen Grosskonzern irgendwie anderweitig unter die Arme zu greifen. Nur, wie verkauft man so etwas dann dem Steuerzahler? Gut, dass gerade ein neuer internationaler Wettlauf zum Mond begonnen hat. USA, Japan auch China rüsten sich für die Eroberung unseres Begleiters. Da wäre es doch schön, wenn Deutschland sein Prestige mit einer eigenen Mond-Mission aufbessern könnte. Sollten die Wähler zustimmen, will Schwarz-Gelb 1,5 Milliarden Euro an Steuergeldern locker machen und nun raten wir mal, wer die Aufträge zugeschanzt bekommt. Zudem sollen Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, lügen die Politiker weiter. Das Dumme dabei, EADS ist ein europäischer Grosskonzern, der weltweit produzieren lässt. Es gibt also keine Garantie, dass die Module in Deutschland gefertigt würden. Das Dumme ist auch, dass so eine Einzelfertigung eben kaum neue Jobs schafft und die wenigen könnte EADS aus eigenen Ressourcen decken. Fehlte es an Fachkräften, dann dauert die Ausbildung zu lange, worauf die Industrie nicht wartet. Die fliegt im Zweifel ihre Know-How-Träger aus dem Ausland ein.

Was trotz aller Bedenken für eine deutsche Mond-Mission spricht, aber von Politik und Medien verschwiegen oder nicht gesehen wird:

Als die USA in den sechziger Jahren Astronauten zum Mond schickten, erstarrte die Menschheit für einen Augenblick, aber danach erlebten zumindest einige Branchen einen noch nie dagewesenen Boom, wie Film-Industrie, Wissenschaft und Medizin, Bildung. Jeder interessierte sich auf einmal für naturwissenschaftliche Probleme, von denen er nie zuvor etwas gehört hatte. Jeder wollte Astronaut werden oder wenigstens Raumfahrt-Ingenieur.

Wenn durch eine deutsche Mond-Mission, wenigstens teilweise Interesse und Neugier unserer Kinder für Naturwissenschaften und Entdeckungen geweckt würde, sind die 1,5 Milliarden Euro gut investiertes Geld. Aber dann muss man es auch so publizieren. Es geht nicht nur um ein paar Arbeitsplätze oder um eine Me-Too-Mond-Mission, weil es gerade mal wieder international “IN” ist. Es geht vor allem darum, unsere Gesellschaft aus ihrer Lethargie zu reissen, die Menschen von den Stühlen zu fetzen und ihnen zu zeigen, dass es mehr gibt als schnelles Geld und dieses ewige “mein Haus, mein Auto, mein Boot”. Zudem könnte sich Deutschlands Forschung und Industrie für künftige Raumfahrt-Missionen empfehlen.

Aber dann macht es richtig, schreibt das Projekt vernünftig aus, prämiert die besten Ideen, fördert den Nachwuchs oder veranstaltet ein Wettrennen zwischen den Unternehmen für die beste Lösung. Setzt die 1,5 Milliarden Euro als Hebel ein, aber werft sie nicht einfach nur so in irgendeinen Mondkrater!

Foto: NASA



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